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BAND OF HORSES - cease to begin

Der Kampf ist noch nicht vorüber

Noch ist es Herbst, noch ist der Titel „Bestes Herbst-Album 2007“ noch nicht vergeben.
Und zu einer Zeit, wo die Supermärkte die Konsumenten schon mit Spekulatius, Glühwein und Schoko-Weihnachtsmännern versorgen, glaubt kaum noch einer an eine Nachzügler-Platte, die noch groß etwas reißt, bevor dann der Winter kommt.
Aber da man so schön auf Pferde wetten kann: Setzen sie doch mal auf die Band Of Horses.
Hatte man Mitte der 80er mit „Liebesspieler“ ja eher weniger Glück, könnte hier der große Sieg eingefahren werden.

Mit der Frage „Is There A Ghost“ eröffnet das Duo, welches sich au der eigenen Homepage mitunter als „Bananas In Pyjamas“ präsentiert, das zweite Album nach dem 2006er Erstlingswerk.
Und nach anfänglichen Ähnlichkeiten mit der Youth Group nistet sich mit dem Opener auch gleich ein kleiner Ohrwurm fest.
„Ode To LRC“ folgt an zweiter Stelle.
Gerade jetzt, wo in einigen Gebieten schon der Schnee fällt, träumt man doch gerne mit, wie die Flocken in Zeitlupe zu Boden fallen und die Stimme aus der Box einem die Schönheit der Situation mit „The World Is Such A Wonderful Place“ nur bestätigt.
Irgendwo zwischen Two Gallants, The Weakerthans oder der Youth Group sitzen auch die beiden der Bnd Of Horses und spielen verträumt vor sich in.
„No One's Gonna Love You“ ist dann die schnulzige Balalde, die jedoch so umgesetzt wurde, dass es schon wieder eine wunderschöne Ballade ist. Die Welt ist so ein schöner Ort und niemand wird dich jemals mehr lieben als ich es tue.
Da kommt die Sonne doch direkt wieder durch die grauen Vorhänge durch, die tagelang vor sich hin regnen.
Nicht jeder Song auf der Platte ist ein hundertprozentiger Schmacht und Liebeseid an irgendjemanden oder irgendwas.
Ein wenig Humor schimmert schließlich schon durch, wenn man ein Lied nach Detlef Schrempf benennt, dem seiner Zeit besten deutschen Basketballspieler in der NBA.
Wobei es Band Of Horses trotzdem schaffen, mit so einem Titel einen tollen Song zu zaubern.
Bis hierhin auch, gerade durch den Refrain, der Song des Albums.
Dass die beiden Jungs ein Gespür für gute Melodien haben, beweisen sie dann mit „The General Specific“.
Zur Halbzeit des Albums dann also fröhlichere Klänge und ja, verdammt, das haben sie auch gut drauf.
Die Platte, die hier ins Rennen geschickt wurde, liegt zur Pause klar vorne, ob sie sich in der zweiten Hälfte auch so gut behaupten kann?
Zur Einstimmung gibt es „Lamb Of The Lam“, ein einminütiger, instrumentaler Track, der eine Art Überleitung zur wiedergefundenen Melancholie darstellt.
Da darf natürlich der typische Hall nicht fehlen.
„Island On The Coast“ heißt das nächste Stück und bietet, wie erwähnt, verstärkt durch Hall-Effekte einen breiten Sound, wobei die positiven Klänge hier letztendlich doch wieder überwiegen.
Danach wird die Geschwindigkeit runter geschraubt für den „Marry Song“. Deutlich zu spüren sind in dieser tragenden Ballade die Country-Anleihen. Nicht umsonst schreibt eine bekannte Indie-Enzyklopädie „Alternative Country“ als Schublade unter den Bandnamen.
Der Breitwandsound von „Island On The Coast“ taucht dann auch wieder bei „Cigarettes Wedding Bands“ auf und die Band Of Horses zaubert erneut einen tollen Song.
Um das Rennen ein wenig anzuheizen: Ein sauberes Überholmanöver.
Der Endspurt steht an.
Die letzte Runde.
Der „Window Blues“.
Ein wenig Wind aus den Segeln nehmen, sich zum Ziel tragen, wieder ein wenig Country durchschimmern lassen.
Sich langsam aber sicher der Zielgerade nähern und dann die Linie überqueren.
Haben wir einen Gewinner?
Ja.
„No one is ever gonna love you more than I do“ verspricht der Sänger in einem schönen Liebeslied - man könnte das auch zur Platte sagen.
Es war kein unfaires Rennen.
Trotzdem: Könnten wir die Wiederholung noch einmal sehen?
Weil es so schön war.

Label: Sub Pop (Cargo Records) VÖ: 2007

9.5/10 >> Tim Kollande

9.12.07 16:00
 


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