pop weekly layout
Design
Gratis bloggen bei
myblog.de


Jahrescharts - Das Beste aus 2007: Plätze 39 - 30

30. BABYSHAMBLES - shotter's nation
Den Titel des Chaoten des Jahres musste Pete Doherty 2007 an Britney Spears abgeben. Dafür hat es das Album Shotter's Nation wenigstens in die Jahrescharts geschafft.
Dabei gehört das Album schon allein deswegen in die Liste, weil kaum einer an dessen Veröffentlichung geglaubt hat – schon der Erstling Down In Albion war ja eine Zitterpartie. N
Das Zweitwerk hat aber in die Plattenläden geschafft und der Musikfan fragt sich, ob die Platte mit dem grandiosen Vorgänger mithalten kann.
Tolle Melodien, die beste Produktion an der Pete Doherty bisher beteiligt war, und vor allem das ausgefeilte Songwriting zeichnen Shotter's Nation aus.
Gesungen wird über Lasten eines Stars, Drogensucht und Kate Moss. Ein weiteres Mal scheint die These bestätigt, dass Künstler immer dann am kreativsten sind, wenn es ihnen richtig dreckig geht. Der Song „Unbilo Titled“ trieft vor Liebeskummer, und auch wenn das Thema in „Lost Art Of Murder“ schon oft in Babyshambles-Songs vorkam, wurde Sucht von innen in noch kein schöneres Gewand gelegt.
Die Libertines sind ebenfalls wieder stärker herauszuhören, die Experimente wurden zurückgeschraubt. Auch wenn dem Album jenes Herzblut und diese Leidenschaft fehlt, die das erste Album der Engländer so besonders gemacht haben, gehört es ohne Frage in diese Liste.
Und wer weiß, wie lang und ob man auf den nächsten Streich vom Pete warten darf.
Jan Gerngross

 

31. EDITORS - an end has a start
Auf ihren Lorbeeren konnten sich die britischen Editors auch nach ihrem viel diskutierten Zweitwerk An End Has A Start nicht ausruhen.
Die einen fanden es zu poppig, einseitig und wenig abwechslungsreich, die anderen liebten die tanzbaren, euphorisierenden Songs mit den traurig erzählten Themen und Geschichten, die das Leben so schreibt.
Auch mit etwas Abstand kann man die Platte noch immer nicht eindeutig definieren, geschweige denn in ein passendes Kopfkino einordnen oder ganz in sein Herz schließen.
Einige Songs wie das fabelhafte "Escape The Nest" oder der wummernde Titeltrack haben nichts an ihren Reizen verloren, drängen sich vom Schattendasein ins warme Licht. Trotzdem konnte das Album in seiner Gesamtheit jedoch nicht an Stärke dazugewinnen.
Nur die Editors wissen genau, warum das so ist. Für eine goldene Mitte reicht das perfekt produzierte Material von Jackknife Lee aber allemal.
Daniel Gilic

 

32. MARILYN MANSON - eat me, drink me

Nach der leider zu gekünstelten Golden Age Of Grotesque-Show und der enttäuschenden amourösen Liebschaft mit Dita von Teese, fokusierte sich Manson wieder auf das, was ihn groß gemacht hatte: Die Musik.
Sie sollte sein gebrochenes Herz retten.
Eat Me, Drink Me überraschte mit einfachem Titel, glänzenden, zumeist schnörkellosen Songs und subtilen Anspielungen und Querverweisen, wie man es von ihm gewohnt ist.
Literaten wie Vladimir Nabukov, Bram Stoker oder Lewis Carroll halfen bei der Realisierung von Manson's düsteren Visionen: Obwohl Eat Me, Drink Me qualitativ an seine Werke gut anschließen konnte, wurde es hingegen von Seiten der Kritiker wenig beachtet. Schade muss man sagen, denn Marilyn Manson hat mehr zu bieten als nur schockreich zur Schau gestellte Koketterie.
Natürlich wusste er sich auch in der neuen Schaffensperiode in das richtige Licht und in die perfekte Szene zu setzen. Mit viel Kunstblut, neuer Lolita-Freundin und gebrochenem Herzen wandelte sich sein Image vom Burlesque-Rocker zum Naturalisten, der sein Innerstes nach Außen entblößt.
Das Buddy Twiggy Ramirez inzwischen wieder im Antichrist-Boot sitzt, verstärkt nur den Eindruck, dass mit Marilyn Manson auch in Zukunft noch zu rechnen ist.
Daniel Gilic

