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MACHTLOS - gavin hood

Das Land der unbegrenzten Grausamkeiten

Mit 14 kommt der Araber Nulu El-Ibrahim in die USA.
Er lernt akzentfreies Englisch, gründet eine Familie mit der Amerikanerin Isabella (Reese Witherspoon) und ergattert eine angesehene Stelle in der Chemieindustrie.
Das Schicksal will es so und der gute Nulu wird von der CIA entführt und gefoltert.
Ob er tatsächlich Terrorist oder extremistisch ist, spielt hierbei keine Rolle. Es geht den Leuten da oben nur darum, auf die grausamste Weise tätig zu sein, nicht die Hände in den Schoß zu legen.
In Washington versucht die hochschwangere Isabella alles, um ihren Mann zu befreien, scheitert aber an der unbarmherzigen Anti-Terror-Chefin Corrinne Whitman (Meryl Streep).
Währenddessen redet sich ihr Mann um Kopf und Kragen und erfährt Menschlichkeit von einem einzigen Mann, ausgerechnet dem amerikanischen CIA-Agenten Douglas Freeman (Jake Gyllenhaal).

Machtlos ist ein durch und durch politischer Film, doch letztendlich traute sich der Oscar-Preisträger Gavin Hood (Tsotsi) doch nicht, ganz auf die Entführungsgeschichte zu setzen.
Vollkommen unnötig mischt er melodramatische Klischees bei, die die Story nur komplexer machen und vom Wesentlichen ablenken.
Es existiert eine Nebenhandlung um ein junges muslimisches Liebespärchen, die an sich ein schönes Drama abgeben würde, in diesem Film aber wenig zu suchen hat.
Viel interessanter wäre hingegen die Vorgeschichte von Douglas Freeman gewesen, von dem wir so gut wie nichts erfahren.
So ist einzig und allein Jake Gyllenhaal zu verdanken, dass der junge Agent nicht ganz so blass bleibt und letztendlich doch menschliche Züge entwickelt.
Gyllenhaals Freundin Reese Witherspoon kann zwar nicht so phänomenal überzeugen wie vor kurzem in ihrer oscarprämierten Darstellung in Walk The Line, ist aber dennoch ein Hingucker und emotionaler Magnet des Films.
Herausragend wie immer ist selbstverständlich auch hier Meryl Streep (Der Teufel trägt Prada); und allein schon ihretwegen lohnt sich der Kinobesuch. Ihre Corinne Whitman ist steinhart und dennoch schafft es Streep, die Eiseskälte in Person als eine Frau darzustellen, die real existieren könnte und nicht nur der blühenden Fantasie der Drehbuchautoren entsprang.
Es war mutig, diesen Film zu drehen, denn er äußert seine Kritik sehr direkt, ohne Andeutungen und Hinweise.
Der Zuschauer braucht nicht zwischen den Zeilen zu lesen oder sich Ewigkeiten mit der Frage zu beschäftigen, was das Ganze denn eigentlich sollte.
Es tut weh mitanzusehen, wie mit einem Menschen wie mit einer Spinne umgegangen wird, bis man es irgendwann nicht mehr schafft, zu glauben, dass eine einzige Person so viel Leid ertragen kann.
Zu unvorstellbar unmenschlich stellt Gavid Hood die Vorgehensweise der CIA-Verantwortlichen dar, sodass man die eine oder die andere Szene zunächst mal verdauen muss.
Und während man es tut wird man immer wieder mit der vornehmen Idylle Washingtons konfrontiert, mit der Gelassenheit und der Ruhe der wichtigen Leute in ihren hellen Arbeitszimmern und sterilen Küchen.

Gerade diese emotionale Abwechslung macht den Thriller so attraktiv und spannend, so authentisch und dennoch so abstrakt, denn er spielt wie in einer anderen Welt, so nah und doch so fern.
Vor allem den Glanzleistungen der Schauspieler ist zu verdanken, dass Machtlos ins Langzeitgedächtnis wandert und aus dem Unterbewusstsein immer wieder daran erinnert, dass auch für die USA Menschenrechte nur auf dem Papier existieren, wohingegen politische Machtspielchen allgegenwärtig sind.

info: 2007, USA, Gavin Hood, Polit-Thriller
darsteller: Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Meryl Streep ua.
under the influence: Tsotsi, Von Löwen und Lämmern, Jarhead 

7.5/10 >> Natalya Nepomnyashcha

9.12.07 16:00
 


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