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Audiothek

AFI - decemberunderground

Hasenjagd und Spuren im Schnee

Das man heutzutage als Band schnell abfallende Temperaturunterschiede und eine andere (oder besser gesagt gar keine weil fließende) Anordnung der vier Jahreszeiten ausnutzen kann, da würde man nicht so leicht drauf kommen.
Geschickter Schachzug.
Wann war der letzte, richtige Sommer noch gleich?
AFI hingegen haben überlegt und lassen sich von klimatischen Bedingungen und bestimmten Perioden des Jahres nicht einspannen: Gleich im Frühling, wo sie ihr Album veröffentlichten, haben sie zu einem weiteren weiten Sprung angesetzt, damit den Sommer hinter sich gelassen, um zu ihrem ganz persönlichen Winter aufzurufen.
Alle Leute und vor allem die Menschen, die der Band ein oder zwei Ohren leihen und ihrem düsteren Ruf folgen, sollen sich ihre dicke Winterkleidung anziehen, ihre hippen Stiefel und trendy Schals, und raus in die Kälte.
Der Sprung ins kalte Wasser.
Nach dem immensen Erfolg des brillanten Vorgängers Sing The Sorrow, dass neben tollem Songmaterial auch den langersehnten Erfolg mit sich brachte, hat die Band um Sänger & Frontfigur Davey Havok erneut an ihrem schmucken Konzept aus Gruft/Gothimage, Poesielyrik, punkinfizierten Hymnen, Elektrotuschern und rebellischen Rock gefeilt.
Ihre eigens zuvor erbaute Nische ausbauen, festigen, und womöglich weiter expandieren, ist nun der Plan.
Aufgegangen ist er.

Das mit Glockenklängen angereicherte Intro „Prelude 12-21“ fackelt auch nicht lang rum, bis es sich von Davey Havoks alleinig umrandeter Stimme loseist und eisern davonstampft.
“This is what I brought you this you can keep, this is what I brought you may forget me/ I promise to depart just promise one thing, kiss my eyes and lay me to sleep” – nach hundertjährigem Dornröschenschlaf klingt es hier jedoch keineswegs.
Die Drums poltern, viele Stimmen und hell strahlende Chöre gesellen sich hinzu, um einen mitreißenden Empfang vorzubereiten.
Diesen gibt es auch schon mit „Kill Caustic“, einem furiosen Brecher, der alles anhält, wofür man AFI liebt.
Und wie sie es schaffen, dieses vollblutwendige Rockstück im Refrain weich und rund zu machen, dass eine kleine Hymne zu erkennen ist, wissen wohl nur sie.
Daneben zeigt Havok all seine stimmlichen Facetten, ob es jetzt nun ruckartiger Gesang, inbrünstiger Schrei oder ein sanfter Flüsterton ist
Die diebische „Miss Murder“ lässt den Bass voranschreiten und beginnt komischerweise mit dem Refrain, wo es heißt: „Hey Miss Murder can I, make beauty stay if I...take my life?“
Um was geht es hier, um das vorzeitliche Ausscheiden, ins Gras beißen (welch treffende Formulierung, wenn man das Cover betrachtet), nur der Schönheit wegen?
Kommt der Tod doch nicht auf leisen Sohlen?
Abwegige Gedanken, diese jedoch zupackend hinter einem punkigen Outfit bekleidet.
Stimmen erheben, Fäuste geballt in die Luft, und los geht’s!
Auch das hell melancholisch strahlende „Summer Shudder“ verpasst einem eine heißkalte Dusche, und jagt warme als auch kühlen Schauer über dem Rücken.
Ist es Missachtung und Abweisung, worauf man hier stößt?
„Under the summer rain, I burnt away/ Under the summer rain, you turned away...“
Um einiges bedrückender klingt das nachfolgende “The Interview”, wo die Textstelle „Swimming, bathing, drowning in sorrow...scream with me“ ein gutes Bild abgibt.
Havoks Gesang scheint in luftigen, weiten Höhen zu schweben, präzise wählt er seine Worte.
Auch findet sich in diesem trübsinnigen Stück die wichtige, titelgebende Zeile: „I flee, I flee to decemberunderground...“, die diesmal mithilfe von Gitarrist Jade Pucket besungen wird.
Ein friedlicher, idyllischer Ort für geschundene Seelen?
Gegen Ende ertönt noch eine Kirchenorgel, somit ist das Bestattungsszenario perfekt.
„Love Like Winter“ fasst noch einmal auf treffende Weise das Konzept des Albums zusammen: Andauernde Kälte.
Warn your warmth to turn away, here it’s December, everyday“, heißt es dann gleich als Warnung zu Beginn des Songs.
So besinnlich und arkadisch scheint es im Untergrund nicht zuzugehen. Darüber hinaus lösen AFI hier ein wunderbares Spektakel aus, spannend und mit leichten elektronischen Loop-Einsätzen.
Die Zeile “I met my love I was born” hallt noch lange nach.
Regelrecht glorifiziert und mit Romantik spielend, bleiben die Worte nicht nur von kurzer Dauer.
„Affliciton“ setzt auch mehr auf den Punkaspekt der Band, führt den Hörer aber nicht in Bedrängnis.
Ab der Hälfte taucht die Band aber in wunderschöne, ambiente winterliche Soundlandschaften, die zum Verweilen einladen.
„The Missing Frame“ ist dann wieder ein handgemachter Mitsing-Song um verlorene Lebenslust und Frustration, der es in sich hat.
Vor allem der mächtige Refrain zündet schon beim ersten Mal die Lunte.
„Kiss And Control“ ist vielleicht das Herzstück der Platte, das gebrochen pulsierende.
Der Refrain berstet fast durch das Arrangement, man gibt sich zügellos. „City lights, like rain, dance and explode, fall upon debutantes/ Reeling from nights that kiss and control, all our our broken hearts…”
Auch einen dramatischen Sprechgesangsteil hat die Band mit eingeflochten.
Auch Gesellschaftskritik ist leise versteckt worden, "We all want to die like movie stars", heißt es da etwa.
Sehr melodisch, liebevoll und zärtlich hingegen das Grundgerüst von „The Killing Lights“, in dem es grob gesagt um das eigene Antlitz geht, um Selbstbewusstsein, oder wenn dieses gerade nicht gut ausgeprägt oder gar nicht vorhanden ist.
Die kalte Hand im Nacken - AFI öffnen dir die Augen.
„37mm“ ist dann A Fire Inside, wie man sie schon seit geraumer Zeit in diese Richtung blicken sehen könnte, vor allem seit Sing The Sorrow: Tanzbarer, knalliger Wavepop mit viel Atmosphäre und satten Keyboardflächen.
Depeche Mode-like, sehr eingängig.
Das endgültige Ende dieser Reise stellt „Endlessly, She Said“ dar, die unscheinbarste Nummer von Decemberunderground.
Vielleicht auch deswegen als Letztes platziert.
Doch Moment, noch wartet der auf den seltsamen Namen hörende Bonustrack „Rabbits Are Roadkill On Rt. 37“ gehört zu werden.
Dieser ist postpunk-artig geworden, wieder mit einen sensiblen Geste für Melodie, erinnert an die Frühphase der Band, und wieder eine kleine, leidenschaftlich vorgetragene Hymne um Verzweiflung und Verwüstung. Passt zwar irgendwie nicht so recht zu den anderen Songs, aber ist ja auch ein Bonustrack.

