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PUSCIFER - v is for vagina

Die mannigfachen Leidenschaften des MJK

Maynard James Keenan lässt nicht locker.
Obwohl mit den visionären Tool und den nicht minder ausgezeichneten A Perfect Circle er so gut wie alles erreicht hat, sowohl im breitgefächert alternativen Bereich, als auch in vom Mainstream gezogenen Kreisen, kommt es jetzt noch dicke: Ein Soloalbum, dass zudem gar kein richtiges Alleinwerk ist.
Maynard hat noch Zeit gefunden, neben seinen Bands und seinem bestens florierenden Weingut Musik zu machen.
Viele glaubten ja gar nicht daran, dass es wirklich auf die Welt kommt, abseits von zwei bisher veröffentlichten Songs, die sich auf Soundtracks tummeln.
Jetzt ist es da – und es fühlt sich pudelwohl.
Dazu steigert es die Skepsis enorm bei solch einem bescheuerten Titel sowie Songnamen, die sich eher im aberwitzigen, skurrilen Bereich abspielen.
Was ist los?
Ist Keenan bereit für eine Seelsorge und eine geistige Therapie?
Oder führt er uns wieder an der Nase herum, wie er es eigentlich schon immer getan hat, und spielt ein musikalisches Spielchen, wie es ihm gerade in den Sinn passt?

Die gemächliche, rhythmisch begeisternde, nicht allzu komplexe „Queen B.“ zeigt dann eine etwas andere Seite und stopft uns mal das Maul: Offensiver im Arrangement mit leichten orientalischen Finessen und einem durchzogenem „Ohmm“-Beat, nicht verworren sondern sehr eingängig provoziert der gelungene Opener das Albums unsere Ohren und unsere Geduld.
Impliziert der Titel doch etwas, was gar nicht auf dem Album zu hören ist. Ist es doch ein gelungener Emanzipationsversuch aus alten, maroden Kisten und Kleidern?
Keenans Stimme verharrt dabei wesentlich dunkler und zieht sich in den Hintergrund zurück, anstatt den Ton anzugeben, zeigt aber die volle Bandbreite an wunderbar intonierten Harmonien.
„Dozo“ schiebt dann dröhnende, mysteriöse, fast R`n`B-artige Züge nach. Doch was sich Keenan hier an Gesangs bzw. sprechartigen Gesang leistet, ist nicht zufriedenstellend.
Auch textlich greift nicht die Vernuft: “Tuggin on the dinner bell ring-ding-a-ling-dong, Make you smile for a while, would you sing along?”
Was schwirrt dir bloß im Kopf umher, lieber Maynard?
Mit einem hallenden Schlagzeugbeat eröffnet „Vagina Mine“ die Zur-Schau-Stellung, und pendelt sich wenig später auf bekanntes Niveau ein, dass man von ätherisch wohltuenden Tool-Songs schon kennt.
Wirr bleibt es trotzdem, wenn der Bass schaurig-schön den tiefen atmosphärischen Ton vorangibt, die Drums pulsieren, elektronische Spielchen mit einfließen und Keenan auch wieder ordentlich ordentlichen Stuss singt.
„Wake up son of mine, Momma got somethin' to tell you…” - poppige Countryklänge stehen mit „Momma Sed“ als nächstes auf dem Schedule. Doch was will uns Muttern sagen?
Veränderungen stehen an ihm trauten Heim...
„Change come, keep your dignity, take the high road, take it like a man.”
Zum ersten Mal scheint man den lyrischen Leitfaden hier aufnehmen zu können.
Betrunken und voller Elan?
Nein, die Rede ist nicht von deinen besten Freunden nach einer wilden Party, sondern von Keenan selbst, der Typ der „Drunk With Power“ ist.
Zu tief ins Weinglas geschaut?
Wie ein dunkler, zäher Blues rappelt sich der Song auf, lässt schaurige Zirkusglocken ertönen, fließt anschließend in Spaghetti-Western Panoramen und wieder zurück.
“I'm a pirate lost his booty, I’m a pimp without a dog without a bone.”
Ja sicher...
“The Undertaker” schwingt anschließlich die brachiale Industrial-Keule mit schweren Gitarren und brodelnder Montur.
Böse Zungen geben sich die Ehre, der Gesang klingt düster verhangen wie bei den Nachbarn vom perfekten Kreis: „Thank you for making me feel like I'm guilty, making it easier to murder your sweet memory“ heißt es hier.
Und es wird noch konkreter: „Either way i must say goodbye, you are dead to me.”
Nach einem verheißungsvollen Ritual eines Eingeborenenstammes klingt “Trekka”, einer sonderbaren Arbeiterhymne der verrückten Art.
Nach diesem Gebaren widmet sich Keenan den Indigo-Kindern, die über eine spezielle Aura verfügen und auch außerordentliche menschliche und psychische Fähigkeiten besitzen sollen, wie ein erhöhtes Selbstwertgefühl oder ein erhöhtes Potenzial an Kreativität.
„Indigo Children“ - Ob Maynard auch unter ihnen weilt oder er bei seiner Geburt gewusst hat, was in ihm steckt?
Oder übt er sich doch nur in marginaler Messias-Pose...
„Sour Grapes“ flirtet mit einem New Wave-Beat, erstreckt sich aber textlich weit über die Grenzen des Bekannten.
Ist es noch Keenan, der hier eine Geschichte im Sinne eines Priesters inmitten eines Indianervolks erzählt? Kaum wiederzuerkennen.
Dann transferiert sich der Song in eine große Soul und Gospel-Brause. Nach so viel Ungewohntem muss erst mal ein Drink her.
Dieser wird auch mit „Rev 22:20“ serviert, der in einem zurückgelehnten, sexy Gangster-massigen Dry-Martini-Remix serivert wird.

V Is For Vagina ist vielleicht das Mysterium des Jahres.
Warum ist es da, was hat es eigentlich zu sagen, ist doch alles nur Spass? Wir werden es wohl nicht so bald erfahren...oder vielleicht gar nie. Inzwischen lacht sich Maynard ins Fäustchen und schraubt schon an den nächsten irren Einfällen: Kleidung in Puscifer-manier gibt es ja schon, es sollen noch Kaffe, Tiernahrung und Hygieneartikel für die Frau von heute konzipiert und veröffentlich werden.
MJK – die Pussy und der Lucifer, vereint in einer Person.
Wir wussten es!

Label: Arista (Sony BMG) VÖ: 2007

6.5/10 >> Daniel Gilic

18.11.07 15:00
 


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