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Jahrescharts - Das Beste aus 2007: Plätze 29 - 20

20. AMY WINEHOUSE - back to black
Die neugeborene Souldiva, die den Schmutz, das Drama und die Unberechenbarkeit wieder in den Pop brachte. Amy Winehouse, die beim Zähneputzen mit Whiskey gurgelt und in ihren hochgestecken Turm-zu-Babel-Frisuren Drogen versteckt. Was mussten wir alles über sie lesen. Exzesse ohne Ende, seltsame Auftritte, Schlägerein mit ihrem Liebsten.
Es war zu viel. Doch trotzdem blieb der ehrliche, funk-durchzogene Pop der Winehouse unbeschadet, oder wurde noch stärker.
Sie sang ohne Hemmungen über ihre Laster, spielte ihre angeknickten Karten offen aus und warf dem Hörer das zerbrochene Herz vor die Füße.
Nichts scheint erfungen oder gelogen, und jeder konnte daran teilhaben, sich verstanden fühlen von dieser Frau mit der großen Stimme.
Und abseits dem großen "Rehab" gab es noch viel, was den "One-Hit-Wonder" Gedanken schnell verpuffen lies: "Me And Mr. Jones", "You Know I'm No Good", "Tears Dry On Their Own", "Addicted", "Love Is A Loosing Game" oder der tiefschwarz gefärbte Titeltrack.
Back To Black war und ist eines der wichtigsten Alben, weil es gleichzeitig den Mainstream knackte und sowohl die alternative Hörerschaft vereinen konnte.
Und wenn alte Rockröhren wie Courtney Love nicht aus dem Trott kommen, nehmen wir Amy Winehouse gerne als neue Rock'n'Roll-Frontfrau an.
Mit Stolz.
Daniel Gilic



21. THE NATIONAL - boxer
Von vielen Seiten noch mit (zu) wenig Aufmerksamkeit bedacht, wusste Boxer von The National sämtliche Neo-Wave-Mannschaften weit hinter sich zulassen.
Ausverkaufte Konzerte, frenetisches Abfeiern von seiten der Fans, überaus gute Kritiken.
The National werden mit ihrem nächsten Album sicherlich noch höher, weiter und gezielter einschlagen, als sie es mit diesem dunkeldramatischen Prachtstück, dass es in den Fingerspitzen kribbelt vor unterkühlter Leidenschaft, bereits getan haben.
Ob der gediegene Opener "Fake Empire", das tanzbare "Mistaken For Strangers", das sich lansam entfaltende "Start A War" oder das vom Schlagzeug angetriebene "Squalor Victoria".
Und überhaupt: Das Schlagzeug. Stets um pfiffigen Groove und Takt bemüht, überragt es die Popsongs mit raffiniertem Spiel, das es nicht langweilig wirkt.
The National waren 2007 eine ganz besondere, feine Praline, die den Gaumen vielleicht nicht gleich mit Geschmack ummantelte, sondern erst langsam dahinschmelzte.
So und nicht anders soll es auch sein.
Daniel Gilic



22. DINOSAUR JR. - beyond
2007 – Ein Comeback jagt das andere!
Dinosaur Jr. versuchten es auch noch einmal in Originalbesetzung und brachten uns mit Beyond zurück in die späten 80er und in die frühen 90er.
Zurück in eine Zeit exzessiven Musikerlebens – Grunge. Dinosaur Jr. haben es fertig gebracht diese Epoche in ihren Songs sehr schön wiederaufleben zu lassen, die meisten Songs beeinhalten die Intensität früherer Werke. Möglicherweise mag das auch stark an ihrem Mut zur Schrammeligkeit liegen, denn hier haben sie bei weiten nicht das ausgeschöpft, was die heutige Technik an Verbesserung bereit hält. Aber gerade dieses Hingerotzte ist ja auch ein Charakteristika des Seattle-Sounds. Verzerrte Gitarren bestimmen über weite Strecken das Klangbild und J. Masics‘ einmalig unperfekter Gesang ist einfach stimmig mit der Musik, weil man es so kennt und weil man daran gewöhnt ist. Wer hat schon erwartet, dass Dinosaur Jr. sich nochmal neu erfinden, wer hat überhaupt daran geglaubt, dass bei dieser Reunion was Anständiges bei herumkommt?
Aber schon der Opener „Almost Ready“ ist ein absoluter Kracher, „Pick Me Up“ feiert das Gitarrensolo, dazwischen schmuggelte Barlow mit „Crumble“ ein bisschen was balladeskes, bei „Back To Your Heart“ gibt jener ein sehr gelungene Dave Grohl-Imitation ab, „Been there All Time“ geht in Richtung Punk, „This Is All I Came To Do“ hat wundervolle Melodien, „It’s Me“ ist düster und heftig, „We’re Not Alone“ heller, freundlicher, „I Got Lost“ treibt in ruhigeren Gewässern, „Lightning Bulb“ ist sphärisch und schlagzeugdominiert.
„What If I Knew“ gibt zum Abschluss noch melodische Töne von sich. Wie man an diesem Album bemerkt, lassen wir uns gerne in eine einmalige Musikepoche entführen.
Ann-Kathrin Otte



