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SIN CITY Band 1 - stadt ohne gnade

"Es lohnt sich, dafür zu sterben. Zu töten. Zur Hölle zu fahren. Amen."

Frank Millers kongenialer Schnitzer rund um den Antihelden Marv aus der Stadt, Basin City, die niemand wirklich so nennt, sondern einfach "Sin City" , wird in den höchsten Tönen gelobt.
Kann das Gigant-Epos halten was es verspricht?

Der erste Band jedenfalls macht gewaltig Spaß.
Das erste, was man von dem Hauptprotagonisten Marv erfährt ist, dass eine Frau ihn abegschleppt hat, die er eigentlich gar nicht verdient.
Marv, der große Versager, eine taube Nuss, übersäht mit Narben, bereit zu töten wenn er es für richtig hält, schläft mit einem Engel, von dem man nicht viel erfährt, ausser dass sie duftet, wie eben Engel duften sollten.
Und ihren Namen: "Goldie. Sie sagt ihr Name sei Goldie."
Doch die findet er am Morgen, ganz verkatert vom letzten Abend, tot neben ihm im Bett vor.
Er fasst den Entschluss, die eine Frau, die sich ihm so entgegengworfen hat, zu rächen.
Die Fähigkeiten dazu hat er.
Marv, der 2 Meter große ehemalige Soldat, das Muskelpaket, haut sie einfach alle um.
Nur besonders helle ist er nicht.
Aber auch dafür hat er eine Lösung: Er fragt einfach jemand anderen, der mehr weiß als er.
Die geben auch garantiert Antworten, Marv hat seine Methoden.
Also macht sich der Killer auf, Goldie zu rächen, doch erst führt ihn sein weg zu Lucille, seiner Bewährungshelferin.
Er braucht seine "Medizin."
Dann steht ihm nichts mehr im Wege: Die vom Gegner gekaufte Polizei tötet er, genauso wie die Sicherheitskräfte, die für seine Feinde arbeiten. Jetzt braucht er nur noch seine Knarre "Gladys" und dann kann er herausfinden, wer das holde Mädchen Goldie getötet hat.
Als erstes muss er zwei Mietkiller töten, die ihm an's Leder wollen.
Ein Leichtes, und ein neuer Mantel springt für Marvin dabei auch noch raus.
Aber zu allem Übel taucht da eine Frau auf,m die aussieht wie Goldie, Marv ist wieder verwirrt (Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Band, dass der große Typ ein Versager und nicht besonders schlau ist. Seine Verwirrung rührt von geistigen Schäden her, über die man allerdings genaueres erfährt).
Aber seine Nachforschungen bringen ihn weiter.
Von einem korrumpierten Pfarrer erfährt er, dass er zu einer Farm fahren soll, um mehr über Goldies Killer zu erfahren.
Doch was er dort findet, ist unbeschreiblich: Ein Kannibale, der sich lautlos an Marv heranschleicht, denn an den Soldaten konnte sich bisher niemand anschleichen.
Dieser Killer, der dem GI ans Leder will, heißt Kevin und ist Kannibale.
Er hat bereits Lucille eingekerkert und ihre Hand verspeist.
Doch Marv wäre nicht Marv wenn er ausbrechen könnte und auf seinem Fluchtweg ein Schlachtfeld gekaufter Bullen zurückließe, samt Lucille, die von einem der Polizisten getötet wurde.
Doch jetzt bekommt er keine Medizin mehr.
Egal, er muss zurück zu Kevin, um Goldie zu rächen.
Doch vorher trifft er die vermeintliche Goldie wieder, die eigentlich Wendy heißt und die Zwillingsschwester Goldies ist.
Die denkt, dass Marv ihre Schwester getötet hat.
Doch dieser überzeugt sie vom Gegenteil und so machen sie beide sich auf einzukaufen, man bereitet Kevins tot vor.
Und mit dem hat Marvin eine aussergewöhnlich lange Rechnung offen.
Er foltert ihn und schneidet seinen Kopf ab, lässt ihn vorher vom eigenen Hund verspeisen.
Dann muss er zu Kardinal Roark, der die Stadt beherrscht und die Fäden hinter dem Tot von Mavins Engel in der Hand hält.
Aber dann muss Marv für seine taten büßen.
Er kommt auf den elektrischen Stuhl, in der Gewissheit, das Richtige getan zu haben.

Miller beherrscht es unwahrscheinlich gut, den Marv, den er erdachte, darzustellen.
Einfach ein riesiger starker Fleischklumpen, der jedem gefährlich wird. Aber einen unglaublich vielschichtigen Fleischklumpen, einen Versager. Doch nicht irgendein Versager.
Am besten lässt sich Marv mit seiner lakonischen coolen Ausprache beschreiben: "... und die Stadt, diese grosse miese Nutte, liegt flach auf dem Rücken und bettelt darum, dass ich es ihr besorge. Und ich nehme mir sie richtig vor, und dann nochmal und sie fleht immer noch."
Eine weitere Qualität Frank Millers: Er kann verdammt hübsche Frauen zeichnen.
Die entstanden wahrscheinlich aus seiner Leidenschft zum Manga, der ihn maßgeblich inspirierte.
Er hat einen wunderbaren Zeichenstil der wie gemacht ist für Marvs Eskapaden.
Vor Extras strotzt Teil eins nur so.
Eine wunderbare, längere Einleitung von Andreas C. Knigge ( u.a. Herausgeber von Comixene) indem er wunderbar klar die Vorgeschichte des Hard-Boiled Genres, dem Sin City angehört, erklärt und dabei fast ein wenig philosophisch wird.
Auch klärt er über die Vorgeschichte Millers auf und lässt persönliche Erfahrungen mit ihm, die beiden kennen sich seit vielen Jahren, enfließen.

Abgeschlossen wird der Band durch eine Coversammlung der Originalhefte, die zwischen 1991 und 1992 erschienen sind.
Cross Cult hat ebenfalls großes Lob verdient.
Erstens, natürlich, für die wieder einmal wunderbare Aufmachung des Bandes, zweitens, und dass wird viel zu selten gesagt, geht ein Dank an CC dafür, dass sie die wunderbare Serie auf Deutsch veröffentlichen.

autor: Frank Miller
zeichner: Frank Miller
comic-label: Dark Horse Comics (US), Cross Cult (Deutsch)
VÖ: 2006 

9/10 >> Robert Schulze

8.4.07 15:00
 


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