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Filmothek

DEIN EX, MEIN ALBTRAUM - jesse peretz

Zwei Hot Wheels und eine Lovestory

Immer wieder begibt sich der Mensch auf die Suche nach einem kurzweiligen Kino- oder DVD-Erlebnis.
Die amerikanischen Komödien wie Trennung mit Hindernissen oder Jungfrau, (40), männlich, sucht gehören beispielsweise dazu.
Sie bieten viel Spaß und vor allem sind sie leicht zu verdauen.
Perfekte kurzweilige Unterhaltung.
Mit Deine Ex, Mein Albtraum reiht sich nun, vorneweg gesagt, ein weiterer Film in diese Kategorie ein.

Tom und Sofia erwarten ein Kind, weshalb Sofia ihren Job schmeißen muss, um sich voll und ganz auf ihre Mutterrolle einlasen zu können.
Tom ist Koch und stand kurz vor der Beförderung, jedoch wird er nach einer Essenschlacht in der Restaurantküche gemeinsam mit seinem besten Freund wieder entlassen.
Zum Glück aber bietet Sofias Vater ihm einen Job in seiner Agentur an. Nach dem Umzug und dem ersten Arbeitstag scheint alles gut zu laufen, wäre da nicht der Rollstuhlfahrer Chip Sanders, Ex-Freund von Sofia und harter Konkurrent im Job und in der Liebe.
Ein Kampf um Sofia und das bessere Projekt beginnt.
Tom muss immer wieder feststellen, dass Chip etwas im Schilde führt und möglicherweise nur den Behinderten spielt
Dabei wird gut abgewogen, was machbar ist und was nicht.

Nie hat man das Gefühl, dass hier vielleicht gerade ein Witz nicht so günstig war oder dass hier und da Proteste entstehen könnten.
Alles hält sich in Grenzen oder kann durch die Situation begründet werden. So nennt Tom den Rollstuhlfahrer beispielsweise einmal „Hot Wheels“, nachdem er ihm unterstellt, er sei nur ein Betrüger.
Aber auch andere Witze kommen in diesem Film.
In einer Abfolge, die den Zuschauer nicht zu lange warten lässt, und die einen auch nicht zwingt, den Film mehrmals zu sehen, um auch alle Witze zu verstehen.
Besonders bleiben beispielsweise die Szenen mit dem imaginären Ja-Ball hängen.
In der herrlich kitschigen Agentur scheinen sich nur Nerds zu tummeln, die sich, um Teamgeist und Aufmerksamkeit zu fördern, immer wieder einen unsichtbaren Ball zu werfen, wobei manch lustige Situation entsteht. Letztendlich ist es eine interessante Story, die ohne die kleine Seitenhiebe in Richtung Rollstuhlfahrer und ohne die mit Idioten gefüllte Agentur jedoch um einiges unlustiger wäre.
Nicht jeder Gag funktioniert, aber der Film funktioniert als gesamtes Werk und kann dabei überzeugen.
Die schauspielerischen Leistungen sind gut, vor allem die Arroganz des Chip Sanders kriegt man deutlich zu spüren.
Die vorbelastete Rolle von Zach Braff bedeutet für den Zuschauer keine große Umstellung, denn Toms Verhalten kommt dem eines JD aus Scrubs schon sehr nahe.
Ein verkappter Denker mit idiotischen Zügen.
Dementsprechend gut setzt Braff diese Rolle auch um.
Auch die Atmosphäre im Film ist schön gehalten.
Ein farbenfrohes Set, vor allem in der Agentur und in der nachbarschaftlichen Idylle um Toms und Sofias Haus weisen eine gewisse Gemütlichkeit auf.
Und auch klanglich überzeugt der Film (gute Synchronsprecher, "Nebengeräusche" etc...)

Mit Dein Ex, Mein Albtraum liefert Peretz eine solide Abendunterhaltung. Nicht unbedingt Oscar-verdächtig oder „Film des Jahres“-reif, aber perfekt zum Abschalten, da der Film keine schwer verdauliche Kost liefert.
Eben eine typisch amerikanische Tollpatsch-Komödie mit netter Lovestory und sympathischen Schauspielern.

info: 2006, USA, Jesse Peretz, Komödie
darsteller: Zach Braff, Paul Rudd, Amanda Peet, Jason Bateman ua.
under the influence: Jungfrau, (40), männlich, sucht, Trennung mit Hindernissen

7/10 >> Tim Kollande

6.9.07 15:00


BABEL - alejandro gonzález iñárritu

Die filmische Vermessung der Welt

Bekanntes Szenario: Wenn einer unserer Finger den ersten Dominostein einer ganzen Reihe anstößt und umwirft, dann folgt eine allseits bekannte Reaktion. Eine Kettenreaktion, die jedem bekannt sein dürfte.
Die Charaktere in Iñárritus Babel können das Ausmaß ihrer Taten nicht sehen.

Alles beginnt mit der Unschuld. Zwei junge Brüder im Atlasgebirge bilden das Fundament des Films.
Sie sind noch Kinder, die ganz allein auch sich gestellt auf Schafe und auf weitere Herdentiere aufpassen müssen.
Doch natürlich albern sie herum, wollen sich vor dem jeweils anderen profilieren.
Das vom Vater mitgegebene Gewehr wird als Spielzeug verwendet, obwohl es die naheliegenden Kojoten abschrecken soll.
Ein anfahrender Bus wird als neues Ziel genommen.
Der Schuss löst sich.
Kaum zu ahnen, dass sich die Situation wenige Stunden später zu einem internationalen Ereignis aufspitzen wird.

Der Schuss trifft unbeabsichtigt eine amerikanische Touristin (Cate Blanchett), und diese schwebt nun in akuter Lebensgefahr.
Aber wer sind die Verantwortlichen?
War dies ein geplantes Attentat?
Die Ereignisse dramatisieren sich.
Die verletzte Touristin wird zusammen mit ihrem besorgtem Mann (Brad Pitt) in ein anliegendes Dorf gebracht und dort notversorgt.
Eine noch schwierige Situation bahnt sich an, weil dort natürlich nicht die gleiche Sprache gesprochen wird.
Nächste Station: USA.
Die Haushälterin und Kinderbetreuerin des Paares fährt mit deren beiden Kindern spontan zu der Hochzeit ihres Sohnes nach Mexico.
Nach dem geglückten Eheversprechen macht sich die ältere Dame mit den Kindern wieder auch den Heimweg, doch auf dem Rückweg geraten sie bei der Grenze in ernste Schwierigkeiten, man vermutet einen Kindesraub, nachdem keine Dokumente und Papiere, von den Eltern begläubigte, zur Hand sind.
Nächster Halt: Tokio.
Im urbanen Großstadtdschungel versucht ein junges, taubstummes Mädchen mit allen Mitteln (und den Waffen einer Frau) die Aufmerksamkeit der Jungs und ihrer Mitmenschen auf sich zu ziehen.
Doch auch die Lasten ihres Vaters scheinen das labile Mädchen zu verstören...

Seltsamerweise funktionieren die einzelnen Geschichten auch allein ganz vorzüglich, erzählen sie doch von berührenden Schicksalen, die urplötzlich das Leben der Menschen drastisch verändern.
Fast spielerisch gelingt es dem Ausnahmeregisseur verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verweben, zahlreiche Kontinente zu betreten und Kulturen zu vereinen.
Doch erst mit dem Ende von Babel fügt sich jeder Stein auf den anderen, um den Blick auf das wahre Kunststück, "den Turm", zu ermöglichen.
Das Geflecht von harmlosen Ursachen und gefährlichen Wirkungen spitzt sich hier vielleicht am besten zu, jedenfalls weitaus prächtiger und eleganter als im unzufriedenstellenden 21 Gramm.
Obwohl der Titel eine religiöse Auseinandersetzung impliziert, ist diese weitgehend nicht vorhanden.
Doch was sagt uns die biblische Geschichte im ersten Buch Mose, der Genesis?
„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen.“
Damals, dass war gleiches Volk und gleiche Sprache.
Doch da machte der HERR eine Strich durch die Rechnung und bestrafte die Menscheit damit, dass er ihr die Sprache nahm, sie verwirrte und sie in allerlei Länder zerstreute.
Babel, der Ort der Selbstüberschätzung des Menschen also.

Iñárritus Film beherbergt etwas ungemein: Den Fehler.
Das menschliche Versagen inmitten der Entscheidungsfindung.
Alle Charaktere müssen sich eingestehen, dass ihre Entscheidungen doch nicht richtig waren.
Nicht richtig das Gewehr eines japanischen Geschäftsmannes einem armen Jagdführer ohne weiteres zu überlassen, nicht richtig die Kinder mitzunehmen ohne ein Einverständnis der Eltern einzuholen, die jedoch selbst in einer ernsten Lage stecken.
Was ist alles das letzte Gut, dass den Menschen vor dem letztendlichen Unheil bewahrt?
Das Gefühl, die Emotion.
Mit feinem Gespür und Empfinden können wir auch im Zeitalter der Globalisierung die Menschen erreichen und für sie sorgen – auch wenn wir nicht immer die gleiche Sprache sprechen.

info: 2006, USA, Alejandro González Iñárritu, Drama
darsteller: Cate Blanchett, Brad Pitt, Gael Garcia Bernal ua.
under the influence: Amores Perros, 21 Gramm, L.A. Crash

10/10 >> Daniel Gilic

2.9.07 17:00


BREAKING THE WAVES - lars von trier

Wie weit kann Liebe gehen?

Strenge bestimmt eine kleine schottische Insel.
Die kleine Kirche predigt aus der Bibel und verlangt absoluten Gehorsam von den Mitbürgern und Menschen.
Ein tristes Leben, ohne Humor, ohne Freude ist es, dass der Pfarrer und die Dorfgemeinde vorleben.
Selbst Kirchenglocken (die, soviel sei vorweggenommen, am Ende des Films sterbliche Gedankengänge hinter sich lassen und als schöne Metapher doch noch läuten dürfen) sind verboten, dürfen nicht erklingen – die Ruhe würde gestört werden.
Die gläubige Bess (Emily Watson) will so gar nicht in das konservative Inselbild hineinpassen.
Zwar ist sie der Meinung, dass sie persönlich mit Gott spricht, aber ihre naive, kindliche Art zeigen etwas vom dem fröhlichen Freigeist, der in Grenzen gesteckt wird.
Als sie sich in den witzigen und charmanten Jan (Stellan Skarsgard), der auf einer Bohrinsel tätig ist, verliebt und ihn schließlich heiratet, reagiert die Dorfgemeinschaft skeptisch.
Passen diese beiden Menschen zusammen?
Kommt durch Jan Unruhe in die Dorf hinein?
Bees scheint mit Jan vollkommen glücklich, ihr Leben blüht richtig auf, strahl vor Freude und Liebe – bis zu dem Tag, an dem Jan auf der Bohrinsel einen schicksalsschweren Unfall erlebt, der in schließlich querschnittsgelähmt werden lässt und zum Krüppel macht.
Jan’s Leben ist für immer verdorben, dahin.
In seiner Verzweiflung, Bees nicht mehr glücklich machen und lieben zu können, rät er ihr sich nach einem anderen Mann umzusehen.
Sie soll mit ihm schlafen, und ihm anschließend davon erzählen.
Dadurch verspricht sich Jan seinen Lebenswillen zu erhalten.
Die Situation, die sowieso schon schwierig und heikel genug ist, gerät zunehmend aus der Kontrolle...

“We do not need bells in our church to worship God.”

Mit Breaking The Waves machte sich der dänische Ausnahmeregisseur Lars von Trier aus dem Stand hin bekannt, und konnte auch mit weiteren, tragischen Filmen wie Dancer In The Dark seinen Ruf festigen.
Trier erzählt hier kein gewöhnliches Liebesdrama, sondern schickt seine Charaktere, vor allem die wankelmutige, psychisch angeschlagene Emily Watson, in nie ganz scharfen sondern brüchigen Bildern auf eine Reise, die für alle Betroffenen noch schwerwiegende Konsequenzen haben wird. Ob schwere Schicksalsschläge, Ausgestoßenheit, blinder Konservatismus, Provokation oder Sex, es werden viele kritische Themen mit eingelochten in dieses debile Geflecht.
Auch schauspielerisch ist der Film durchgehend hervorragend besetzt, besonders Newcomerin Emily Watson spielt ihre Rolle mit Leib und Seele. Teilweise hat man das Gefühl, als wäre es kein inszenierter Film, dem man vor seinen Augen serviert bekommt, sondern eine Dokumentation eines kleinen schottischen Dorfes mit all Menschen und ihren Macken. Dieses Gefühl wird auch durch die streng gerichtete Handkameraarbeit verstärkt.
Mit dieser kompromisslosen Erzählung gewann Trier 1996 beim den Filmfestspielen in Cannes den großen Preis der Jury.
Die tragische Geschichte von Bess wird in sieben Kapitel und einem Epilog unterteilt, die stets minutenlang wunderschön gefilmte Naturaufnahmen zeigen, mit passender Musik von u.a. T.Rex, Deep Purple, Leonard Cohen oder Elton John untermalt, und dadurch die Geschichte um Bess und Jan noch ergreifender werden lässt, weil sie so sehr abseits dieser schönen, erhabenen Momente stattfindet.

„Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Die Liebe aber ist die größte unter ihnen..."
(1. Korinther 13,13)

Mit zweieinhalb Stunden ist Breaking The Waves keine leichte Kost, und auch gewisse Längen kann der Film nicht verbergen.
Doch insgesamt bietet Lars von Trier wieder großartig inszeniertes, untypisch gefilmtes Intensivkino, und den Zuschauer emotional mitnehmen wird und auch gefühlsmäßig noch nachhallen wird.
Eine Ode an die Liebe und den schwierigen Situationen, für die es sich zu kämpfen lohnt

info: 1996, Dänemark/Schweden/Frankreich/Island/Niederlande/Norwegen, Lars von Trier, Melodram
darsteller: Emily Watson, Stellan Skarsgard, Katrin Cartlidge ua.
under the influence: Die Idioten, Dancer In The Dark, Dogville

9/10 >> Daniel Gilic

24.6.07 18:00


WO IST FRED? - anno saul

Kinder können so schrecklich sein

Dies dürfte auch Fred (Til Schweiger) festgestellt haben, denn der Sohn Linus seiner Freundin Mara (Anja Kling) ist das, was allgemein unter „Arschlochkind“ bekannt ist.
Linus stellt sch Fred gerne in den Weg, doch gerade jetzt, wo Fred Mara einen Heiratsantrag gemacht hat, geht es darum, Linus auf seine Seite zu ziehen.
In der Halle des Basketball-Vereins Alba Berlin werden nach den Spielen die Bälle auf die Behinderten-Tribüne geworfen.
Das gefällt Linus gar nicht: Eigentlich möchte er einen handsignierten Ball seiner Stars bekommen! Fred kommt auf eine Idee: Wenn er Linus einen solchen Ball schenkt, steht der Hochzeit nichts mehr im Weg!
Alex (Jürgen Vogel) und Fred tüfteln zusammen die Idee aus, dass Fred sich als Behinderter ausgeben könnte, Alex selbst würde sich als sein Betreuer tarnen.
Das klingt einfach, jedoch müssen beide im weiteren Verlauf der Handlung feststellen, dass sie sich da in eine Sache gestürzt haben, die ihnen einige Probleme bereiten soll.
Der nun stumme und gehbehinderte Fred wird von Alex nun auf die Behindertentribüne gebracht.
Er lernt den „größten“ Alba-Fan Ronny (Christoph Maria Herbst) kennen, der es sich zur Aufgabe macht, heute endlich den Ball zu fangen.
Wie es der Zufall so will, fängt ihn aber Fred.
Doch so einfach wird es Fred nicht gemacht: Die Signatur des Balls und alle Formalitäten dauern nun genau sieben Tage.
Dann kriegt er den Ball.
Freds Problem: In genau diesen sieben Tagen wird eine Dokumentation über den behindertenfreundlichen Verein Alba Berlin gedreht, mit Ballfänger Fred in der Hauptrolle!
Eigentlich arbeiten Alex und Fred auf dem Bau, wo nun nichts mehr so läuft, wie es laufen sollte, schließlich ist Fred nun behindert.
Als wären Fred Probleme nicht schon groß genug, kommt hinzu, dass die beiden Damen, die die Dokumentation drehen, sehr attraktiv sind, was vor allem Alex begeistert.
Denise (Alexandra Maria Lara) und Vicky (Tanja Wenzel), die beiden jungen Nachwuchsfilmerinnen, verbringen viel Zeit mit Fred, der dafür immer weniger Zeit auf dem Bau und mit Mara verbringt.
Alex stört das ganze jedoch keineswegs, schließlich ist Vickys Hintern eine wirkliche Augenweide für ihn.
Durch die Zusammenarbeit der vier kommt es, wie es kommen musste: Fred und Denise verlieben sich ineinander.
Mit der Zeit sieht Fred ein, dass es falsch ist, sich als Behinderter auszugeben.
Genauso falsch ist es aber auch, sich an Mara zu binden, der ihr Sohn Linus wichtiger ist, als Fred.
Als die 7 Tage rum sind, soll Fred in der Basketballhalle den Ball persönlich überreicht bekommen.
Alle Zuschauer sind erstaunt: Fred steht plötzlich auf und gesteht alles, seine Lüge und seine Liebe.
Denise jedoch ist vorher aber, aus Enttäuschung über die Lüge von Fred, schon gegangen.
Sie weiß nichts von seiner Liebe zu ihr.
Mittlerweile verstehen sich Ronny und Fred ziemlich gut, weshalb er es in die Wege leitet, dass der Film doch noch ein Happy End bekommt.

Die Handlung verspricht schon vor dem Sehen des Films Chaos und lustige Situationen.
Und genau das wird einem dann auch geboten.
Besonders spektakuläre Kamerafahrten, Effekte und Schnitte werden nicht geboten, sind aber auch nicht nötig.
Til Schweiger, Jürgen Vogel und die anderen Schauspieler beweisen ihr Talent, sie setzen ihre Rollen gut und authentisch um.
Immer wieder ist die Sache kurz vorm Auffliegen, beispielsweise, als Denise Fred auf dem Standesamt trifft.
Kurzerhand erklärt er, er sei der Bruder von Fred.
Erstaunlicherweise weiß er auch ziemlich viel über ihn, obwohl sie sich angeblich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben.
Der Film bietet eine gute Liebesgeschichte und eine Menge Humor.
Wie man den Umgang mit Behinderungen in diesem Film beurteilen soll, ist schwer zu sagen, man sollte aber keineswegs davon ausgehen, dass dieser Film ein böser Seitenhieb sein soll, im Vordergrund steht die gute Unterhaltung und das klappt auch wunderbar.
Wenn man nicht mit all zu hohen Erwartung in den Film geht, wird man auf jeden Fall positiv überrascht.

Es ist keine „Überkomödie“, aber auf alle Fälle ein wunderbar unterhaltender Film mit Liebe, Slapstick und einem, zugegeben, eher langweiligem Beginn.

info: 2006, Deutschland, Anno Saul, Komödie
darsteller: Alexandra Maria Lara, Jürgen Vogel, Til Schweiger, Anja Kling ua.
under the influence: Kebab Connection, FC Venus, deutsche Komödien

7.5/10 >> Tim Kollande

27.5.07 16:00


SILENT HILL - christophe gans

Willkommen in der Hölle

Jede Nacht das gleiche: Sharon da Silva (Jodelle Ferland), Adoptivtochter von Rose und Chris da Silva (Radha Mitchell und Sean Bean), schlafwandelt.
Zu Beginn des Filmes steht sie vor einer tiefen Schlucht, mitten in der Stadt.
Anfangs ist das noch sehr verwirrend, bis man feststellt, dass genau diese Schlucht eines der wiederkehrenden Motive in diesem Film ist.
Mutter Rose schützt ihre Tochter kurz vor dem Fall.
Immer wieder erwähnt Sharon „Silent Hill“.
Der letzte Ausweg aus diesen mysteriösen Nachtaktionen ist die Flucht nach Silent Hill.
In einer Nacht- und Nebelaktion schnappt sich Rose Sharon, um in diesem mysteriösen Ort Antworten zu finden.
Untypisch für das Horrorfilm-Klischee ist dabei, dass hier Mutter und Tochter zusammen fahren.
Glück gehabt: Keine nervigen Teens, die, wie in jedem Film, charakterlich die Gleichen sind.
Rose und Sharon werden auch von keinem Mörder aufgehalten: Die Polizistin Cybill Benett (Laurie Holden) wird an einer Tankstelle auf die beiden aufmerksam.
Sie nimmt die Verfolgung auf, die für Rose und Sharon in einem Unfall endet.
Später wachen beide kurz vor Silent Hill wieder auf, in einer Parallelwelt, einer vermeintlich verschneiten Landschaft.
Rose stellt erschreckend fest, dass es sich nicht um Schnee, sondern um Asche handelt.
Ihre Tochter Sharon ist verschwunden.
Auf der Suche nach ihr begegnet Rose eigenartigen Kreaturen, die jedoch nur bei Nacht auftauchen.
Die Verfolgerin, Cybill Benett, ist ebenfalls in dieser Parallelwelt gelandet und begibt sich nun gemeinsam mit Rose auf die Suche nach Sharon, wobei beide immer mehr Puzzleteile sammeln, die ihnen es letztendlich ermöglichen, das Rätsel zu lösen.
Sie stoßen dabei auf die dunkle Vergangenheit des kleinen Städtchens Silent Hill...
Eine Art Sekte herrschte dort und praktizierte Hexenverbrennungen und andere okkulte Aktionen.
Solch einer Verbrennung fiel auch Alessa Gillespie zum Opfer.
Bei Alessa handelt es sich um die biologische Mutter von Sharon da Silva. Sie überlebte ihre Verbrennung mit schweren Verletzungen, mit Hilfe eines Dämons stürzte sie Silent Hill in eins schweres Unglück.
Der letzte Zufluchtsort für die Bewohner ist die Kirche, in den der Dämon nicht eindringen kann.
Rose kommt gerade zur richtigen Zeit, sie wird vom Dämon benutzt, um in die Kirche zu gelangen.
Dort findet auch das Finale des Films statt: Alessa kann sich rächen und Rose findet ihre Adoptivtochter wieder, mit der sie nach Hause zurückkehrt.
Jedoch tun sie dies, ohne die Parallelwelt jemals verlassen zu haben…

Der Einstieg in Silent Hill ist ziemlich schwer.
Zu Beginn muss erst eine sexy Schauspielern leichtbekleidet durchs Bild rennen und ständig „Sharon“ rufen.
Wer bei diesen Szenen nicht an die Osbournes denkt, hat es wirklich gut. Als Rose und Sharon in Silent Hill ankommen, erhält man erst keine Antworten, jedoch kann man nach wenigen Gedankengängen und Recherchen, die im Film in Nebenhandlungen gemacht werden, das Rätsel langsam lösen, jedoch erst sehr spät, was ein wenig schade ist, da somit der erste Teil erst beim zweiten Sehen des Films schlüssiger wird.
Eine etwas bessere Umsetzung der Handlung hätte den Film auf jeden Fall aufgewertet.
Gegen die Effekte und Kameraschnitte dagegen gibt es nichts einzuwenden, denn die machen den Film so gut, wie er letztendlich ist: Als Chris da Silva beispielsweise in der realen Welt nach Rose und Sharon sucht, begibt er sich ebenfalls nach Slient Hill, bleibt aber in der realen Welt.
So kommt es zu einer Szene, in der Rose und Chris sich im gleichen Raum befinden, sie spüren, dass „jemand“ da ist, aber durch Spielereien mit Effekten und der Kamera wird dem Zuschauer langsam klar, dass sich beide in zwei verschiedenen Dimensionen befinden.
Wie schon erwähnt kommt das „Böse“ immer mit der Dunkelheit.
So blättert Tapete von den Wänden, die einzelnen Splitter verwandeln sich in gefährliche Käfer.
Ein riesiger Henker taucht auf und er macht vor nichts halt.
Dabei tut sich auch immer wieder die Schlucht auf, die auch schon zu Beginn zu sehen war, sozusagen als Blick in die Hölle beziehungsweise den Abgrund, den man vielerlei interpretieren kann.

Dort ist auch der Punkt, wo die Stärke des Films liegt.
Schaut man den Film in einer Gruppe, so ergeben sich danach gute Gespräche über de Interpretationen.
Wie viele Dimensionen gibt es? Wer trägt die Schuld?
Ist Silent Hill die Hölle oder nur eine Vorstufe?
Über die schauspielerische Leistung kann man sich eigentlich nicht beklagen.
Zwar weist der Film die typische US-Horror-Besetzung auf (hübsche Schauspielerin, blond, etc), es bleibt aber erträglich.

Silent Hill ist ein Film, dem man nicht unbedingt sehen muss, aber wenn man ihn sieht, verschwendet man auch nicht wirklich Zeit.
Ein solider Horrorstreifen, der nette Effekte und Schnitte bietet, verbunden mit einer interessanten Handlung, die leider etwas spät verständlich wird.

info: 2006, USA/Japan/Frankreich, Christophe Gans, Horror
darsteller: Laurie Holden, Radha Mitchell, Jodelle Ferland ua.
under the influence: The Ring, The Hills Have Eyes

7/10 >> Tim Kollande

27.5.07 16:00


CHIHIRO'S REISE INS ZAUBERLAND - hayao miyazaki

Spirited Away

Die kleine Chihiro befindet sich im Auto ihrer Eltern - sehr zu ihrem Protest.
Die Familie befindet sich nämlich auf dem Weg in ein neues Zuhause, in einen neuen Vorort.
Auf dieser Fahrt nehmen sie eine im Wald liegende Abkürzung, die sie zu einem geheimnisvollen Tunnel führt.
Bald kommen sie an einen Punkt, an dem eine aus Stein gehauene Koboldsstatue den Weg versperrt. Schließlich steigt die Familie aus und versucht hinter dem Geheimnis des Tunnels zu kommen.
Auf der anderen Seite stossen Chihiro und ihre Eltern auf eine Art völlig verlassenen Vergnügungspark (nicht unbedingt so, wie wir Europäer es uns vorstellen würden.)
Alles ist menschenleer, aber in einem Restaurant stehen dampfende Schüsseln mit wundervollem Essen, aus denen sich die Eltern heisshungrig bedienen.
Chihiro streunt derweilen durch das Geisterdorf und als sie wieder in das Lokal zurückkehrt, haben sich ihre Eltern in gewaltige Schweine verwandelt.
Auf sich allein gestellt irrt Chihiro hilflos umher, bis sie in dem freundlichen Jungen Haku einen Verbündeten findet.
Mutig erkundet sie die Geisterwelt der mächtigen Hexe Yubaba, die ein Badehaus für Götter und andere skurrile Wesen betreibt.
Für Chihiro beginnt ein aufregendes Abenteuer in dem sie verzweifelt versucht, den Zauber, mit dem ihre Eltern belegt wurden, rückgängig zu machen...

Wie hätte es ausgesehen, hätte Alice in einer japanischen, von Mythen umgebenen Wunderwelt ihre sonderbare Reise begonnen?
Unzählige faszinierende Bilder werden von Regisseur Miyazaki
zum Leben erweckt.
Allein der bunte Ideenreichtum der vorkommenden Figuren ist ein Grund sich den Film anzusehen, und dann auch gleich mehrmals.
Ob sich Miyazaki zudem von von Marco Ferreri's Skandal-Film Das große Fressen inspirieren hat lassen, ist nicht überliefert - passt aber sehr gut zum dem Verhalten von Vater und Mutter von Chihiro.

Die Reise ins Zauberland strotzt nur so vor Höhepunkten.
Um nur einige Highlights zu nennen: Eine Zugfahrt über Wasser, als ob man selbst im Zug sitzt, leise und behutsam über das Wasser gleitet.
Ein faszinierendes Bild von Blumen, eine Art Blumenmeer voller Farben.
Der Flug auf einem verwunschenen Drachen, der sich anschließend in einem wahren Bilderregen auflöst, weil der Zauber gebrochen wird - der Zuschauer samt Chihiro und dem wieder Mensch gewordenen Haku stürzt mit toller Tricktechnik dem Meer entgegen.
Die Kamera und die Zeichnungen liefern hier schier unglaubliche Arbeit ab: Das Fernduell der Zwillings-Hexen Yubaba und Zeniba, der sechsarmige und sehr fleißige Kamaji, sprechende Frösche, der Alltag im Badehaus der Götter, die Flucht vor Geistern.
Da ist das quengelndes Riesenbaby von Yubaba, das sich immer wieder verwandelt, da sind ihre drei körperlosen Köpfe, die ihr dienen.
Das Dorf, tagsüber verlassen, verwandelt sich in betörenden Bildern in eine wahre Stadt der Spukgestalten mit naturellem Charakter.
Allerdings sind die wenigsten von ihnen gruselig oder unheimlich wie in den westlichen Gespenstergeschichten.
Vielmehr gibt es den Ansatzpunkt, dass alle Geister eng mit der Natur verbunden sind und eine Fähigkeit adaptiert haben.
Wunderschöne Bilder reihen sich ineinander.
Dieser groteske Reigen von Figuren, die Verwandlungen und Transformationen, sind nicht zu verstehen, sondern einfach zu genießen.
Magie trifft Poesie, trifft Schönheit und Anmut.
Hier wird man wirklich verzaubert, verlässt den grauen Alltag und reist zusammen mit Chihiro in ein Wunderland, ein Wunderland voller Farben und wunderbarer Ideen, mit einem warmen, aquarellartigen Charme, dass man sich darin verlieren möchte.
Verzaubert von einer solchen Geschichte, fernab von gängigen Handlungsabläufen.
In einer Welt, in der der Phantasie regiert und wenn man eine solche nicht besitzt, dann verirrt man sich wirklich und findet womöglich nicht mehr hinaus.
Neben den schier fantastischen Figuren gibt es Details, die man gar nicht beim ersten Mal alle erfassen kann.
Jedes Hintergrundbild, jedes einzelne Bild ist mit so viel Liebe zum Detail, mit so viel Sorgfalt und einer solchen Detailversessenheit gezeichnet, dass man wirklich erstaunt ist.
Dazu kommt der fast schon unglaubliche Einfallsreichtum.
Es gibt Bilder, die man eigentlich gar nicht beschreiben kann, die man einfach erleben muss und die sich wirklich nicht mehr aus dem Gedächtnis herausbannen können.
Man muss es wirklich erleben, wenn man es erleben will und man kann es kaum beschreiben, was man da auf der Leinwand erlebt.
Hinzu kommt die faszinierende und brillante Filmmusik, die auch dieses Poetische unterstützt und eine ähnlich bezaubernde Wirkung hat wie die bloßen Bilder.

Ein bezauberndes Anime, das allein in Japan über 21 Millionen Menschen begeisterte, und dem sich auch hierzulande weder kleine noch große Zeichentrickfans entziehen können.
Mit seinem Oscar gekrönten Zeichentrick-Abenteuer hat der japanische Ausnahme-Könner Hayao Miyazaki einen weiteren Meilenstein im Anime-Genre geschaffen.
Hohe Unterhaltung ohne den Kitsch von manchem Hollywood-Animationsfilmen, ohne die aufwendigen digitalen Zaubereien, die man aus anderen Animationen gewohnt ist.
Dafür mit viel anregender Phantasie.

ChihirosReise ins Zaubelrand erzählt eine farbenprächtige, ideenreiche und tricktechnisch bestechende Geschichte eines kleinen Mädchens, dass wir uns als Heranwachsende wahrscheinlich imaginär gerne vorgestellt haben,  selbst erlebt und so gewünscht hätten.
Ein Traum wird wahr. 

info: 2001, Japan, Hayao Miyazaki, Anime
darsteller: -
under the influence: Prinzessin Mononoke, Das wandelnde Schloss, Alice im Wunderland

10/10 >> Daniel Gilic

26.5.07 16:00


DAS PARFUM : DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS - tom tykwer

Tödlicher Sinneseindruck

Jean-Baptiste Grenouille wird im 18. Jahrhundert auf einem verdreckten, stinkenden Fischmarkt geboren – seine unbekümmerte Mutters lässt ihn jedoch liegen, im Glauben und aus Desinteresse, dass auch dieses Baby sowieso sterben wird, wie alle anderen zuvor – doch Grenouille hat eisernen Willen, sein Herz pocht, er gibt nicht auf.
Schließlich wird er von Passanten gefunden und in ein Waisenhaus gesteckt, in dem er unter der strengen Obhut von Madame Gaillard aufwächst.
Die sorglose Mutter wird unterdessen von der Polizei aufgespürt und gehängt.
Zu dieser Zeit entwickelt sich sein sehr feines Gespür für Gerüche aller Art. Mit den anderen Kindern hat er nicht viel zu tun, Freunde hat er keine.
Die soziale Ader ist in Grenouille wie bei einer Blume verwelkt.
Als Heranwachsender wird er an den derben Gerber Grimal verkauft, der ihm wie allen anderen schwere Arbeiten zu vollbringen gibt.
Doch die schwierigen und schweren Arbeitsbedingungen, die ganze Situation scheint ihm nichts auszumachen – Grenouille träumt weiter vor sich hin, lebt den Duft, alles andere wie körperliche Strapazen scheinen ihm nichts auszumachen.
Als er eines Tages auf ein wunderschönes, rothaariges Mädchen auf den Strassen von Paris trifft, ist es um ihn geschehen – noch nie zuvor hat er einen solchen Duft verspürt In seiner Grobheit erstickt er das Mädchen, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass der Geruch weg ist, abhanden, verschwunden. Um seine Obsession unter Kontrolle zu bringen, versucht er beim bekannten Parfumeur Guiseppe Baldini eine Anstellung zu finden. Nachdem der junge Mann sein Können unter Beweis gestellt hat, indem er bekannte Parfüms schon in kurzer Zeit nachfertigt. Baldini ist begeistert – obwohl Grenouille sich nur auf seine Nase konzentriert und keine Ahnung von Rezepturen hat, sind seine Düfte ein Geschenk Gottes. Als er jedoch merkt, dass er nicht alle Gerüche, besonders diesen einen des rothaarigen Mädchens, destilieren kann, beschließt er Baldini zu verlassen und nach Grasse zu gehen.
Dort wartet die Kunst der Enfleurage, eine besondere Methode zur Duftgewinnung, mit der man jeden Geruch konservieren kann.
Auf seiner Reise erkennt er, dass gerade er selbst über keinen eigenen Geruch verfügt, und somit gar nicht wirklich existent ist.
Dass er auf seinem Weg viele tote Mädchen hinterlässt, ist für ihn nur eine Nebensache...

Der Rose süßer Duft genügt,
man braucht sie nicht zu brechen -
und wer sich mit dem Duft begnügt,
den wird ihr Dorn nicht stechen. (Friedrich Martin von Bodenstedt)

Lange hat es gedauert, im letzten Jahr war es dann soweit: Patrick Süßkinds berühmter Literaturstreich wurde verfilmt, und das von Regisseur Tom Tykwer, der vor allem mit der gelungenen Hetzjagd Lola Rennt von sich Reden machte, und sich auch einem größeren Publikum offenbarte.
Viele Jahre lang hat sich Süskind gegen eine Verfilmung ausgesprochen, nachdem aber Constantin Film mal 10 Millionen locker machte, konnte er sich wohl nicht mehr dagegen verwehren.
Das Parfüm ist ein filmisches Epos geworden – perfekt bebilderte Szenen, Kostüme und Städte, zahlreiche Wendungen, Überlänge, viele Ortswechsel, die den Film zwar durchaus spannend machen, aber hin und wieder über kleine Längen nicht hinwegtäuschen können.
Zusätzlich mit Off-Kommentaren versehen, die den Film die nötige Konstanz geben, die er braucht.
Auf logische Ungereimtheiten stößt leider auch – wie kann es sein, dass Grenouille, der in einem Kerker im Gefängnis sitzt, fast hüllenlos, er trotzdem eine Ampulle seines betörend-beeinflussenden Parfums in Händen hält?
Man sollte annehmen, dass ihm alles abgenommen wurde, als er durchsucht wurde...
Auch inszeniert Tykwer den Film weniger um die Gedankengänge von Grenouille selbst, sondern schildert seine Eigenart und seinen Charakter mehr eingebettet zwischen den Orten, den Taten und der Nebenfiguren, die ihn umgeben.
Der Zuschauer kann nur erahnen, was in seinem Kopf vorgeht.
Dies gelingt aber trotzdem zufriedenstellend.
Die Welt der Gerüche wird auch optisch sehr gut ins Licht gesetzt - durch tolle Kamerafahrten und Einstellungen kann man sich sehr gut vorstellen, wie die verschiedensten Gegenstände und Dinge riechen.
Newcomer Ben Whishaw verköpret Grenouille, trotz aller Kritik, glaubhaft und gekonnt, auch wenn er nicht der beschriebenen Grenouille aus dem Buch zu stammen scheint.
Auch die Nebenrollen mit Dustin Hoffman als in die Jahre gekommener Baldinig und Alan Rickman als sich sorgender Vater können überzeugen.
Das gewisse Teile aus dem Buch nicht entsprechend verfilmt oder ganz ausgelassen wurden, soll nicht überraschen, den nahezu alle Literaturverfilmungen weisen dies auf.
Das Parfum ist mit einer Länge von 147 Minuten sowieso bis an die Grenzen vollgestopft.

Die Geschichte eines Mörders ist auch die Erzählung eines der teuersten Filmprojekte in Europa.
Das das Buch als nicht verfilmbar galt, ist somit auch Geschichte.
Demnach ist sowohl das Buch als auch der Film nicht vom großen Erfolg verschont geblieben.

info: 2006, Deutschland/Frankreich/Spanien, Tom Tykwer, Literatur-Verfilmung
darsteller: Ben Wishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman ua.
under the influence: Lola rennt, Heaven, Der Krieger und die Kaiserin

8/10 >> Daniel Gilic

29.4.07 16:00


GEFÄHRLICHE BRANDUNG - kathryn bigelow

„Er ist ein Suchender. Die Welle sucht er, die perfekte Welle.“

Und im Grunde kann man hiermit schon die Intention des Filmes fassen: Im Vordergrund steht das Surfen und die Suche nach dem ultimativen Adrenalinkick, aber es steckt weit mehr hinter dem Lebensstil der sogenannten „Ex-Präsidenten“ um den durch Patrick Swayze wunderbar verkörperten Bodhi.
Es geht ihnen nicht um das Geld, das die vier „Ex-Präsidenten“ bei ihren bislang dreißig 90-Sekunden-Bankräuben erbeutet haben – nein, es geht ihnen darum Grenzen zu überschreiten, sich gegen die Anpassung zu stellen, das Gefühl zu haben, lebendig zu sein.
Und genau dieses Gefühl übermitteln die zahlreichen Surfszenen und die zwei actiongeladenen Fallschirmsprungszenen.