23. ARCTIC MONKEYS - favourite worst nightmare
Was soll man groß erwarten, wenn eine Band ein dermaßen gutes Debütalbum auf den Markt bringt wie die Monkeys mit Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not?
Vielleicht ein, zwei gute Songs, der Rest wird hinter den Erwartungen zurück bleibe. Doch die Sheffielder Jungs haben es geschafft, ein rundes, schlüssiges Album nachzulegen, dass dem Vorgänger mehr oder weniger auf gleicher Augenhöhe die Hand reicht.
Wieder finden sich diese typischen Riffs, die bekannten Schlagzeug-Grooves und die unverkennbare Stimme von Alex Turner. Schon mit „Brianstorm“ und „Teddy Picker“ liefern sie zwei potenzielle Ohrwürmer. Wie eine kleine Zeitreise zurück zu Album Nummer Eins: Durchhören und direkt den Rhythmus im Blut spüren.
Klar, Favourite Worst Nightmare kann in Sachen Ohrwürmer und Mitsing-Hits nicht alle Erwartungen abdecken, die mit dem Erstling gemacht wurden, trotzdem bieten sie dem Hörer hier Vielseitigkeit. So hat man mit „Fluorescent Adolescent“ auch eine eingängige Midtempo-Nummer in petto oder gar balladenartige Songs wie „Only Ones Who Know“ und „505“.
Favourite Worst Nightmare muss sich also keineswegs hinter seinem Vorgänger verstecken. Ein tolles Album ist somit die Berechtigung für die Monkeys, in den Jahrescharts vertreten zu sein!
Tim Kollande



24. LES SAVY FAV - let's stay friends
Es sah doch alles nach Abschied aus. „We got old, but we got good/ And we did all we said we would” – da schwang mehr als nur ein Hauch Abschiednehmen mit in „Meet Me In The Dollar Bin“. Aber da schien es die New Yorker Art-Rocker doch unter den Fingern zu kribbeln und so nahm die Band einfach mal sechs Jahre nach ihrem letzten Studioalbum ihre eingängigste und poppigste Platte überhaupt auf. Aber den Hörer erwartet auch die gewohnte Experimentierfreude und vor allem intelligente, kreative und stilistisch mehr als hochwertige Lyrics, strotzend von Metaphern, Wortspielen, Parallelismen, Anaphern und allen erdenklich anderen Stilmitteln. Hier macht die Band zwar auch einen Schritt zur Masse hin, öffnet sich etwas dem Autonormalverbraucher, macht aber keine Abstriche ob ihrer Experimentierfreudigkeit.
Sie ecken immer noch hier und da an, aber die Kanten sind etwas geschliffener.
Ann-Kathrin Otte



25. THE PONYS - turn the lights out
Hätte der Black Rebel Motorcycle Club im letzten Jahr selbst keine Platte veröffentlicht, so hätten sich Anhänger und Fans gut und gerne mit dieser Scheibe darüber hinwegtrösten können.
Psychotische Songs verstecken sich hinter einer Maskerade, die das überhaupt nicht nötig haben. Songs wie der süchtigmachende, herrlich coole Opener "Double Vision", das rotzige "Everyday Weapon" oder die groovende Unnachgiebigkeit von "Poser Psychotic", die einfach nicht locker lassen wollen.
Auch wenn die Ponys nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdienten, so blieb ihr Album nicht ungehört. Was die Herrschaften auf dem Cover mit einem anstellen würden, wenn man das Licht ausmacht, das darf sich ruhig jeder selbst gedanklich ausmalen.
Daniel Gilic