 

33. KILIANS - kill the kilians

Von Dinslaken zu MTV.
Gerade das Abitur in der Tasche – was will man da eigentlich mehr? Klar, Träume hat jeder und die erfüllen sich irgendwann.
Es kann aber auch schneller gehen.
So geschehen im Falle der Kilians. Die fünf Dinslakener Jungs konnten bereits beim Campus Radio auf sich aufmerksam machen und es hat gewirkt.
Thees Uhlmann wurde auf die Jungs aufmerksam und das anschließende Debütalbum Kill The Kilians ließ nicht lange auf sich warten.
Rock-Musik im Stile der Strokes, beim Hören denkt man an jedoch an alte Haudegen mit reichlich Erfahrung.
Eine Stimme, die schon einige Welt-Tourneen hinter sich hat und Gitarren, die klingen als wär es nicht das erste Album dieser Band. Trotzdem sind die Kilians erstaunlich frisch, jung und unverbraucht.
Da verzeiht man kleinere Durchhänger.
Vor allem, wenn man derartige Ohrwürmer wie „Fight The Start“, „Enforce Yourself“ oder „When Will I Ever Get Home“ vorfindet.
Mit Kill The Kilians wurde eine gute Packung an Abwechslung und Rock’n’Roll abgeliefert.
Und obwohl so viel geboten wird, kann man wohl noch eine Menge erwarten.
Tim Kollande

 

34. EDDIE VEDDER - into the wild (ost)

„On nature drunk and high“ - Ist es nun das erste Soloalbum von Pearl Jam-Frontmann Eddie Vedder, oder doch eher ein Soundtrack?
Doch ersteres scheint schon ob der knappen Länge des Albums irgendwo ausgeschlossen zu werden, auch musikalisch und lyrisch zeigt sich das Album stark auf Thematiken des Filmes zentriert. Diese finden sich jedoch hier mit Bravour umgesetzt: Die Texte wirken stark biografisch in Anbetracht des Hauptdarstellers von Into The Wild, beschäftigen sich verstärkt mit dem Zurücklassen des Weltlichen, Freiheitsdrang und einer Verbundenheit zur Natur.
Auch musikalisch spiegeln sich diese Aspekte deutlich wider, die Musik ist sehr bodenständig und naturverbunden, zumeist akustisch und alles andere als groß produziert. Es scheint fast so, als kämen die Melodien wie von selbst, als seien sie ein musikalisches Spiegelbild.
Dabei bewegt sich das Album stimmungsmäßig zwischen Freude und Aufbruch, was in jedem Aufheulen von Eddie Vedder deutlich wird, mit einem Hauch an Traurigkeit, Zweifeln und Einsamkeit.
All diese Emotionen finden sich in den Songs wunderbar umgesetzt.
Ein, zwei rockigere Stücke, viel Gitarren-Folk und ruhige Balladen - So bringt es Vedder in der knappen halben Stunde zu vielen wundervolle Melodieläufen, in die sich der Hörer bloß fallenlassen braucht.
Denn dieses Album bringt den Hörer in die Natur, in friedliche Weiten, aber auch in gefährliche, bedrohliche Strömungen.
Auch mit Gesellschaftskritik hält man sich nicht zurück – „Everyone I come across in cages they bought / They think of me and my wandering but I’m never what they thought / Got my indignation but I’m pure in all my thoughts / I’m alive.”
Wer kann das schon wirklich von sich behaupten? Doch durch den Film und gerade auch durch diesen einmalig guten Soundtrack kann man sich hineinversetzen und für gewisse Zeit einfach mal gedanklich seine Fesseln und Zwänge hinter sich lassen.
Ann-Kathrin Otte

 

