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Jahrescharts - Das Beste aus 2007: Plätze 19 - 10

10. KINGS OF LEON - because of the times
Weg mit der Hektik, sagten sich die Kings Of Leon. Gleich der sich Zeit lassende Opener von Because Of The Times, "Knocked Up", schiebt die Hast und die Eile beiseite und wandelt gemäßigt aber immer sattelfest mit dem Ziel in den Augen voran. Und wie er das tut.
Die Hitze der Südstaaten ist hier spürbar und macht auch die ungewöhnliche Aura dieses Albums aus. Der provisorische Schaukelstuhl und die Veranda gehören quasi schon mit dazu im Repertoire.
Rau, teilweise verspielt und die Kanten nicht geglättet, wissen die die Followil-Brüder + Cousin ihre Häupter noch immer zu schütteln. Dazu dienen wilde Rockern wie "Black Thumbnail" oder "McFearless".
Dass die unwiderstehliche Single "On Call" nicht mal über einen eigentlichen Refrain verfügt, trotzdem aber die Glühbirnen zum Bersten bringt, spricht für sich.
Die Kings Of Leon wollen mit dem nächsten Album eine "Wham-Platte" machen, was auch immer damit gemeint sein möchte.
Wir warten dann schonmal gespannt.
Daniel Gilic

 

11. PORTUGAL. THE MAN - church mouth
Was ist schon Indie? Heutzutage wird dieses Genre immer öfters von Musikern als blöder Modebegriff für eingängige Musik gehandhabt.
Portugal. The Man und ihr zweites Album Church Mouth lassen sich aus diesem Pool aus Langeweilern rausfischen. Nach ihrem Debüt Waiter: You Vultures! fanden sich darauf nagelneue sperrige Songs mit eingängigen Beats und zuckersüßen Melodien. Besonders anschaulich ist vor allem, dass die aus Alaska stammende Band sich auf keine bestimmte Stilrichtung festsetzt, anti- grenzsetzend sozusagen. Ob Bluesrock, Einflüsse des glorreichen Sechziger-Rocks wie Led Zeppelin oder The Doors, Post-Rock oder gar Soul und Funk, alles dabei was das Musikherz höher schlagen lässt. Man fühlt sich wie vor einem riesengroßen Buffet, mit pumpendem Bass, schrägen Gitarren und der entspannten Stimme von Sänger John Gourley.
Portugal. The Man, die Schneemann-Band aus dem hohen Norden Amerikas, stellt klar: Um in der Musikbranche präsent zu bleiben und sich Respekt zu verdienen, muss man die musikalische Messlatte hoch genug setzen, ohne sich Grenzen zu setzen.die Gattungstechnisch wird nichts ausgelassen. Innerhalb von nur zwei Jahren gleich einen musikalischen Jackpot zu erreichen, mögen nur wenige von sich behaupten können. Auch wenn die Sonne momentan nicht lacht, dieses Album tut es alle mal.
Wir freuen uns schon auf den 3. Streich!
Ruth Glaser

 

12. THE COOPER TEMPLE CLAUSE - make this your own
Aller guten Dinge sind drei. So schließt sich trauriger Weise auch das Kapitel Cooper Tempel Clause. Ganz im Sinne des Drei-Schritte-zum-Erfolg-Konzepts ist ihr drittes Album am mainstreamfreundlichsten und leider auch ihr letztes.
Musikalisch an sich gar nicht so tragisch, nur dass eben etwas fehlt. Dieser bunte Strauß aus Rockmusik scheint nicht aus den Händen der Coopers zu kommen, zu geschliffen und geleckt klingt was da aus den Boxen schallt. Drei Frontsänger tragen zur Vielfältigkeit des Albums bei und genau hier die Stärke des Albums – in seiner bunten Mischung und dem Abwechslungsreichtum. Die ersten zwei Songs verfolgen noch den Stil der Vorgängeralben, harte Gitarren, ein Hauch Aggressivität, aber eben jene ist leider zu großen Teilen verloren gegangen.
Das Album driftet beständig in Richtung Pop ab – ohne Frage leistet die Band auch in diesen Gefilden Großartiges, trotz ziemlich glatter Produktion kann die Band auch mit dieser Art von Musik mitreißen.
Ann Kathrin-Otte