26. MAXIMO PARK - our earthly pleasures
Our Earthly Pleasures, der formidable Zweitling nach dem stürmichen Debüt A Certain Trigger, ließ die Band auch weiterhin in den oberen Liga mitspielen. Sie wollen und sie können es auch weiterhin.
Insgesamt ist das Album etwas ruhiger, doch sind es gerade diese stillen und langsamen Stücke wie „Books From Boxes“, die sich in der Hörergunst nach ganz oben arbeiten.
Betrachtet man dagegen Songs wie „Our Velocity“, werden rockige Knallersongs, vorgetragen vom springenden Herren mit der Melone, auch nicht vermisst.
Maximo Park zeigen erneut ihre Qualitäten und liefern neue Lieblingslieder für den geneigten Fan. Vielleicht poppiger als gewohnt, aber trotzdem immer noch ein rundes Ding, diese Platte.
Kein Wunder also, dass Paul Smith und seine Jungs in Jahresrückblicken nicht unbeachtet blieben & bleiben - man muss der Band und der Platte gegenüber auch gerecht bleiben, nicht wahr?
Tim Kollande



27. KATE NASH - made of bricks
Ein guter Freund ist das Beste was es gibt auf der Welt.
Das weiß sicher auch Kate Nash, die ohne Lily Allens Hilfe wahrscheinlich immer noch nur das charmante Mädchen von nebenan wäre und nicht das charmante Mädchen, dass einen keck und frech vom Artwork entgegenstrahlt.
Kate Nash weiß mit Stimme, Text und Piano umzugehen.
Vor allem mit ihrem Hit „Foundation“ zog sie viele in ihren Bann, letztendlich bekam sie hierzulande sogar eine eigene Klingeltonwerbung.
Und das ist gar nicht so falsch: Schließlich würde wohl fast jeder zu ihrer Musik gern das Tanzbein schwingen oder zumindest den daran befestigten Fuß wippen lassen.
Mit Songs wie „Dickhead“, „Birds“ oder „We Get On“ zeigt sie auch eine gewisse Vielseitigkeit, mit der Kate Nash ihre Songschreiber-Qualitäten unter Beweis stellen kann.
Ihre Musik passt zu ihr und passt zu uns.
Ein lebensfroher Sonnenschein, und ein Album, das genauso klingt.
Klingt doch angenehm, oder?
Tim Kollande



28. PATRICK WOLF - the magic poition
Vom exzentrischen Eigenbrötler zum Popstar.
Patrick Wolf hat dies geschafft.
War es vor ein paar Jahren kaum vorstellbar, dass seine Songs auf MTV laufen, rutschte der Traumtänzer mit The Magic Position 2007 fast in den Mainstream.
Nun werden seine Songs in H&M-Shops gespielt.
Und das alles ohne sich selbst und seine Musik zu verraten, denn The Magic Position stellt legiglich eine Weiterentwicklung des Londoners dar. Und was für eine.
Eigentlich muss man nur das Cover dieser wunderbaren Scheibe ansehen, und man kann ungefähr erahnen, wie es in diesem bunten Wunderland zugeht. Lebensfroh und farbenprächtig wie nie zuvor, singt er sich durch eine fantastische Welt. Variantenreicher als früher setzt er Instrumente und Stimme ein, und mittels fantastischer Produktion endet seine Musik als erfrischender Elektropop. Tracks wie „The Magic Position“ oder „Accident & Emergency“ liefern tolle Melodien und sind die eigentlichen Sommerhits des Jahres – wer braucht da noch eine Grace Kelly? Trotz der meist fröhlichen Songs schafft es Wolf auch die Melancholie der letzten Platten zu erhalten.
So authentisch kann Pop klingen.
Jan Gerngross



29. BIFFY CLYRO - puzzle
Biffy Clyro spielen ihr hartnäckiges Spiel auch auf ihrem vierten Album Puzzle mit einer beharrlichen und nimmermüden Präsenz.
Hinter einem recht auffallendem Cover verbirgt sich Überraschendes als auch Altbekanntes.
Ob mit epischen Ohrfeigen wie "Living Is A Problem Because Everything Dies" oder smarten Rockern der Sorte "Semi-Mental", Simon Neil und seine Truppe geben sich fstraight und eingängig wie schon auf ihren früheren Alben, aber auch sehr facettenreich und komplex.
Welches Puzzlestück sich der Hörer aus dieser bunten Kiste herausgreift, bleibt ihm selbst überlassen.
Oft daneben greifen kann er sowieso nicht. Stück für Stück perfektioniert man das Bild, dass dieses Album musikalisch ins Leben zu rufen versucht.

Daniel Gilic

5.3.08 12:00
 


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