Decemberunderground ist Katharsis wie sie typischer nicht sein könnte.
All die Zweifel, die düsteren Wolken der Verstörtheit, die diese Band wie Legenden umranken und umgeben, wird mit Hilfe von erhebenden, reinigenden und hymnenhaften Augenblicken durchbrochen und gegenübergestellt.
Die emotionale Reinigung im Wandschrank.
Decemberunderground soll ein imaginär hervorgerufener Ort sein, denn die Band für sich selbst und für ihre Fans erschaffen hat.
Auf ihre Einladung und Aufforderung sollte man nicht zweimal warten...

Label: Interscope (Universal) VÖ: 2006

9/10 >> Daniel Gilic

11.10.07 15:00


YEAH YEAH YEAHS - show your bones

Freikörperkultur

YYY und FKK.
Passt doch, zumindest was die verkürzten Namen bzw. Anfangsbuchstaben angeht.
Dass die Band um Sängerin Karen O die deutsche Bezeichnung kennt, ist schwer anzunehmen.
Trotzdem haben sie das zweite wichtige Album Show Your Bones getauft, frei nach dem Motto „Jetzt zeigen wir dir wirklich, wer wir sind und was in uns steckt.“
Bis auf die Knochen.
Auch den Bikini beziehungsweise den Schlüpfer haben sie abgelegt, Nudismus ist angesagt.
Vielseitiger, brüchiger, verspielter und mit mehr musikalischen Genres hantierend als auf dem Debüt Fever To Tell, so wie Karen es häufiger mit dem Mikro auf der Bühne tut.
Voller Impulse, rein musikalisch natürlich.
Mal ist die Band sanft wie ein Schmusekätzchen, dann zeigen sie Krallen, beißen drauf los, tanzen wild umher, nur um dann mit einem liebevollen Blick doch noch das verwirrte Gegenüber auf ihre Seite zu ziehen.
Eine ungesunde Beziehung ist das, die der Hörer hier mit den Yeah Yeah Yeahs eingeht.
Eine turbulente, aufregende Liaison, wo man nie genau sagen kann, was einen als Nächstes erwartet.
Süss oder sauer?
Milde Melodien oder scharfe Gitarrenlicks?

Eher von der harschen, jedoch unwiderstehlich kratzbürstigen Sorte zeigt sich „Gold Lion“, der ungestüme Opener des Albums.
Zuerst fangen sie mit einer reizend akustischen Melodieführung und glitzerndem Taktschlag a la Queen den Song an, nur um der Bridge eine Spur härter zu schalten, und im Refrain völlig durchzudrehen.
Da darf Karen O noch so umstöhnen, abschrecken tut uns dieses Biest nicht.
Das man bei dieser eigenartigen Schatzsuche dabei sein und zuschauen kann, ist unser Privileg.
Auch „Way Out“ spielt kurz mit diesem Muster, bietet aber keinen Ausweg: Akustischer Beginn...doch Stop!, Halt!, Pause!
Der eigentliche Song sieht anders aus, ist aber wesentlich gelassener, obwohl die Spannung und Intensität noch greifbar ist.
„Fancy“ zeigt dann weiter, wie weit der Begriff der (An)Spannung dehnbar ist.
Mit rollenden Drums wird die Nummer eingeleitet, es riecht nach psychedelischen Substanzen.
Fiepsender, unklar oszillierender Gesang, elektronische Spielchen.
Und das nur, weil man ein Geheimnis gelüftet hat?
Zu einem wahren Groove-Monster steigert sich „Phenomena“ heran, inklusive wabernden Sounds und wolfartigem Gejaule.
Die Instinkte des Menschen scheinen hochzukochen.
Vielleicht die am meisten unterschätze Nummer der Platte.
Honig um’s Maul schmieren als Nächstes?
Scheint so, „Honeybear“ kündigt sich an.
Knuddelig, mit tanzenden Synthies und polternder Partyaura.
„Cheated Hearts“, der innere Zusammenhalt von Show Your Bones, ist vielleicht der ambitionierteste Song des Albums.
Mit großer Geste gespielt, verführerisch ironisch interpretiert, teilt uns Karen O mit, dass sie manchmal annimmt, größer als ihre Band zu sein. “Sometimes I think that I'm bigger than the sound…”
Stimmt dies nun?
Dieser elastisch agile Song ist so sprunghaft wie ein Flummi, so schön wie ausbrechend aus seiner Form, dass eine Beantwortung dieser Frage aufgeschoben werden muss.
„Dudley“ als indirekte Liebeserklärung zu verstehen, ist nicht schwer, jedoch geht es hier um das Auseinanderleben von beiden Partnern.
Wo bewegt man sich hin, wo ist die Person an deiner Seite?
Bei dir?
Woanders?
Oder doch bei dir aber doch woanders...
„Mysteries“ tanzt den verdunkelten Ska in der Lieblingskneipe deines Vertrauens.
Die O klingt hier wie ein bunter Vogel. Mit offenen Karten wird hier gespielt, kein „Smoke“ und keine „Mirrors.“
Das hindert jedoch nicht daran, wieder vehement und stürmisch um sich zu schlagen.
Anschließend gibt man sich mit „The Sweets“ versöhnlich und ruhig. Erinnerungen kreisen um ein neues Aufeinandertreffen.
„Can you fill the can if you cant feel me” heißt es da – das Glück in kleinen Dosen konnte man wohl nicht einfangen.
Barbarisch betitelt ist „Warrior“, was schon mal zur wilden Seite der YYYs passt.
Doch ganz anders sieht das Resultat aus: Folkig, abgeklärt und still instrumentiert, ist dieser Kämpfer ein stiller, mit viel Einsicht in seine Situation, die vielleicht doch nicht so ausweglos ist wie sie scheint.
Die gelegentlichen Kampfansagen und Eruption zeugen davon.
Im letzten Song frönen sie dann unumstösslich dem Pop.
„Turn Into“ als abschließender, versönlicher bezaubernder Moment für eine wahlhalsige Platte voller kahler Stellen.
Mit bildschönen Löffeln haben die Yeah Yeah Yeahs anscheinend die Weisheit gegessen.

Was für ein Skelett dieses hier ist.
Bunt und anatomisch vielseitig wie auf Exempel.
Wie man spannend bleibt, großspuriges Brainstorming betreibt und die Ideen nutzt, jedoch diese in unterschiedliche Bahnen lenkt, zeigt Show Your Bones eindrucksvoll.
Dass dieses Modell nicht sofort anpassungsfähig ist, dürfte klar sein. Transplantation erfolgreich, Patient lebt.

Label: Polydor (Universal) VÖ: 2007

9/10 >> Daniel Gilic 

11.10.07 15:00


KAISER CHIEFS - employment

Zuviel des Guten

2005, was für ein Jahr: Der Papst stirbt, Angela Merkel wird erste deutsche Bundeskanzlerin, und nach 1985 findet tatsächlich eine Neuauflage des Live-Aid-Konzertes aus dem Jahr 1985 statt.
Mit dabei Künstler wie U2, Paul McCartney, Madonna und die Kaiser Chiefs.
Kaiser Chiefs?
Die selbe Band, die sich 2003 noch Parva nannte, und nur von einem solchen Auftritt träumen konnte?
Wohl schon, denn sonst trägt nur ein Fußballklub aus Johannesburg in Südafrika diesen Namen, der frühere Verein von Lucas Radebe von Leeds United, die zufällig auch die Lieblingsmanschaft von Ricky Wilson, der Sänger der Kaiser Chiefs, ist.
Und wie kam es nun zu diesem unerwarteten Erfolg?
Als ein schon sicherer Plattenvertrag mit Parva platzte, beschloss man, die Band aufzulösen, sie unter einem neuen Namen neu zu formieren, und ab jetzt über sich selbst zu singen: Geldmangel und Frauenprobleme – den Alltag einer jeden Band, die noch am Anfang ihrer Karriere steht. Verpacken tun sie da Ganze in eine Mischung aus Pop, Indie-Rock und New Wave und erzeugen damit zwar einen zusammengeklaute, aber doch selbstständige Musik.

So ist ein Plattenvertrag rasch gefunden, ein Song namens „Oh My God“ auf Platz 6 der englischen Charts geklettert, und nachdem dann schließlich das Album Employment erschienen ist, kann das nächste „Next Big Thing“ von der Presse heraufbeschworen werden.
Zurecht?
„Everyday I Love You Less And Less“ ist natürlich ein Hit, den jeder mindestens einmal, aber wohl eher öfters, schon im Radio gehört hat.
Die dritte Single des Albums ist ein sehr eingängiger Elektro-Popsong, dessen Synthesiser zeitweise an den typischen 80er Jahre Pacman-Sound erinnern.
Es wird geraten, den Song nicht allzu oft zu hören, sonst wird man ihn von Tag zu Tag weniger mögen, nervtötend wird er sehr schnell.
Mit „I Predict A Riot“ sagen die Kaiser Chiefs in alter New-Wave Manier einen Aufruhr voraus.
Watching the people get lairy / It's not very pretty I tell thee / Walking through town is quite scary / It's not very sensible / I predict a riot.“
„Modern Way“ könnte genauso gut von Franz Ferdinand geschrieben sein, und die 5 Jungs aus Leeds schlagen zum ersten Mal eine ruhigere Richtung ein, und steigert sich nur imRefrain ins Midtempo.
Bei „Na Na Na Na Naa“ wird ein mancher schon an seine Schmerzgrenze stoßen, besteht über die Hälfte des Songs nur aus einem fröhlichen Singen des Songtitels.
„You Can Have It All“ läuft ohne groß aufzufallen vor sich hin, und ist mit einer Länge von über 4 ½ Minuten vielleicht ein bisschen zu langatmig. „Oh My God“ macht genauso weiter, bis dann dieser wahnsinns Refrain einsetzt, bei dem wohl nur Leute, die Rock-Musik hassen, ruhig sitzen bleiben können.
„And oh my god I can't believe it I've never been this far away from home.“ Vom Heimweh nach dem Auszug aus dem Elternhaus bleibt wahrscheinlich keiner verschont.
„Born To Be A Dancer“ - ebenfalls im gemächlichen Midtempo – behandelt ein schon oft besungenes und beklagtes Thema, die Fernbeziehung, um dabei eine ganze menge an Melodiezitaten anzuwenden.
Der nächste Song, „Saturday Night“, überzeugt mit seinen hektischen vorgetragenen Strophen, einem eingängigen Refrain und einem lustigen Text: „Ppp-pneumothorax is a word that is long. / They're just trying to put the punk back into punctured lung.“
Nachdem das minimalistisch instrumentalisierte „What Did I Ever Give You“ verklungen ist, folgt „Time Honoured Tradition“, ein toller Popsong, welcher sich sicher auch als Single profiliert hätte.
„Caroline, Yes“ ist dagegen wieder mehr New-Wave, während der letzte Song „Team Mate“ eher nach Blur klingt, und an ein Schlaflied erinnernd den perfekten Abschluss für dieses Albums bildet.

Die Kaiser Chiefs legen mit Employment ein tolles Debüt vor, gut die Hälfte aller Songs, die man zu hören bekommt, sind Hits, die eine Singleauskopplung verdient gehabt hätten.
Trotz dieser Hitdichte hat man doch nach mehrmaligen Hören der Platte die Kaiser Chiefs einfach satt, die Songs nutzen sich relativ schnell ab, und können leicht nervig werden.
Hätte man sich an der ein oder anderen Stelle ein „Lalalala“ verkneifen können, wäre das sicherlich nicht negativ aufgefallen.

Label: Polydor (Universal) VÖ: 2005

7/10 >> Jan Gerngross

2.9.07 17:00


A PERFECT CIRCLE - emotive

Ein politisches Statement

Wer hätte das gedacht: Maynard James Keenan, passionierter Sänger von Tool und ebenfalls auch von A Perfect Circle, erhebt seine Stimme.
Nun gut, dies mag sich noch nicht besonders spektakulär anhören, doch ist es dies ohne jeden Zweifel.
Es ist zudem sein Recht. Nicht als Musiker, als Bürger.
Er schwenkt die Fahne.
eMOTIVe, der Protest-Schnellschuss nach dem grandiosen Thirteenth Step, umfasst Politisches und Rebellisches, und wird dabei so konkret wie vielleicht nie zuvor in der Karriere der Band oder deren Bandmitglieder.
Maynard hat sich aus seinem sensiblen Kokon befreit – dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ist dieses Wahnsinnsmanöver zu verdanken.
Nur zwei Eigenkreationen haben es ins Ziel geschafft, auf Platte zu kommen, ansonsten sind verschiedenste Songs von anderen hochgradigen Künstlern ausgewählt worden, um die Leute zum nachdenken zu bringen, wen sie da eigentlich im Weißen Haus sitzen haben wollen, oder besser formuliert: Will die Mehrheit der Bürger wirklich Amerika weiterhin in den Krieg ziehen sehen?
Soll ein Kriegstreiber ernsthaft für das In- und Ausland verantwortlich sein?
Im Nachhinein weiß man: Es war umsonst.
Trotzdem bietet die Collection über „War, peace, love and greed“ auch noch fabelhafte Musik, die es trotzdem zu entdecken gibt, immerhin bürgen die Namen der Band schon seit geraumer Zeit für formidable Qualität.

Gespenstisch schon mal der Anfang.
„Annihilation“ von Cruzifix schlägt die Glocke und flüstert unheimlich gesungene Zeilen.
Gleich hier trifft der Hörer eine Entscheidung - "It’s your choice/ peace or annihilation?"
Wo wird man das Kreuz setzen?
Das legendäre „Imagine“ von John Lennon bekommt in der Keenan-Version mit dramatischem Piano deutlich mehr Düsternis und Beklemmung ab, dazu strahlt sein besonderes Charisma aus allen Poren.
"Whats So Funny About Peace, Love and Understanding" tauscht zum ersten Mal die Positionen.
Billy Howerdel, zweiter Mastermind von APC, versucht sich als Sänger und meistert die Aufgabe in diesem mysteriösen, nebeligen Stück ganz souverän.
Das beste Stück der Platte, "What’s Going On" von Marvin Gaye, hätte sich auch prächtig auf dem Vorgängeralbum gemacht, füllt er doch die Atmosphäre mit einlullender, beklemmender Harmonie.
Wenn die Anziehungskraft der Erde für einen Moment pausieren würde – so würde es wohl klingen, wenn der Mensch den Boden unter seinen Füssen verliert.
Das polternde "Gimme Gimme Gimme" von Black Flag kann die hohe Qualität der Anfangsstücke nicht annähernd halten, auch "People Are People" von Depeche Mode (von Billy Howerdel gesungen) klingt fremd- und eigenartig zugleich.
"Freedom Of Choice" gestaltet sich in typischer, rockiger APC-Manier, wieder aus der Feder von Howerdel.
"Let’s Have A War", mit scharfer Stimme gesungen, schafft erneut eine unangenehme Stimmung zu erzeugen, bleibt aber nach anfänglichem Aufbegehren zaghaft.
"When The Levee Breaks" von Led Zeppelin wirkt magisch und ist in einen beruhigenden, jazzigen Kontext gehüllt - beeindruckend schön.
Als eine Art Klagegesang rundet "Fiddle And The Drum" das Album ziemlich seltsam ab.
Die zwei APC-Stammsongs sollen natürlich auch noch besprochen werden. Auf der einen Seite hat man mit „Passive“ einen eingängigen, kleinen Hit am Start, der ursprünglich mal „Vacant“ hieß, und denn die Band hier noch mal neu aufgenommen hat nachdem das Projekt mit Trent Reznor, genannt Tapeworm, in der Versenkung verschwunden ist, die andere Seite bietet polternde, scheppernde Paranoia mittels "Counting Bodies Like Sheep To The Rhythm Of The War Drums“, einer elektronisch industrialen Remix-Version von „Pet“, der schwer durch den Fleischwolf gedreht wurde.

Erste Erkenntnis: eMOTIVe geht durch Höhen und Tiefen.
Kaum zu glauben, aber A Perfect Circle können auch heterogene Alben aufnehmen.
Nicht jeder Song kann das sehr hohe Level halten.
Zugunsten der Experimentierfreude hat man sich wohl ein paar Freiheiten erlaubt.
Zweite Erkenntnis: A Perfect Circle haben die Gabe sich so gut wie alle Songs irgendwie eigen zu machen, auf eine beeindruckende und sehr eigenwillige Weise. Manche Songs sind überhaupt nicht mehr zu erkennen ("People Are People"...), andere Lieder scheinen so, als wären sie schon ewig im Inventar der Band zu Hause ("What's Going On"...)

Kein Album im herkömmlichen Sinne, mehr eine Zweckerfüllung, doch ungemein spannend.
Ausfälle halten sich in Grenzen und können verschmerzt werden, wenn man diese überhaupt als solche bezeichnen kann.

Label: Virgin (EMI) VÖ: 2004

7/10 >> Daniel Gilic

19.8.07 15:00


SMASHING PUMPKINS - gish

Gab es in den 1990ern echt noch etwas anderes als Grunge? – Ja!

Denn, wenn man sich einmal zurückerinnert, gab es da eine Band namens Smashing Pumpkins, deren Debüt Gish von den Kritikern hoch gehandelt wurde, bis einer Grungeband mit Namen Nirvana mit ihrem Debütwerk Nevermind nur kurz darauf der absolute Durchbruch gelang.
Grunge und die 90er – das gehört unweigerlich zusammen, aber deswegen ist nicht alles, was in den 90ern war auch gleich Grunge.
Und Gish gehört sicher nicht in die Sparte Grunge, sondern es ist vielmehr Alternative Rock oder wie Billy Corgan es betitelte „Ultra-Aggressive-Psychedelic-Rock“.

„I Am One“ baut sich recht gemächlich auf, bis die Gitarrenfront losstürmt und mit ihr das Schlagzeug und der Sound beherrscht ist von sich immer wieder durch entladende Riffs voneinanderseparierende Gitarren.
Der klare Basslauf vom Beginn blickt immer wieder durch die riffige Landschaft und ist unter dem Gitarrenteppich doch noch deutlich auszumachen.
Das Schlagzeug begleitet die Gitarren zwar mit kräftigen Schlägen, hält sich aber im Vergleich zu den Gitarren bedeckt.
Auch bei „Siva“ stehen die Gitarren beherrschend im Mittelpunkt, sie scheinen sich gegenseitig anzustacheln und regeln bestimmend das Tempo des Songs.
Das Schlagzeug kommt in den Ruhepausen der Gitarren zu kleineren Pointe, gut auf der Hälfte des Songs nimmt sich die Band das Wörtchen „Ruhe“ besonders zu Herzen, alle Instrumente scheinen genau wie Billy Corgan zu flüstern und tun dies mit einem warmen Klang.
Dieses Phänomen der Ruhe tritt noch ein weiteres Mal auf und hält den Hörer auf Spannung, denn ganz abrupt setzen Schlagzeug und Gitarren wieder ein und überschlagen sich fast vor Energie.
„Rhinoceros“ fesselt vor allem in den ersten drei Minuten, in denen der Song sanft und unbeirrt vorwärts gleitet und eine faszinierende Traurigkeit von ihm ausgeht.
Die beiden Gitarristen beweisen hier, dass sie nicht nur ein Händchen für rotzige Riffs, die nach den drei Minuten noch folgen, haben, sondern auch auf ruhiger Ebene zu agieren wissen, wobei der Song in beiden Teilen gleichermaßen melodisch ist.
„Bury Me“ weist wie viele andere Songs auch wieder einen sehr schönen Basslauf auf und treibt sein Spielchen ansonsten mit sich hochpeitschenden E-Gitarren und gekonntem Schlagzeugspiel.
Der Song weist einen aggressiveren Ton auf als der vorhergegangene Song, ist jedoch trotz seiner Rifflastigkeit noch melodisch, eine Gitarre bildet immer den Untergrund für die Riffs der anderen.
„Crush“ hat einen sehr warmen Klangfarbe – „Love comes in colors I can't deny“ – und fasziniert durch seine außergewöhnliche Spielart, Bass und Gitarre scheinen sich untereinander abzuwechseln, will heißen, wenn der Bass ansetzt zu seinen verstörend schönem Tonleitergezupfe hält sich die Gitarre im Hintergrund und der Bass schweigt während der helle Gitarrenakkorde.
„Too late to discover peace of mind / Too late to recover me“ heißt es bei „Suffer“, Text und auch die Spielweise der Gitarre innerhalb der Strophen deuten ein wenig in Richtung Gothic.
Ein wenig unheimlich und doch entspannend, so wirkt zum Beispiel auch das Flötenspiel in der vierten Minute, genauso wie Billy Corgans sanfter, fast zärtlicher Gesang und die weichen Gitarrenklänge.
„Snail“ beginnt mit einem ruhigen und warmen Gitarrensolo und so packt den Hörer während der ersten Strophe ein Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit, mit Einsetzen des Schlagzeug und des Wechsels der Gitarrenakkorde zu Riffs verschwindet jenes Gefühl, taucht aber an ruhigen Stellen zwischenzeitlich wieder auf.
„Tristessa“ prescht auf den Hörer ein mit harten Schlagzeugbeats und sich aufbäumenden, massiven Gitarrenwänden, das Schlagzeug überschlägt sich in seinen Höhepunkten und die Gitarrenwände nach dem ruhigen Parts etwas zerbröckeln und sich kurzweilig zu hellen Riffsalven verwandeln.
„Window Paine“ schaukelt im sanften Schwung des Basses hin und her durch eine befremdliche Landschaft aus warmen, wummernden Gitarrenklängen.
Unerwarteter Weise nehmen die Beats des Schlagzeugs und auch die Gitarrenklänge bei der zweiten Strophe eine aggressivere und kräftigere Form an, bis der Song nach einem starken Vorspiel des Schlagzeugs in Riffs ausklingt und Billy Corgan zuerst alleine, dann über den leisen Klängen der Gitarre seine letzten Verse vorträgt.
Ein Trommelwirbel und der Song endet in einem Intermezzo aus Gitarrenriffs und weiteren Trommelwirbeln.
Die Ballade „Daydream“ beschließt das gelungene Debüt der Smashing Pumpkins auf wunderbar sanfte Art und Weise ohne die üblichen verzerrten Gitarrenriffs, sondern mit warmen Gitarrenakkorden und sogar mit Streicherklängen.
Die Bassisten D’Arcy Wretzky übernimmt hier den Gesangpart und glänzt mit ihrer weiche und nicht zu hellen Stimme, die wundervoll in die träumerische Atmosphäre passt.
Es schließt sich noch der einminütige Hidden Track „I’m Going Crazy“ an, der eine ähnlich sanfte Note wie „Daydream“ innehat, jedoch auch wieder auf verzerrte Gitarrenklänge zurückgreift, um eine vermeintlich verstörende Stimmung zu kreieren, was nur ansatzweise gelingt.

Insgesamt gesehen findet man auf dem Debüt der Pumpkins mit „Rhinoceros“ und „Daydream“ zwei überragend gute, ruhige Nummern und etliche Songs mit rotzigem Gitarrenrock. „Ultra-Aggressive-Psychedelic-Rock“ passt als Begriff wohl tatsächlich zu den meisten Songs auf dem Album.

Label: Caroline (EMI) VÖ: 1994

8/10 >> Ann-Kathrin Otte

14.8.07 15:00


DIE ÄRZTE - devil

Jugendsünde

Vor 23 Jahren wurde das Album Debil, das Debüt der Ärzte veröffentlicht, vor 20 Jahren verboten, es würde Jugendliche „sozialethisch desorientieren“. 2004 hielt es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften aber doch noch für möglich, dass Teenager den Song „Claudia Hat 'nen Schäferhund“ satirisch verstehen könnten, und so war der Weg frei zum Re-Release von „Devil“, einem leicht abgeänderten Titel.
Und da nun im Herbst bald das 11. (!) Album der Ärzte erscheinen soll, sollte man dem Debüt nochmal ein Ohr widmen, es hat sich ja doch einiges verändert seit 1984...

Nach dem „Ärzte Theme“, dass sogar schon in Filmsoundtrack Verwendung fand, geht’s mit „Scheißtyp“ endlich los.
Bela B. darf mit seiner deutlich jüngeren Stimme den Gesang übernehmen, und Sahnie wird auch gleich zum Basssolo auf gefordert, was er aber mit einem schüchternen „Ich trau mich nicht...“ ablehnt – so lieben wir die Ärzte.
Der nächste Song genießt wohl Kultstats und heißt „Paul“.
Ein Song den Jugendliche sogar noch heute lauthals mitsingen können. „Kamelralley“ ist ein typischer Liebeskummersong, der sich (mal wieder) selbst nicht so ganz ernst nimmt.
„Nie werde ich den Tag vergessen als wir den Bus versäumt haben / und zu spät zum Religionsunterricht gekommen sind.“
Waren die beiden letztbeschrieben Songs jeweils von Farin Urlaub, wird’s jetzt wieder Zeit für Bela B. und seinem ersten berüchtigten „Vampier-Song“, „Frank'n'stein“ betitelt, gefolgt von dem ersten „Western-Song“ Farin Urlaubs „El Cattivo“, mit der so oft zitierten Aussage „Das Böse siegt immer!“
Zu „Claudia Hat 'nen Schäferhund“ muss wohl nichts weiter gesagt werden, genauso wie zu dem fast Klassiker „Mädchen“ (zu dem es übrigens ein tolles 80er-typisches Musikvideo gibt...)
„Mr. Sexpistols“ beschreibt malwieder typische Pupertätsprobleme: „Eine Träne rinnt mir über das Gesicht, / doch über die Aknepickel kommt sie nicht. / Diese Träne ist so hilflos wie ich.“
Nach dem eher albernen „Micha“, folgt der Song „Zu spät“, der in einer abgewandelten Form der heutigen Zeit besser bekannt ist.
„Ich weiß was dir an ihm gefällt / Ich bin arm und er hat Geld / Du liebst ihn nur, weil er ein Auto hat / Und nicht wie ich ein klappriges Damenrad.“ - so können sich die Zeiten ändern - „Ja eines Tages werd ich mich rächen / Ich werd die Herzen aller Mädchen brechen / Dann bin ich ein Star, und du läufst hinter mir her / Doch dann ist es zu spät, dann kenn ich dich nicht mehr.“
Ob Farin Urlaub ahnte, wie Recht er damit hatte, als er den Song schrieb? Zum Abschluss folgen noch das pubertäre „Roter Minirock, und das herrlich kranke „Schlaflied“.

Ein eindeutiger Unterschied der heutigen Ärzte und der damaligen sind sicherlich die Stimmen: Sie klingen „jünger“ und wurden weniger produziert, was natürlich auch an der damaligen Aufnahmetechnik liegt. Die Texte sind noch genauso lustig wie früher, allerdings weniger provozierend, ist man doch von „Gangster-Rappern“ weitaus provokantere Texte gewohnt.
Jüngere werden die meisten Songs nur vom Livealbum Wir wollen bloß deine Seele und Rock'N'Roll Realschule kennen, und sollten sich auch mal die Originalversionen zu Gemüte führen, Ältere werden sich an „die gute alte Zeit“ erinnern, so klischeehaft das auch klingen mag.
Zuletzt passt ein Zitat von Bela B.: „Es gibt ja viele Leute die sagen: „Früher ward ihr ja viel rockiger und punkiger...“ - Stimmt!

Label: Sony (BMG) VÖ: 1984

8/10 >> Jan Gerngross

21.7.07 19:00


AIR - moon safari

Ich kenne kaum ein Album, dessen Titel so treffend seinen musikalischen Inhalt beschreibt

Der Sound ist unglaublich sphärisch und wirkt federleicht, seicht und sanft wie ein schwebendes Seidentuch, schwerelos und wie ein leichter Sommerwind, viel mehr ein Hauch.
Das Debütalbum der Franzosen Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel verzaubert durch seinen warmen und ruhigen Sound aus Synthesizern, Gitarre, Bass und Keyboard wahlweise garniert mit Streichern oder Bläsern, die im Zusammenspiel alles von ihrer Bodenhaftung verlieren.
Die Musik zieht den Hörer mit ohne zu zerren, lässt ihn entfliehen aus dem Alltag in eine Welt weit weg von allem, was belastet, es geht sozusagen auf Moon Safari im Weltall.

Mit dem rein instrumentalen „La Femme D’Argent“ beginnt also die dreiundvierzigminütige Reise des Hörers durch die Klanglandschaft von Moon Safari.
Ein leises Plätschern schleicht sich ins Ohr des Hörers und seicht geschlagene afrikanische Trommeln leiten den Hörer zum einsetzenden und Takt angebenden Bass, der ganz sanft über das plätschernde Wasser und die Klaviermelodien gleitet.
Aus der Ferne nähern sich elektronische und mystische Sounds, Fiepen und Rauschen, leise Chöre in Hintergrund wecken das Interesse des Hörers weiter vorzustoßen und sich den Klängen des Tamburins und der anderen Instrumente folgend den Quellen dieses Sounds zu nähern. „Sexy Boy“ ist insgesamt ein ganzen Tick kräftiger und intensiver im Sound, wozu zum größten Teil natürlich das Schlagzeug beiträgt.
Der Bass leistet einen stärkeren, dunklen Beitrag und auch die E-Gitarre streut einzelne kalte Riffs ein, eine kältere Atmosphäre setzt sich im Refrain durch, während der verzerrte Gesang auch etwas mehr in die Richtung Kühle geht.
Innerhalb der mit weicher und heller Stimme in Französisch gesungenen Strophen herrscht jedoch die warme Atmosphäre vor, dabei haftet allerdings beiden Parts immer noch die sphärische Leichtigkeit und Mystik an, die der Song zumeist aus den Synthesizer-Spielereien bezieht.
„All I Need“ besticht durch wunderbare Klänge der Akustikgitarre, die sich durch den sonst so elektronischen Sound drängen wie auch das Klavier, das sich durchsetzt in der wummernden Umgebung aus Synthesizern,
die hier und da helle Akzente setzen und den melodischen Gesang betonen und einige Passagen so hervorheben, so zum Beispiel bei dem Vers „To get behind this sun and cast this weight of mine“ wo ein sehr helles, abglimmendes Piepen in meinen Augen die Wärme der Sonne sehr schön vertont.
„Kelly Watch The Stars“ ist sehr elektronisch und alles erhält elektronischen Schliff, so der Bass und das Klavier, wie auch der Gesang. Zu Beginn hat der Song noch ein bisschen von Sonnenaufgang, doch mit den ersten Tönen des elektronischen Basses wird deutlich, dass es Nacht ist, sternenklare Nacht um genau zu sein.
Einzeln hört man elektronische Sounds, die wie Sternschnuppen klingen, schließt man die Augen so sieht man den sternenübersäten Himmel und kann dabei für einen kurzen Moment den unveränderten Klang eines Klaviers bewundern.
„Talisman“ gibt sich rein instrumental und im Mittelpunkt des dynamischen Songs stehen ausschweifende Streicherarrangements, treibende Elemente wie der Bass und das Schlagzeug werden in den Hintergrund gedrängt, denn für den Spannungsaufbau scheinen nur die Streicher verantwortlich, ohne sie entschwebte der Song in die Bedeutungslosigkeit.
Doch umso schöner, dass sie genau passend positioniert sind und so dem anderen Instrumenten einen Sinn geben, nämlich der Untergrund zu sein für wunderschöne Melodien.
„Remember“ wirkt zu Beginn äußerst beruhigend und besänftigend besonders durch den verzerrten, aber sehr weichen Gesang, lockert sich aber auf und wird lebendiger.
Auch hier arbeiten das Musikduo mit Streichern, die ebenso zu mehr Dynamik beitragen wie auch die perfekt gesetzten Einsätze der E-Gitarre. Mystische Chöre locken den Hörer weiter hinaus, dabei wird der Hörer vom Schlagzeug schützend begleitet.
„You Make It Easy“ zieht auf wie ein heftiger Wind, flaut allerdings schnell ab zu einem lauen Lüftchen, auch wenn Song hin und wieder zum Sprung anzusetzen scheint, Glockenspiel, Klavier und Streicher lassen sich nicht von den Luftzügen durcheinander wirbeln und so setzt sich die Musik nicht zu einem Höhepunkt, einem Ausbruch kitzeln, sondern verharrt in ihrem warmen, sphärischen Bett, und auch die Sängerin lässt sich nicht hinreißen, mehr Emotionen in ihren Gesang zu legen.
„Ce Martin La“ lässt eine warme und füllige Tuba durch den Raum klingen, lässt eine Mundharmonika richtig zum Vorschein und zur Entfaltung kommen, lockt wieder mit den sphärischen Chorgesängen und verhallt in den mystischen Elektro-Sounds.
„New Star In The Sky“ verliert sich in seichten Weiten, die verzerrten Stimmen scheinen aus riesigen Distanzen zu hallen, und das entfernte Lachen von Kindern scheint unendlich weit weg, was bleibt ist das Klavier und die Akustikgitarre, die mit dem Hörer in die weiten Sphären entschweben, während ab und an elektronische Sounds am Ohr vorbeizischen.
„Le Voyage De Pénélope“ beendet die Reise durch das Weltall, doch auf die Erde zurückfinden muss man jetzt alleine, denn der Song führt den Hörer nicht zurück, sondern noch einmal durch die ganzen Weiten des Alls.
Mit wummernden Sounds noch weiter hinein in die Tiefen des Alls, bis sich der Sound verliert und man wie von allein zurück sinkt in die normale Welt.

Moon Safari ist eine Klangreise der besonderen Art und legt eine unglaubliche Leichtigkeit und Schwerelosigkeit an den Tag, das es schwer ist, sich nicht fallen zu lassen im Vertrauen auf die Musik, sich nicht den Bildern von fernen Weiten hinzugeben.
Das Album besticht gerade durch seinen leisen Sound und braucht keine Ausbrüche und Höhepunkte, um den Hörer zu fesseln, denn das vermag die Musik schlicht durch ihre einzigartige Sphärischkeit.

Label: Virgin (EMI) VÖ: 1998

9/10 >> Ann-Kathrin Otte

6.6.07 16:00


DEFTONES - s/t

Was will man machen, was kann man machen, wenn alle denken, man habe bereits das beste Album abgeliefert?

Wer sich von dieser Frage aus der Bahn werfen lässt, der hat bereits verloren.
Anders handhaben es da die Deftones und machen weiter wie gehabt ohne größere Ambitionen Neuland zu betreten, wobei sie hiermit auch ganz klar weiter ihre Stärken ausspielen.
Man hat einmal seinen Stil gefunden und jetzt heißt es eben, feilen bis zur Perfektion.
Gekonnt schaffen es die Deftones Hardrock à la Korn mit einem Hauch von Ballade zu vereinen und so steht dem Hörer auch beim vierten und selbstbetitelten Album Deftones wieder ein emotionales Wechselbad bevor.

„Hexagram“ eröffnet das Album und schlägt mit solcher Wucht zu, dass der Song den Hörer vollkommen überwältigt und zu Boden drückt. Während ruhige Gitarrenakkorde den Hörer noch in scheinbarer Sicherheit wiegen, setzt das Schlagzeug schon ein, um auf einen einzuhämmern, und Chinos gequältes Geschrei wirkt wie eine Art Befreiung.
Mittlerweile jagt der Song den Hörer mit harten Riffs vorwärts und gönnt ihm mit ruhigeren und harmonischeren Zwischenparts kleinere Atempausen, um danach wieder los zu dreschen.
“Come fall in love with the sound” heißt es in „Needles And Pins“ und man kann sich jenem auch schwerlich entziehen, denn auch hier scheint in jedem Riff eine enorme Energie zu stecken, die Spannung steigt ganz langsam an und verfängt sich in retadierenden Momenten, der Song, der immer mal wieder in ruhige Momente fällt, scheint sich jedoch nicht auf einen Höhepunkt beschränken zu wollen und so versuchen die Gitarrenriffs, die Spannung aufrecht zu erhalten, während der Song leise ausklingt.
„Minerva“ wirkt sanfter als die vorherigen Songs, in die verhangene, düstere Atmosphäre mischen sich Lichtblicke in Form von hellen Gitarrenklängen und der nicht mehr so gequält brüllenden, sondern sanft klingenden Stimme von Chino Moreno.
Derweil singt eben jener hoffnungsvoll und flehend: „So God bless you all“ und der ganze Song neigt sich ehrfürchtig, denn die Intensität dieses Songs schöpft sich nicht aus einem brachialen Ausbruch der Musik, sondern gerade die ruhigere Gangart verleiht dem Song mehr Emotionalität und Aussagekraft.
„Good Morning Beautiful“ bleibt bei dem ruhigeren Muster, zwar stürmen Gitarre und Schlagzeug immer mal wieder mit angezogenem Tempo davon, doch der Song geht nicht an seine Grenzen und erklimmt doch ganz langsam seinen vielleicht nicht gewaltigen, aber doch sehr eindrucksvollen Gipfel.
„Deathblow“ gönnt sich in der mystischen und angespannten, aber ruhigen Atmosphäre kleinere Ausbrüche mit intensiverem Gesang, ausbrechendem Schlagzeug und entfesselter Gitarre.
Ansonsten ist der Song recht zurückhaltend und erzeugt in dieser Atmosphäre durch leise mysteriöse Nebengeräusche ein angespannte Stimmung, die sich immer wieder in jenen Ausbrüchen äußert.
Als schiene die Band die Ruhe satt zu haben, kann der Hörer sich bei „When Girls Telephone Boys“ wieder der aggressiven Stimmung der ersten beiden Songs erfreuen.
Erneut hämmern Gitarrenriffs mit brutaler Gewalt auf den Hörer ein, während jener noch vom Sänger angeschrieen wird, bis er sich in mystischen Szenarien wiederfindet und das Schlagzeug greift helfend ein, um den Hörer zurückzuleiten in die Soundlandschaft der harten Gitarrenriffs.
„Battle-Axe“ geht wieder einen Schritt zurück, was die Aggressivität anbelangt, bedient sich aber durchaus auch dichten Wäldern aus düsteren Gitarrenriffs.
Gesanglich bleibt es jedoch meist verhalten und so kommt es nur selten, dass Chino Morenos Stimme anhebt, die meiste Zeit wirkt der Gesang wie eine Art Ruhepol im Sturm aus Gitarre und Schlagzeug.
„Lucky You“ kommt nur langsam aus den Puschen und dümpelt mit schlichten elektronischen Spielereien langsam vor sich hin, dem Song fehlt es gänzlich an Intensität.
Textzeilen wie „Now spread your Wings and sail out to me” oder “If You feel Lucky, if You feel loved” werden zu kraftlosen und bedeutungslosen Phrasen, die keinerlei Eindruck hinterlassen, der ganze Song scheint nicht richtig ins Schema zu passen.
„Bloody Cape“ schwankt zwischen zurückhaltenden und aggressiven Phasen, dabei spielt die Lautstärke der Instrumente und des Gesangs eine entscheidende Rolle, der Gesang wechselt zwischen sanften Parts und ausgeflippten Geschrei, die Übergänge zwischen den zwei Teilen des Songs sind meist abrupt und treffen den Hörer so relativ unerwartet und umso gewaltiger.
„Anniversary Of An Uninteresting Event“ verwundert durch ein Klavier, eine unerwartete Melodik und ein bedrückende Melancholie, mit verletzlich klingender Stimme passt Chino Moreno sich der tristen Stimmung an und so bricht das Album hier zum zweiten Mal nach „Lucky You“ aus seinem Schema aus, doch diesmal weit erfolgreicher und ergreifender.
Relativ unspektakulär beendet „Moana“ das vierte Album der Jungs aus Sacramento, der Song ist kein Kracher, insgesamt scheint das Album auch zum Ende hin an Intensität zu verlieren.
Es überwiegen die ruhigen Parts mit hellen Gitarrenakkorden und die harten Parts wirken etwas leblos und nicht bis zur Grenze ausgespielt, als wäre man etwas müde geworden.

Deftones setzen auf alte Stärken und können nicht den Glanz vom Kassenschlager White Pony erreichen, zu wenig Experimente mit neuen Stilen lassen die Band in ihren eigenen Ruhm dümpeln, dabei liefern sie natürlich wahrlich ein gutes Album ab, doch gemessen an sich selbst, war doch mehr drin, oder nicht?

Label: Maverick (Waner) VÖ: 2003

7/10 >> Ann-Kathrin Otte

3.6.07 16:00


THE LONG BLONDES - someone to drive you home

Taxi-Driver

Ach ja, Sheffield... Was haben wir dieser Stadt nicht alles zu verdanken. Human League, Pulp, Def Leppard, Joe Cocker und die Arctic Monkeys – all diese Künstler kommen aus der ehemalig größten Stahl-Industriestadt Englands.
Und im Jahre 2006 sollte eine weitere Band die Stadt unsicher machen. Diese nennt sich The Long Blondes, und besteht aus Kate Jackson, Dorian Cox, Reenie Hollis, Emma Chaplin und Screech Louder, und wer sich ein bisschen mit englischen Vornamen auskennt, wird erkannt haben, dass es sich hierbei um drei Damen und zwei Herren handelt.
Eine durchaus ungewöhnliche Zusammenstellung, da muss ihre Musik ja ähnlich aus der Reihe fallen, oder?
Auf ihrem Debüt Someone To Drive You Home wird sich das zeigen, ein paar Zeilen weiter werden wir schlauer sein.

Das Album beginnt mit dem polterndem No-Wave-Stück „Lust In The Movies“, und Sängerin Kate Jackson zeigt gleich mal, was sie kann.
Mal schreit sie im Refrain, dann singt sie Zeilen wie „I know you think you're in the movies. / You're in the movies that don't wanna know me. / Well I know all about fear and desire, I know all about lust et cetera.“
Wie auch schon der Songtitel erahnen lässt, geht es in dem Song um *Filme für Erwachsene*, und das sich Frauen nicht an diese verkaufen sollten.
„Once And Never Again“ ist Indie-Pop, mit dem an ABBA erinnernden Gesang Jacksons.
Inhaltlich geht es um die Last, die man als weibliche 19-jährige zu tragen hat.
Track 3, „Only Lovers Left Alive“, geht in die selben Richtung wie sein Vorgänger, aber zumindest der treibende Bass ist wieder zurückgekehrt. „You're pretty, oh so pretty / why waste your time just sitting / here a-listening to this dead-eye bitch?“, heisst es in „Giddy Stratospheres“, und diese Selbstironie hätte man ihnen bis jetzt gar nicht zugetraut.
„In The Company Of Women“ überzeugt mit einem Kontrast aus langsamen Vocals und galoppierenden Gitarren im Hauptpart.
„And I don't need telling twice / He's happy and that's nice But I'm waiting in the wings for you to make your first mistake / So watch out girl!“
Das textliche Niveau singt, hat das selbe Thema nicht auch Avril Lavigne in ihrer neuesten Single besungen?
Solang sie sich musikalisch ihrer nicht annähern, kann man das aber noch verschmerzen.
„Heaven Help The New Girl“ klingt anfangs genauso wie „Whistle For The Choir“ der Fratellis, es sei dahingestellt, woher die das geklaut haben, aber sie geben zumindest nicht vor, eigenständig zu sein.
Dass man im späteren Verlauf des Songs dann doch von der Songstruktur abweicht, hätte den Song noch retten können, aber gleich daraufhin von No Doubt abzugucken, ist doch zu dreist.
„Seperated By Motorways“ klingt im Refrain schon fast mehr nach einem Kinderlied, als nach gutem Indie-Pop, aber mit „You Could Have Both“ folgt gleich darauf einer der besten Songs des Albums zur Versöhnung. Ruhig beginnend, wird im Refrain des Tempo ordentlich angezogen. Langsam aber sicher geht der Song dann Sprechgesang der Sängerin Kate Jackson und Gitarristen Dorian Cox über, unterlegt mit einem sphärischen „Aaaahhhaaahhhaaa“ der Bassistin Reenie Hollis, das einen das ganze Lied über begleitet.
Nachdem Kate in „Swallow Tattoo“ wieder mit ihrer Stimme wunderbar überzeugen kann, folgt der Ohrwurm „Weekend Without Makeup“, der vollkommen zurecht auch die erste Single der Long Blondes in den englischen Charts war.
„Madame Ray“ scheint man irgendwoher zu kennen, aber zumindest die Gitarren hat man so auch schon von den Ramones gehört.
Der Rausschmeisser „A Knife For The Girls“ tarnt sich zuerst als erste Ballade, dann beschließen die Instrumente doch noch einzusetzten.
Ein eher schwacher Abgang, nicht mitreißend, ein belangloser Song.

The Long Blondes spielen eine Mischung aus No-Wave und gewöhnlichem Indie-Pop, und versuchen sich möglichst schwer in eine Schublade stecken zu lassen.
Dies gelingt auch, wenn auch nur bedingt.
Spielen sie Songs wie „Lust In The Movies“ merkt man, das No-Wave eindeutig besser zur jungen Band passt.
Die Texte sind immer leicht feminin angehaucht, aber was erwartet man auch anderes von einer Band, die ein 3:2 Frauen/Männer-Verhälltnis vorzuweisen hat?
Ob die Sheffielder nur eine Eintagsfliege sind müssen sie mit einer guten zweiten Platte erst noch beweisen.

Label: Rough Trade VÖ: 2006

6/10 >> Jan Gerngross

23.5.07 16:00


HANSEN BAND - keine lieder über liebe

Ein Vogel im Grand Hotel...

Da muss man eventuell erst zweimal gucken, aber demjenigen, dem beim zweiten Lesen in Kombination mit der Überschrift immer noch kein Licht aufgegangen ist, an dem ist scheinbar eine ganze Musikkultur vorbeigegangen.
Die Hansen Band ist ein Produkt des beeindruckenden, improvisierten

Independent-Dreiecksbeziehungsdramas Keine Lieder über Liebe, eine zusammengestellte Band aus dem Grand Hotel Van Cleef gemeinsam mit dem gesanglich gänzlich unerfahrenen, neuen Sänger Jürgen Vogel.
Doch im Großen und Ganzen muss man sagen, der Herr stellt sich weit besser an, als man es von einem Schauspieler erwartet, der Gesangsunterricht beim Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch hat also Wirkung gezeigt.
Und so klingt bei „Baby Melancholie“ Jürgen Vogels charismatische Stimme aus den Boxen und passt sich ein in einen dynamischen Song, der nach vorn treibt und zum Fuß wippen und Finger schnipsen einlädt. Das taktangebende Schlagzeug zieht helle Akustikgitarremelodien mit sich und der zum Einstimmen einladende Refrain gibt dem Song das gewisse Extra.
Markante Gitarrenklänge setzen den Beginn von „Junger Hund“, doch schnell nimmt das Schlagzeug die dominante Stellung im Song ein und gibt Rhythmus und Tempo vor.
Kaum wunderlich, wenn man erfährt, dass die ersten beiden Titel aus der Feder des Schlagzeugers Max Martin Schröder stammen.
„Frankreich“ beginnt mit sehr zackigen Schlagzeugbeats, die sich durch den ganzen Song ziehen.
Zum Refrain hin beginnen die Instrumente richtig miteinander zu harmonieren und schlagen einen rockigen Ton an, auch Jürgen Vogel geht aus sich raus, kann dabei natürlich nicht so stark überzeugen wie ein richtiger Musiker, übertrifft aber bei Weitem alle Erwartungen.
„Und niemand ist gern alleine, wenn ein Krieg ausbricht. Und niemand ist gern zu dritt, wenn eine Träne fließt“ – Wieder einer der Sätze, die nah gehen, die so typisch sind für die Leute vom Grand Hotel.
Sowohl lyrisch, als auch musikalisch ist der Einfluss von Tomte, Kettcar und Olli Schulz und der Hund Marie kaum zu verleugnen und trotzdem hebt sich Hansen Band ab durch Jürgen Vogels charakteristischen Gesang. „Alles Teilen“ schaukelt sanft vor sich hin, bestimmt von musikalischer Harmonie zeigt sich hier deutlich der Kettcar-Einfluss.
Der Song treibt dahin, begleitet von Uh- und Ah-Backgroundchören merkt man kaum, dass es nicht der Wiebusch ist, der da singt, sondern der Vogel eben.
Der Titelsong „Keine Lieder“ beginnt dynamischer, dass Schlagzeug erklingt mit belebenden Beats und helle Gitarrenakkorde akzentuieren das ganze Szenario.
Der Sound wird in den Strophen oft leiser und Raum schafft für Jürgen Vogels Gesang, zum Refrain hin gewinnt der Song noch an mehr Harmonie und Lautstärke.
„Strand“ kommt dem geneigten Hörer von Kettcar bekannt vor, ist genau derselbe Song wie „Hippie“, auch hier merkt man natürlich ganz deutlich den Einfluss von Kettcar, einzig anders ist natürlich Vogels Gesang, der sich keine Blöße gibt und den Song in Perfektion vorträgt.
Mit einfühlsamer, sanfter Stimme, die sich sehr gut einfügt in die langsam fließende Melodie, erhält der Song diese leicht melancholische Note, die es braucht, wenn man sich an seine Kindheit erinnert.
„18. Stock“ fährt ein höheres Tempo, und wirkt im Ganzen wieder etwas energiereicher, weniger melancholisch, dafür mehr dynamisch.
Zum Ende hin geht es wieder zu den leisen Tönen, mit seichten Gitarrenakkorden und gedämpfter Stimme verabschiedet sich Vogel aus diesem Song.
Wieder alle Energien sammelnd geht es weiter mit „Sinkflug“, das mit seinem Schlagzeug voranprescht und eine weit rockigere Ausstrahlung innehat.
Auch gesanglich zeigt sich Vogel von einer aggressiveren Seite und bringt es mit Sätzen, wie sie nur aus der Feder von Marcus Wiebusch stammen können, auf den Punkt – „Nehme das, was passt, bau eine Festung mit ganz tollen Mauern aus Schwachsinn und Trauer.“
„Kreisen“ zieht ruhige Bannen und behält den ganzen Song durch seine Struktur bei.
Jürgen Vogels dunklere Stimme hat etwas Vertrautes und Beruhigendes und der ganze Song vermittelt Harmonie und Geborgenheit, bis er zum Ende hin leiser werdend abebbt.
„Kamera“ setzt noch einmal auf den aggressiveren, rockigen Sound, die Gitarren klingen dunkler und das Schlagzeug hämmert kräftig nach vorn, während Vogel unterstützt von seinen Backgroundsängern beinah ins Mikro schreit.

So muss man abschließend sagen: „Schade dass der Vogel Schauspieler geworden ist! Aus dem hätte echt was werden können“
So kann man nur bedauern, dass es keine Fortsetzung geben soll, denn hier stellt sich eine richtige Band vor und nicht ein Soundtrack.

Label: Grand Hotel Van Cleef (Universal) VÖ: 2005

8/10 >> Ann-Kathrin Otte 

13.5.07 16:00


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