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DEVENDRA BANHART - smokey rolls down thunder canyon

Back to the roots

Süd-Amerika-Feeling kennt man ja vom Buena Vista Social Club.
Auch bei Devendra Banhart weiß man Bescheid.
Über seine Vergangenheit beispielsweise, nämlich darüber, dass er einige seiner jungen Jahre in Venezuela verbrachte.
Und mit seinem neuesten Album Smokey Rolls Down Thunder Canyon lädt Banhart dazu ein, ihn zu begleiten durch seine eigene Welt.

Den Einstieg dabei macht „Cristobal“, ein spärlich begleiteter, spanisch gesungener Folk-Song.
Die ganze Produktion klingt an und für sich schon leicht altbacken und verpasst den Song einen gewissen Charme.
Dieser Charme ist aber nicht nur in „Cristobal“ zu spüren.
Der „New Weird“-Amerikaner arbeitet weiter damit, wodurch auch das heimisch-gemütliche „So Long Old Bean“ ein gewisses Etwas erhält. Familiär und warm, aber nicht ganz so südländisch, wie der Opener oder „Samba Vexillographica“.
Eine kulturelle Reise also, die auch mit „Seahorse“ fortgeführt wird.
Eine ruhige Nummer, mit verhaltener Schlagzeug-Begleitung, ein bisschen Synthie und einem schwungvollem Piano.
Venezuela grüßt nur kurz mit hintergründigen Trompeten, bis es im acht Minuten zählenden Stück letztendlich rockig zur Sache geht, mit angezerrten Gitarren und singendem Gitarrensolo.
Ziemlich dünn und fast schon zurückhaltend kommt dann auch schon „Bad Girl“.
Eine gesanglich unterstütze Gitarrenmelodie geht über in eine melancholisch angehauchten Country-Folk-Mixtur.
Anfangs noch wunderbar, zieht es sich mit fast fünf Minuten aber auch ganz schön, wobei man Devendra Banhart bis hier hin schon einen gewissen Faible für lange Songs unterstellen muss.
Was keine Kritik sein soll, manchen Songs tut das schließlich gut, aber „Bad Girl“ hätte sich auch kürzer ausfallen können.
Mit ähnlicher Länge besticht „Seaside“.
Der Song baut einen netten Spannungsbogen auf und findet in der Mitte seinen Höhepunkt, nicht unbedingt ein Ohrwurm, aber wenigstens schön verträumt.
Nach den schwelgerischen Klängen kommt dann aber wieder die Country-Musik durch.
Mit „Shabop Shalom“ gelang Banhart eine Jukebox-Elvis-Ballade, die bis auf das gesprochene Intro dann insgesamt doch nicht so countrylastig ausfällt, wie man es beim Hören des Einstiegs wohl erwartet hätte.
Die Rock’n’Roll-Atmosphäre bleibt auch in „Tonada Yanomaninista“ erhalten.
Knapp drei Minuten, die irgendwo zwischen alten Klassikern und modernem Indie-Rock liegen.
Abkühlung nach diesen zwei Stücken verspricht „Rose“, weniger interessant gestaltet und mit fünf Minuten erneut ein gut in die Länge gezogener Song.
Eher ruhig gehalten und unauffällig, demnach also leider auch nicht besonders hervorstechend.
Überraschender dagegen sind dann die Gospel-Klänge bei „Saved“, dem Song, der mit seinem dreiviertel Takt zum Mittanzen, Mitklatschen und Mitsingen anregt, wie sich das gehört.
Man könnte sich überfordert fühlen, bei den vielen Richtungen, die hier dargeboten werden.
Ist dies aber nicht der Fall, dann kann man sich auf „Lover“ einlassen, wo er dann zur Abwechslung mal wieder funkig vor sich rockt, bevor es mit „Carmencita“ wieder in Richtung Süden geht.
Das kann natürlich noch nicht alles gewesen sein.
Und das war auch noch nicht alles.
Nein, probieren wir es doch mal mit einem Off-Beat-Rhythmus, angelehnt an den Reggae-Sound.
Ruhig, langsam und für Leute die dieses Wort gerne benutzen: chillig.
Die letzten drei Songs stehen an, langsam darf man runterkommen von den Wolken, den Dimensionen und all den anderen Dingen, zu denen man durch die Musik getragen wurde.
„Freely“ und „Remember“ sind zwei Balladen, kommt schließlich am Ende immer gut.
Einmal mit Gitarre und einmal mit Piano im Vordergrund, und erneut mit jeweils über vier Minuten eine ordentliche Laufzeit.
Endgültig Abschied nimmt Devendra mit „My Dearest Friend“, zwar nur zwei und eine halbe Minute lang, aber der Song ist ein gut gewählter Ausklang.

Eine experimentierfreudige Platte, die viele Stilrichtungen in den Mixer geworfen hat.
Und das Endergebnis schmeckt erstaunlich gut.
Ob Rock, Latin, Reggae, Folk, Gospel oder Country – zu finden ist alles irgendwo und vielleicht entdeckt man sogar noch mehr.
Interessante Stilübung, die der junge Texaner hier abgeliefert hat.

Label: XL Recordings VÖ: 2007

8/10 >> Tim Kollande

9.12.07 16:00
 


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