35. DESTROYER - destroyer's rubies

Was genau macht Daniel Bejar da eigentlich bei seinem Projekt namens Destroyer, das mit der Platte Rubies bereits in die siebte Runde geht?
Ein Kanadier macht „European Blues“. Aber was genau ist das? „European Blues“ ist Eigenwilligkeit, Spontanität und Überschwänglichkeit, lässt sich kein Format aufzwängen, ist Tanz, ist Lebensfreude, aber auch Melancholie und Nachdenklichkeit, ist Musik einfach mal drauflos.
Impulsiv und manchmal ein wenig unstimmig, aber dennoch melodisch, träumerisch, aber nicht verschlafen, und mit einer ungeheuren Leichtigkeit.
Die Songs ziehen den Hörer in ihren farbigen Klangstrudel hinein, die gesanglichen „Lalalala“- und „Dadadada“-Ausschweife animieren zum Mitsummen, in den meisten der Songs findet man diese ansteckende Ausgelassenheit.
Diese scheinbare Wahllosigkeit und Unperfektheit lässt sich hingegen lyrisch garnicht wiederfinden, doch auch hier hebt sich Daniel Bejar von der Masse ab, seine Texte sehr kryptisch, verschlüsselt. Nicht nur die Musik an sich, auch die Lyrics erfordern eine gewisse Aufmerksamkeit und zielen auch auf Analyse und Nachdenken ab.
Referenzen auf diverse Künstler, Verweise auf geschichtliche Mythen und eine Menge aufgeworfene philosophische Fragen.
„All good things must come to an end / The bad ones just go on forever” – Wir wollen es nicht hoffen, aber es mag ein Stück Wahrheit drin stecken.
Doch in der Zwischenzeit bleibt uns Daniel Bejar hoffentlich weiterhin als „just another West-Coast Maximalist exploring the Blues“ erhalten.
Ann-Kathrin Otte

 

36. THE WHITE STRIPES - icky thump

Was soll ein Künstler tun, wenn alle meinen er hätte seinen Zenit bereits erreicht?
Und auch Marketingtricks wie ein Rätsel um die Beziehung zu der Bandkollegin nicht mehr funktionieren?
Jack White stand vor diesen Fragen und hat mit Icky Thump eine gute Antwort gefunden.
Back to the roots heißt nämlich das Konzept dieser Platte.
Die Gitarre feiert ihr Comeback als dominierendes Instrument, der Sound bleibt roh ist und so wenig produziert wie zuletzt auf De Stijl. Fleißig wird experimentiert, wie etwa mit dem Dudelsack bei dem gleichnamigen Hit "Icky Thump", oder des öfteren mit verzerrten Gitarrenriffs.
So klingt das Album herrlich krachend, unharmonisch, aber dann doch wieder ganz anders.
Zum Beispiel werden in „Prickly Thorn, But Sweetly Worn“ Folk-Melodien ausgepackt, oder White verfällt einfach mal dem Pop, wie in „You Don't Know What Love Is (You Just Do As You're Told)“.
Klar sind „Seven Nation Army“ und „Blue Orchid“-Fans über das Album enttäuscht, denn eine echte radiotaugliche Single gibts diesmal nicht, aber die Kenner der White Stripes sollten begeistert sein.
Für diese Abkehr vom Mainstream gehört viel Mut, der mit vielen Würdigungen in Jahresbestenlisten belohnt wurde.
Jan Gerngross

 