Anstatt das Ganze aus der Distanz zu betrachten, schafft es Kathryn Bigelow, dass der Zuschauer in derartigen Szenen die ganzen Gefühle sehr gut nachvollziehen kann.
Leute, die surfen oder schon einmal Fallschirm gesprungen sind, wissen von dem Kitzel, der einen treibt, es immer wieder zu tun, das kommt im Film sehr gut rüber.
Der junge und unerfahrene Special Agent Johnny Utah, der die Serie von Banküberfällen gemeinsam mit seinem Partner Angelo Pappas, erhält sein Charisma durch den brillanten Keanu Reeves, lange bevor er als „Auserwählter“ die Kinozuschauer in der Matrix-Triologie begeisterte.
So kann man seinen Wandel vom überehrgeizigen, distanzierten Jüngling zu einem aufrichtigen und gefühlszeigenden Mann gut beobachten. Insofern kann man den Schluss ziehen, dass viele Menschen in ihrem Alltag gefangen sind und sich dadurch ihr Leben bestimmen lassen und dass man sich nur befreien kann, indem man ausbricht und Grenzen bricht.
Genau diesen Wandel macht Johnny mit Hilfe von Bodhi und Tyler durch, bei Bodhi ist diese Entwicklung scheinbar außer Kontrolle geraten.
Doch er stellt auch eine Sympathiefigur dar, weil er Grenzen überschreitet, die sich andere nicht trauen würden zu brechen.
Er verliert jedoch die Kontrolle und geht am Ende mehr oder weniger an seinem riskanten Lebensstil zugrunde, und genau um diese Entwicklungen geht es, denn spannungsmäßig ist der Film schon frühzeitig sehr durchschaubar, aber Action und die interessante Beziehung zwischen den zu Beginn unterschiedlichen Charakteren Johnny und Bodhi machen das gänzlich wieder wett.

Gefährliche Brandung ist ein herrlicher, actiongeladener Film über den Konflikt zwischen dem Beruf, beziehungsweise dem Alltag, und der Loyalität zu seinen Freunden, unter anderem einer der ersten mit dieser Thematik und deswegen auch herausragend.

info: 1991, USA, Kathryn Bigelow, Surf-Krimi
darsteller: Patrick Swayze, Keanu Reeves, Gary Busey, Lori Betty ua. under the influence: The Fast And The Furios, Surfen

8/10 >> Ann-Kathrin Otte

29.4.07 16:00


DEPARTED : UNTER FEINDEN - martin scorsese

Vertrauter Feind im Rückspiegel

Ein asiatisches Thriller-Remake von Kultregisseur Martin Scorsese als dicker Oscarpreisträger - Departed : Unter Feinden konnte bei der letzten Oscar-Verleihung all seine starken Konkurrenten auf der Strecke, weit hinter sich lassen und heimste u.a. den Goldjungen für den besten Film des Jahres ein.
Damit endete die lange Durststrecke von Regisseur Scorsese, der so oft nominiert war, jedoch nie die wohl verdiente Trophäe einheimsen konnte. Doch war die Wahl berechtigt, bürgt The Departed, so der Originaltitel für filmisch umgesetzte Qualität, oder spielte der Film selbst eine eher untergeordnete Rolle, um Scorsese endlich auszuzeichnen?
Das Departed ein Remake des Hongkong-Thrillers Infernal Affairs ist, wissen wohl nur die wenigsten Menschen und Filmkenner unter uns.
Was hat Scorsese dazu bewogen, gerade diesem Film, der mittlerweile zwei Fortsetzungen genießt, eine Referenz zu erweisen?

Das Szenario spielt in Boston.
Die ortsansässige Polizei versucht dem berüchtigten Ganovenboss Costello das Handwerk endgültig zu legen.
Gleichzeitig werden zwei weitere wichtige Schachfiguren eingeführt – der temperamentvolle Sturkopf Billy (DiCaprio), sowie der ruhige Colin (Damon), die beide zwei Gesichter repräsentieren, zwei vollkommen umorientierte Lebenswege.
So machte Colin schon in jungen Jahren Bekanntschaft mit Costello, der ihn gleich darauf unter seine Fittiche nahm.
Nun steht Colin viele Jahre später vor seinem Polizeiabschluss, genauso wie Billy, der mit seiner nicht gerade zimperlichen Vergangenheit abschließen möchte und den krummen Geschäften Adieu sagen will. Während der für Costello agierende Colin sich im Polizei-Department schnell einschleicht und effektiv arbeitet, rasant befördert wird, wird Billy hingegen von seinen beiden Vorgesetzten Queenan (Martin Sheen) und Dignam (Mark Wahlberg) bei Costellos Bande eingeschleust.
Nun kann auch er sich beweisen.
Jeder der beiden Cops ist auf der Suche nach dem jeweils anderen.
Das beide Wege früher oder später miteinander auf Kollisionskurs gehen werden, ist unumgänglich.
Darauf zielt Departed : Unter Feinden ab.
Doch die spannende Frage lautet: Wann wird es soweit sein, und was wird von ihnen übrig bleiben?

"Cops or criminals. When you're facing a loaded gun what's the difference?"

Die Rückkehr zum harten Gangster-Thriller ist Regisseur Scorsese prestigeträchtig gelungen.
The Departed weist alle Markenzeichen auf, die den Regisseur groß gemacht haben, und bietet wieder erneuten, diesmal toll geglückten Tiefgang, den der letzte wirre Streich Gangs Of New York nicht aufzuweisen vermochte.
Eine angespannte, von Misstrauen getragene Atmosphäre zeichnet The Departed aus.
Immer scheinen die wahren Hintergründe der ragilen Figuren ans Tageslicht zu kommen, die Entblößung ihrer wahren Seelen scheint ständig in Gefahr zu sein.
Das der Zuschauer unterdessen vor lauter Spannung mitfiebert und mit den keineswegs eindimensional dargestellten Figuren mitfühlt, trägt ungemein zum grandiosen Eindruck des Films bei.
Natürlich hat Scorsese wieder hervorragende Schauspieler um sich geschart, die die gehetzten Maulwürfe verkörpern, allen voran der mittlerweile zum Liebling des Regisseurs gewordene Leonardo DiCaprio, der hier voll in seiner verzweifelten Rolle als Cop im goldenen Käfig aufgeht wie lange nicht mehr, wenn überhaupt. Vera Farmiga mimt eine tolle Psychologin, die nicht statisch und leblos spielt, sondern durchaus wichtige Akzente zu setzen vermag – sowohl bei Colin (ihrem Partner) und Billy (ihrem Lover).
Der inzwischen in ausgezeichneten Rollen anzutreffende Matt Damon geht in seiner Rolle als erfolgreicher Cop-Spitzel hervorragend auf.
Zu Jack Nicholson braucht man sowieso nicht mehr viele Worte verlieren - einen anderen Darsteller für den infarmen, narzistischen, häufig brutalen, manchmal arg komischen, weil treffend ironisch untermalenen Costello kann man sich schlicht nicht vorstellen.
Das der Film über zwei Stunden an Länge besitzt, fällt nicht weiter ins Gewicht, da man es kaum wahrnimmt.
Ständig gewinnt der Thriller an psychich starken, brisanten Wendungen.
The Departed inszeniert seine Figuren mit einer weiterreichenden narrativen Tiefe als das originale Machwerk.
Dabei kommt der Film trotz der hoch dosierten, perfekt zeitlich abgestimmten Üppigkeit des Stoffes unglaublich leicht und mühelos daher.

House of cards

Mit dem Ende des Films verdichtet sich auch die Interaktion, der Schnitt wird härter und temporeicher, steuert dem furiosen Finale entgegen, in dem es viele Tote geben wird...
Auch in Departed kreist das Thema um mehrere Dringlichkeiten, die Martin Scorsese in seinem Schaffen stets thematisiert hat: Zuchtlosigkeit, die Amoral der Bürger, die mit den Füßen getretenen Werte.
Eine spannende Reise in die zweigespaltene, zwielichtige Welt der Menschen, die vielleicht mehr sind als wir glauben.

info: 2006, USA, Martin Scorsese, Gangster-Thriller
darsteller: Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio, Matt Damon ua.
under the influence: GoodFellas, Casino, Infernal Affairs

9/10 >> Daniel Gilic

18.4.07 20:00


BRICK - rian johnson

Crime und üble Machenschaften mitten auf der High School

Nachdem Brian De Palma der Versuch misslungen war, das Film-Noir Genre erneut zum Leben zu erwecken, versucht es nun Newcomer Rian Johnson mit seinem jugendhaften Thriller Brick, der aber abermals nicht auf ganzer Linie überzeugen kann.

Der junge Brendan (Gordon-Levitt) schlägt sich als cleverer, doch stets im Abseits stehender Außenseiter durchs Leben.
Er isoliert sich vom bunten Treiben an seiner Schule, gehört keiner der Cliquen an und lebt eigentlich ganz gut damit.
Als er jedoch einen mysteriösen Zettel in seinem Schulspind entdeckt, der von seiner untergetauchten Ex-Freundin Emily (De Ravin) stammt, folgt er den Anweisungen und macht sich zu einer beschriebenen Telefonzelle auf, um mit der schon seit einem Monat verschwundenen Emily in Kontakt zu tretten.
Das Telefonat gibt weitere Rätsel auf – Emily scheint unter Panik zu stehen, verschiedene Begriffe und Worthülsen verlassen fallen, sie bittet schließlich Brendan um Hilfe.
Es kommt zu einem erhofften Treffen, doch sie gibt nichts mehr von ihren Geheimnissen preis, bittet Brendan den panischen Anruf von ihr zu vergessen.
Dieser will trotzdem nicht aufgeben – doch wenig später findet er die tote Leiche des jungen Mädchens.
Wer hat sie ermordet, und warum?
Zusammen mit seinem Nerd-Freund The Brain (O’Leary) macht er sich auf, das Geheimnis hinter ihrem Verschwinden zu lüften und den Täter zu finden...

"You better be sure you wanna know what you wanna know."

Brick ist eine klassiche Detektivstory wie sie im Buche steht, doch das Setting des Film-Debüts von Rian Johnson's düsterem, zeitversetzten Noir-Thriller ist schon mal ungewohnt:
Fast durchgehend am Tag spielend, großteils auf dem Gelände der Schule angesiedelt, deckt Brick immer mehr die die von Drogen und korrupten Machenschaften verseuchte Kleinstadt auf, in der es oberflächlich ziemlich friedlich zuzugehen scheint.
Üblich sind normalerweise dunkle, verregnete Straßen in tiefer Nacht.
Doch Johnson zeigt, dass es auch anders geht und überzeugt damit – auch am Tag scheint die Stadt leer zu stehen, das sonderbare Leben findet nicht auf den Straßen statt, und innerhalb der nett anmutenden Familienhäuser spielen sich gefährliche Szenarien ab.
Der “American Way Of Life” leidet hier eindeutig unter einer wohlwollend aufgenommenen Doppelbödigkeit.
Hauptfigur und Chefermittler Joseph Gordon-Levitt sieht aus wie ein jüngerer Heath Ledger, spielt souverän, obwohl er sehr kühl, distanziert und sehr emotionlos agiert, sichtbar in dem Moment, wo er den Leichnam seiner Ex-Freundin in einem Abwasserkanal findet.
Davor von großer Liebe geschwärmt, und nun keine einzige Träne
vergossen.
Das Brendan sich zudem einfach vermöbeln und zusammenschlagen lässt, ohne schwerwiegende Schäden davonzutragen, und so einfach zu den Drahtziehern hinter der ganzen krummen Geschichte kommt, ist ein wenig seltsam, bleibt aber wohl bewusst klischeehaft.

Brick ist dermaßen durchkonstruiert, dass Spontanität oder brillante Wendungen keine Chance haben.
So bleibt die endliche Auflösung auch recht dürftig und nicht besonders überraschend.
Das der Film irgendwann mit lauter genannten Namen verwirrt, vor lauter Intentionen und hinterhältigen Spielen, ist ein großes Manko.
Das Brick trotzdem auf großen Zuspruch beim berühmten Sundance Filmfestival fand, verwundert.
Anscheinend hat sich die große Mehrheit sich von der zugegebenermaßen originellen Idee stark beeinflussen lassen, ohne groß auf die nicht spannende Konclusio zu achten.
Zumindest beim entspannt, leicht an Air erinnernden Score hat man ein glückliches Händchen bewiesen, obwohl hier wieder kontrastreiche Gegensätze zusammengebracht werden.

info: 2006, USA, Rian Johnson, Neo-Noir-Thriller
darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Emilie De Ravin, Nora Zehetner, Lukas Haas ua.
under the influence: Black Dahlia, L.A. Confidential

4/10 >> Daniel Gilic 

18.4.07 20:00


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