 

13. AEREOGRAMME - my heart has a wish that you would not go
Obwohl der Titel den schmerzhaften Verlust nicht wahrhaben will und nicht loslassen will, so kommt er doch: Der Abschied, der Rückzug. Und zwar wörtlich:
Aereogramme warfen das Handtuch und lösten sich im letzten Jahr auf. Ihr Vermächtnis bleibt dieses letzte Album, dass anders klingt als die Vorgänger, aber trotzdem im Stande war zu berühren. Sänger und Mastermind Craig B. musste im Vorfeld der Albumaufnahmen mit Stimmproblemen kämpfen. Deshalb findet sich auf diesem Werk auch keine Wutausbrüche (mehr). Er musste lernen, mit seiner Stimme sparsam umzugehen, sie nicht überzustrapazieren.
An abwechslungsreichen Songmaterial fehlt es trotzdem nicht, das Ruhe und Sturm schonmal in nur einem Song in Angriff nahm (A Life Worth Living). Dazu gab es zuckersüße Pianoballaden (Barriers) sowie Episches und Progressives (Finding A Light).
Der tollen Atmosphäre, die nicht schwer ist trotz aller Bürde, tut das keinen Abbruch.
Wir werden sie vermissen.
Daniel Gilic

 

14. THE WEAKERTHANS - reunion tour
Oh Ontario, oh Jennifer Jason Leigh!
Wieder einmal ein schönes Album der kanadischen Band, welches in seiner Klasse nahtlos an Left And Leaving und Reconstruction Site anschließen sollte.
Klar, so ein Werk wir Left And Leaving übertreffen wird schwer, aber eine Entwicklung fortzuführen gelang den Kanadiern hier ohne Frage. Zwar fehlen vielleicht hier und da die großen Wagnisse und Experimente, dennoch bleiben Songs wie "Civil Twilight" im Ohr. Was wohl auch darauf zurückzuführen ist, dass der gewohnte herzerwärmende Sound der Weakerthans immer noch irgendwie zu fesseln weiß.
Die Mischung von angenehmer Gitarrenmusik und poppigem Indierock besticht durch interessante Lyrics und die wohltuende Portion Weakerthans.
Wie schon erwähnt: Das Album ist vielleicht nicht „das“ große Album in der Discographie der Band, trotzdem aber noch alles andere als Standardkost.
Tim Kollande

 

15. QUEENS OF THE STONE AGE - era vulgaris
Es quietscht, es fiept, es windet sich und streckt sich in allen Richtungen - oder dagegen.
Josh Homme lässt die Gitarre wieder ordentlich knarren und dröhnen. Era Vulgaris ist in seiner räudigen und verspielten Gesamtheit trotzdem kompakt in sich geschlossen, obwohl manche Songs gegen diese Enge und Limitierung ankämpfen und gerade dadurch so herrlich trocken ausgefallen sind.
Ein schwer zu bändigendes Ungetüm, dass viele Fans und Kritiker zufrieden stellen konnte als es noch der Vorgänger Lullabies To Paralyze konnte, der eigentlich auch keineswegs ein schlechter Vorgänger war.
Doch diese selbst ausgerufene Zeitepoche passt besser zu Homme und seinen Mannen, greift vorteilhafter in sich zusammen und hat natürlich eine Menge an Hits zu bieten, wie man das von den Queens kennt.
Nick Oliveri vermisst man indes immer weniger...
Daniel Gilic

 

16. THE DECEMBERISTS - the crane wife
Oh please tell me some fairytales! Wer auf Märchen steht ist mit dem vierten Album der Decemberists wunderbar bedient, denn Märchen sind das Konzept des Albums.
Im Mittelpunkt: Die traurige japanische Sage der Kranichfrau, vertont in drei Akten und mit der Hingabe und Leidenschaft eines Geschichtenerzählers. Die anderen Erzählungen sind nicht weniger fantastisch und fantasiereich.
Ob Romeo-und-Julia-Romanzen, Bürgerkriege oder Seefahrten, alle möglichen abstrusen Gestalten tummeln sich in den Lyrics. Musikalisch reihen sie eine wunderbare Melodie an die andere. Indie-Folk mit mit Melancholie und Unbeschwerlichkeit und liebevollen Details wie Spieluhrklängen.
Obwohl das Album zwischenzeitlich einbricht, finden die Decemberists den Weg doch noch heraus. Mit The Crane Wife deckt die Band ein weiten Bereich an Stilrichtungen ab, Mit Prog-Parts, melodischen Gitarrenläufen oder auch mit hart hämmernden Klängen deckt die Band einen weiten Bereich an Stilrichtungen ab, und gerade mit den fröhlichen Melodien reißt The Crane Wife einen in tiefe Traurigkeit.
Ann-Kathrin Otte

 

17. THE TWILIGHT SAD - fourteen autumns and fifteen winters
Schottischer Charme. Das ist es was diese Platte vor allem ausstrahlt, was aber wiederum nicht nur an Sänger James Graham liegt, sondern auch an vielen Aspekten, die man für gewöhnlich mit Schottland assoziiert und die sich hier in der Musik widerspiegeln – rau uns zum Teil widerspenstig.
Gegen die Melodik des Gesangs stellen die vier Jungs aus Glasgow massive Gitarrenwände, ein bisschen lärmig, verzerrt und schroff, ziemlich rockig, hin und wieder jedoch etwas ausschweifend. Doch ihr recht eintöniges Grundmotiv aus wummernden Gitarren und militärischen Schlagzeuggetrommel versteht die Band auf unterschiedlichste Arten aufzupeppen, sie es mit metallischem Klaviergeklimper, mit dem Akkordeon oder eben mit diesem wundervollen, unverkennbaren Gesang. Vergleicht also die Musik des schottischen Quartetts mit der Landschaft Schottlands, so lassen sich einige Parallelen finden, zwischen schroffen, unbezwingbarer Felsen und Klippen findet man immer wieder grüne, lebendige Landstriche, musikalisch bäumen sich die zum Teil beklemmenden Gitarrenwänden vor dem Hörer auf, doch hier und da blitzen auch die melodischen Momente durch.
The Twilight Sad haben es geschafft ihren Lebensraum zu vertonen.
Ann-Kathrin Otte


18. A WHISPER IN THE NOISE - dry land

In der Ruhe liegt Magie.
Eines der außergewöhnlichsten Alben präsentierte uns der Amerikaner West Thordson im letzten Jahr.
Einsamkeit und Leere strahlte es aus, Geborgenheit und Schutz suchte Dry Land aber dennoch. Dazu eine Produktion, die knistert wie ein knarziger Boden eines alten verlassenen Hauses mit einer dekadenreichen Vorgeschichte.
Jeder Tropfen von der Decke scheint in das Soundgewand der Platte hineingerutscht zu sein. Das Wasser dröhnt leise durch die alten Rohre einer verlassenen Schule, in der Thordson sein ungewöhnliches Domizil aufgeschlagen hat.
Dry Land ist Zeuge davon und gerade dies kurbelt die Faszination für dieses Werk weiter an.
Malerische Pianomelodien, ruhiger oder ruppiger Gesang, ausbruchsuchende Geigentupfer.
Unheimlich und in den Bann ziehend.
Daniel Gilic

 

19. NINE INCH NAILS - year zero
Trent Reznor ist zum verlässlichen Arbeitstier mutiert. Verstörte er früher das Gemüt mit alle 5 Jahre mal erscheinenden Alben, so ist der Vorlauf nun geringer.
Nach dem zugänglicheren, dem Song-Format auf die Spur folgenden With Teeth, begibt sich Year Zero in das Jahr Null, wo das Ende der Welt vor der Tür lauert.
Ein ziemlich ausgelügeltes Konzept, das sowohl mit viralem Marketing von sich reden machte, und auch musikalisch schielte Reznor mehr zu epischen Monumentalwerken wie The Fragile.
Year Zero vermochte es, die kurzweilig abgeneigten Fans wieder zu versöhnen und mit starken Songs zu fesseln.
Nine Inch Nails bleiben aktiv.
Die Batterien sind nicht leer, die Nägel spitz und scharf wie eh und je.
Daniel Gilic

8.4.08 12:10
 


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