37. GRINDERMAN - s/t

Nick Cave buddelt sich frei.
Mit Pornobart und wilden Songexzessen schaufelt er sich seinen Weg, den er jahrelang mit den Bad Seeds bepflanzt hat.
Eine Durstzeit ohne Musik ist es aber trotz alledem nicht, den mit der neuen Personifizierung als Grinderman steht schon die nächste musikalische Großtat auf dem Plan.
Was schreibt die Agenda für die musikalische Abwechslung genau vor? Rock!
Schmutzig soll er sein, septisch und unperfekt vorgetragen, mit schmierigen Dielen und Ecken wie in der schlimmsten Bar deiner Träume, die aber doch irgendwie anziehend und gefährlich wirkt. „Get It On“, der Opener mit Sprechgesang und Kneipen-Stimmung, zapft schon mal das Bier frisch und setzt schon mal die Lunte, die vom anschließenden „No Pussy Blues“ elektrisch zerhackstückt wird. Cave ist nebenbei auch weiterhin verliebt in süße Melodien, nutzt diese für lasziv groovende Liebesabgesänge wie in „I Dont Need You (To Set Me Free)“ oder für gut platzierte Testosteronrocker wie der zuletzt abgeworfenen „Love Bomb“.
Grinderman ist durch und durch ein Nick Cave-Album.
Es ist anders, bleibt aber trotzdem bei seinem unberechenbaren Mentor.
Im Geiste und in der kompromisslosen Ausführung.
Daniel Gilic

 

38. MINUS THE BEAR - planet of ice

Nein, mit Eiseskälte und kalter Schulter begegnen uns Minus The Bear auf ihrem dritten, enorm vielseitigen Album Planet Of Ice nicht.
Vielmehr zieht sich eine wohlig knackige Wärme durch die Platte, die Eiszapfen und Polkappen zu schmelzen im Stande ist.
Dies liegt sicherlich auch an der Produktion, die Kanten nicht scheut (Knights...), diese aber schön zu umranden weiß.
Wie vielleicht noch Dredg wissen Minus The Bear sowohl griffige Eingängigkeit als auch einen hohen Anteil an neuen Möglichkeiten & Ansätzen, sowie leichtfließende Experimente in ihre Musik einzubringen, die manchmal nach Prog duftet, hier und da Richtung Pop schielt, die richtigen Melodien zur rechten Zeit ausspielt, und selten den Groove beiseite lässt.
Wenn die Gitarren so wunderbar umherschwirren und säuseln wie ein kalter Luftzug (Burying Luck...), die Struktur sich hin und her verschiebt, die Band dich an der Oberfläche zuerst zart einlullt um anschließend dem Funk zu frönen wie im gar nicht unheimlichen "Ice Monster" oder sich in weiter Ferne verliert, wie im episch enigmatischen Ausklang „Lotus“.
Im Nachhinein betrachtet vielleicht das außergewöhnlichste Album aus 2007, auf dem es noch nach wie vor einige Gletscher und interessante Gebirgsketten zu entdecken gibt, wie man dem immer noch wunderschönen Cover frei entnehmen kann.
Daniel Gilic

 

39. THRICE - the alchemy index vol. 1 & 2 (fire and water)

Überraschend interessiert zeigten sich die amerikanischen Thrice an der Alchemie, dass sie zum hochambitionierten Leitthema ihrer Musik im vergangenen Jahr machten, aber nur teilweise der Öffentlichkeit präsentierten.
Album Nummer eins, mit den ersten beiden Teilen Feuer und Wasser, erschien 2007 und stellte den ersten Akt der Tetralogie um die vier Elemente dar, dass in diesem Jahr noch um die restlichen, bisher fehlenden Teile Earth & Air ergänzt werden soll. Brachial steht dazu die erste Hälfte des Albums in lodernden Flamen, wie im gelungen, deftigem Auftakt „Firebreather“, im fies garstigen Doppel „Messenger“ & „Arsonist“ , oder dem hinterrücks zündenden „Backdraft“.
Ein wilder Sprung in die Tiefe der Gefühle, im besten Sinne der Deftones, die einem als Referenz einfallen wollen.
In anderen Gefilden befinden sich träumerische Songs wie „Night Diving“ oder „Digital Sea“, die mit Industrial angereichert sich im Schwebezustand befinden und auf offener See bekümmert umhertreiben.
Manchmal fast mit einem Gefühl der Schwerelosigkeit („Open Water"...)
Neugier und Schaulust führte scheinbar zu neuen, ungeahnten musikalischen Grenzen.
Es bleibt abzuwarten, ob Thrice ihr Opus Magnum mit den fehlenden Zutaten aus dem Folgewerk abliefern werden.
Zu wünschen wäre es allemal.
Daniel Gilic

19.2.08 17:00
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen