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Kunst & Kultur

ROBERT DOISNEAU special

Ein Bild geht um die Welt


Mit nur einem einzigen Photo machte sich der französische Photograph Robert Doisneau quasi über Nacht unsterblich - dabei kennen nur ganz wenige die Geschichte hinter dem Titel, "Der Kuss vor dem Rathaus."

Verliebt in Paris

Das ruhmreiche Bild entstand im März 1950 - in der Stadt der Liebe, wo könnte es auch anders sein: Paris.
Ein jünges Paar küsst sich innig, verliebt, inmitten von Passanten auf der Strasse, unbekümmert.
Eigentlich ein einfacher Schnappschuss, oder doch nicht?
Nachdem es in den 80er Jahren zu Prozessen kam, weil sich viele Menschen auf dem Bild selbt erkannt hätten, ohne deren Zustimmung für das Werk zu geben, sagte Doisneau aus, dass das Bild doch gestellt war, mit Schauspielern inszeniert.
Ob das nun stimmt, oder er mehr oder weniger die Unwahrheit gesagt hat, wird wohl ewig ein Mythos bleiben.
Ein ikonographisches Bild, dass die Zeit trotz aller Strapazen wohl gesonnen überdauert hat.

Doisneau verstarb im April 1994 in Paris.

Picture © Robert Doisneau

Daniel Gilic

15.4.07 15:00


XENIA HAUSNER special

More than meets the eye


Die Bilder der österreichischen Künstlerin Xenia Hausner entfalten eine ungewöhnliche Wirkung – doch weniger spontan oder während eines Besuches ihrer Ausstellung, sonder vielmehr nachdem man ihre Bilder einige Tage mit sich rumgetragen hat, vor dem geistigen Auge sprichwörtlich.

 

 

Ob man sich auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule befindet, und an die Blicke der Frauen und Mädchen denkt, die einen unmittelbar von ihren riesigen malerischen Collagen angeblickt haben, oder beim Kochen einer italientischen Mahlzeit die ein oder andere hübsche, rassige Frau aus ihren Werken gedanklich auftaucht.

 



Man mag ihre Bilder für überladen halten – doch schafft sie so einen
besonderen Kontrast zwischen den melancholischen Tönen, die viele Bilder von ihr umgeben, und der bunten, fast explosiven Vielfalt der Farben.
Der Kampf der verschiedenen Ausrichtungen, der differenzierten Pole, scheint vorbei zu sein – den Figuren scheint es auch egal zu sein, die Hausner auf ihre großformatigen Leinwände und Mixed-Media-Arbeiten projiziert.
Die stille Tragik & das verhuschte, nicht ganz greifbare Glück steht für sich allein.

 



Sie macht sich vielerlei Stile zu ihrem Nutzen, und doch sind ihre künstlerischen Ausstellungen keinesfalls unhomogen oder geben gar ein diffuses Bildnis ab.
All die unterschiedlichen Stilrichtung werden zu einem besonderen Mix zusammengefügt, den man zugegebnermassen nicht immer oder sofort nachvollziehen kann.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Werke gemalt sind, photographiert oder schlussendlich beides.
Stets verbindet sie die nicht erzählten Geschichten der Figuren auf den Bildern mit der eigenen, persönlichen Story des Betrachters– was mag dieses Mädchen da bloss denken, die dich so sehnsuchtsvoll ansieht?
Was sind ihre Gedanken, wieso sieht so so traurig aus?
Auffällig ist auch, das vermehrt Frauen in ihren Arbeiten auftauchen, Männer nur sporadisch zu sehen sind.

 




info: Xenia Hausner wurde 1951 in Wien geboren.
An der Akademie der Bildenen Künste absolvierte sie von 1972 bis 1976 ein Bühnenbildstudium, zudem studierte sie an der Royal Academie of Dramatic Art in London.
Seit 1990 widmet sie sich ihren großflächigen Collagen und Mixed-Media-Arbeiten, die ihr zentrales Schaffen bilden.

buchtipp: Glücksfall, ISBN 3-7913-3621-5
web: http://www.xeniahausner.de
Pictures © Xenia Hausner

Daniel Gilic

11.2.07 18:30


MAHJONG special

Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg

Interesse für China, für chinesische Kunst oder chinesische Geschichte?
Nein?

Macht nichts, ich auch nicht, bevor ich die Ausstellung Mahjong in der Hamburger Kunsthalle besucht habe - und ehrlich gesagt wusste ich auch nicht, was mich erwarten würde, wenn ich mich in dieses Gebäude begeben würde...

Gleich als erstes, wenn man die Ausstellung betritt, stehen dort in einem quadratischen Raum in einem Quadrat 25 immer gleich aussehende Figuren, die der Künstler nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Jede der Figuren hat einen zu großen, albern lachenden Kopf, und zu große Füße.

Der eigentliche Beginn der Ausstellung befand sich allerdings im dritten Stock der Hamburger Kunsthalle - zuerst kommt man in einem Raum mit Gemälden, im Stile der zu Mao-Zeiten einzig erlaubten Kunstart: Propaganda-Kunst. Mao Zedong, der die Volksrepublik 1948 gründete, wird von Feldarbeitern die Landschaft gezeigt, angestrengte aber nicht jammernde Arbeiter in Bergwerken, kriegsverherrlichende Bilder usw.

Der nächste Saal zeigt dann echte Zeitgenössische Kunst, die sich in erster Linie mit der Unterdrückung der Chinesen und brutal niedergeschlagenen Aufständen beschäftigt.

 

Richtig bunt wird es dann, wenn China und die Pop-Kultur aufeinandertreffen, die die Chinesen nach dem Ende der Unterdrückung aufgrund der der Chinesischen Kunst am meisten ansprach.
Besonders in Erinnerung bleibt - ein Bild auf dem Andy Warhols und Marilyn Monroe vermischt mit Mao Zedong dargestellt sind.

Die nächsten Räume verdeutlichen die Veränderung des Alltags eines Chinesen, nach dem Tod Maos.
Besonders beeindruckend - ein Schreibtisch mit Schreibtischstuhl, Computerbildschirm und alles was dazu gehört - bloss, dass der Künstler den Schreibtisch zu einem Foltergerät verwandelt hat.
Der Stuhl ist mit Stacheln versehen, und einer schnalle für Arme und Kopf. Der Bildschirm ist zu einer Guillotine geworden, die Tastatur eine Fingerpresse.

 

 

In einem der letzten Austellsäälen befindet sich ein Bild, auf dem hochgereckte Hinterteile, Knie und Schultern zu sehen sind sie in Nebel gehüllt an eine Landschaft erinnern.
Zum Schluss kehrt man dann wieder zum Anfangskünstler zurück, der die Statuen des anfangs gefertigt hat.
Auf einem seiner Bilder malt er das berühmtes Bild aus dem 18. Jahrhundert nach, das die Französische Revolution zeigt, nur das alle Personen des Originals durch sein Abbild ersetzt wurde, und er auf sämtliche Einzelheiten verzichtet.

Alles in allem eine sehr schöne Ausstellung, die auch Leute, die sich sonst nicht so sehr mit Kunst auseinander setzten, leicht begeistern kann.
Man lernt spielerisch und einprägend etwas über chinesische Geschichte und erhält Einblick in die chinesische Kultur.

wo: Die Ausstellung lässt sich noch bis zum 18. Februar 2007 in der Kunsthalle Hamburg bestaunen.
extra: http://www.hamburger-kunsthalle.de/archiv/seiten/mahjong.html

Picture1 © Yu Youhan
Pictrue2 © Ai Weiwei
Picture3 © Huang Jan

Jan Gerngross

7.2.07 18:30