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Literatur

HALL OF FAME - starke figuren aus der literatur #4

DORIAN GRAY

wer: Ästhetizismus als Märtyrium: Der attraktive und jugendhafte Dorian Gray liebt die Frauen - und die Männer zugleich.
Sowohl den Frauenschwarm als auch den Männerliebhaber vereint er in ein und derselben Person.
Er führt somit ein abenteurlastiges Leben, zwischen Dandytum und Genussmenschen.
Einen makaberen Höhepunkt stellt ein gemaltes Portrait von ihm dar, dass aufgrund seiner Bitte anstelle von ihm selbst merkwürdigerweise altert.
Als sich dieser befremdliche Wunsch geheimnissvollerweise erfüllt, wird sein Leben immer ausschweifender und großzügiger.
Schließlich treibt er seine Geliebte in den Selbstmord, bringt den Maler des Bildes um, und zerstört das Bild dann auch noch selbst.
Diese Tat bedeutet gleichzeitig sein eigenes Ende...

info: Dieser indirekte Tod macht auch die größte Faszination der Figur aus.

"Wer schön an der Oberfläche treibt, stirbt unschön in der Tiefe."

Zur damaligen Zeit stand das Buch äußerst in der Kritik.
Oscar Wilde und sein 1891 erschienener Künstlerroman zählt heutzutage zu den meistgelesenen Büchern der englischen Literatur.
Die anfänglich vielen Kritiker sind längst vergessen.
Wilde veröffentliche zuerst eine ungekürste Fassung in Lippincott's Monthly Magazine, später wurde er zudem wegen Sodomie vor Gericht angeklagt, was damals Homosexualität bedeutete, und schließlich in ein Zuchthaus gebracht.
Als "Evangelium der Reinheit" wurde es erst später von anerkannten Autoren wie Egon Friedell bezeichnet.

Die tragische Geschichte eines sonderbaren Falles gehört auch heute noch zu den spannendsten Geschichten, die das Leben über rätselhafte Männern zu schreiben weiß.

wo: DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY (Oscar Wilde)

Daniel Gilic

6.6.07 16:00


HALL OF FAME - starke figuren aus der literatur #3

ALEX, der Droog

wer: Der sechzehnjährige Alex schwebt zwischen Gut und Böse - zu heroischen Hymnen von Beethoven schmiedet er bösartige Pläne, die er dann später mit seiner Bande, den Droogies, gewaltvoll in die Tat umsetzt.
Autos werden geknackt und zu Schrott gefahren, alte Männer grundlos verprügelt und Läden ausgeraubt.
Nach einem folgeschweren, unbeabsichtigten Mord wird Alex von seinen Freunden verraten und schließlich zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.
Um früher entlassen zu werden, nimmt er an einem gefährlichen Experiment teil: Mittels einer Gehirnwäsche soll sein Geist umprogrammiert werden, zudem wird er von grausamen Schmerzen und Übelkeit geplagt, wenn der kleinste Gedanke über Gewalt oder sexuellen Begierden aufkommt.
Nachdem er sich wieder auf freiem Fuß befindet, wird er nun von seinen ehemaligen Opfern gequält - solange, bis er sich selbst das Leben nehmen will.

Die Verantwortlichen beschließen, dass Experiment abzubrechen und die Programmierung von Alex rückgängig zu machen.
Zynismus, Gewalt und Brutalität prägen wieder das Weltbild von Alex, bis letzendlich, tief in seinem Inneren, eine Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Frieden aufkommt...

info: A Clockwork Orange ist das bekannteste Buch des britischen Autors Anthony Burgess, dass zudem durch die Verfilmung von Kult-Regisseur Stanley Kubrick noch bekannter wurde und zu Ruhm gelang.
Die verwenderte, beschriebene Sprache von Burgess ist anders, klingt anders.
Konsequent verwendet er jugendliche Ausdrücke im Sinne eines "Futurestils".

1962 erschien der skandalträchtige Roman, der zudem mit der Identifikation des Lesers spielt.
Mit viel Wortwitz und einer erhöhten Portion an Charme pfeift Alex auf Moralvorstellungen von unsereiner, greift dabei aber die Gesellschaft an, die sich über die Gewalttäter und ihr Verhalten brüskiert.

Das mit dem Verlust der eigenen Entscheidungsfähigkeit am Ende von
Uhrwerk Orange ein noch größeres Übel mündet, dürfte keine große Überraschung sein.

wo: UHRWERK ORANGE (Anthony Burgess)

Daniel Gilic

6.6.07 16:00


HALL OF FAME - starke figuren aus der literatur #2

DEAN MORIARTY

wer:
Wir befinden uns in den 40er Jahren, Standort USA.
Alles beginnt mit einer seltsamen Begegnung:
Der angehende Schriftsteller & Student Sal Paradise trifft auf den rastlosen Außenseiter Dean Moriarty, der in Metaphern vor sich hin philosophiert. Paradise ist fasziniert von seiner Lebensweise und beschließt ihm zu folgen, quer durch ganz Amerika, bleibt dabei aber immer ein Beobachter. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine intensive Freundschaft - Dean, ein hitziger Bursche, erobert die Herzen der Frauen ebenso leicht wie das der Männer.
Dean pfeift auf ein sorgsames Heim, auf Konstanten im Leben, konsumiert lieber Drogen, Sex und die belebende Weite Amerikas.
Auch der nagelneue Cadillac bleibt bei der Reise von Ost- zu Westküste nicht verschont.
Das Leben "auf Achse" nimmt stets gefährlichere Züge an, wird gar selbstzerrstörerisch...

info: Der aus der Ich-Perspektive schreibende Schriftsteller Jack Kerouac beschreibt in Unterwegs das Gefühl und die Ideologie der Beatniks, Moriarty fungiert dabei als Archetyp und Paradebeispiel.
Gleichzeitig erschuf er damit ein Denkmal für den damaligen Freund und Liebhaber Neal Cassady.
On The Road, so der englische Titel, wurde zu einem literarischen Hauptwerk der Gegenkultur in den 50er und 60er Jahren, und machte die Beat-Kultur zur ersten Sub-Kultur Amerikas.
In den 50er und 60er Jahren wurde der autobiographische Roman zu einem literarischen Hauptwerk mit ikonenartigem Charakter.
Tragik mischte jedoch das reale Leben der beiden Männer auf: Cassady verunglückte mysteriös auf einem Zuggleis in Mexico, nach einem Jahr starb auch Kerouac 1969 mit nur 47 Jahren, er litt an Tabletten- und Alkoholsucht.
Doch sein Werk bleibt bis heute ungebrochen - noch immer strahlt die geschilderte Freiheit eine furiose Anziehungskraft aus.
Ursprünglich wollte Francis Ford Coppola das Buch mal verfilmen, mehr als diese Idee ist es aber nicht geworden.

wo: UNTERWEGS (Jack Kerouac)

Daniel Gilic

6.6.07 16:00


KINNVIKA 80° NORD

Eiszeit

Im hohen Norden zu überwintern und dabei über 3 Monate keine Sonne zu sehen ist hart - nur wenige schaffen dies.
Der deutsche Physikprofessor und leidenschaftliche Feldforscher Hauke Trinks hat es getan, mehrmals.
Auf seiner letzten Überwinterung hat er eine Fremde eingeladen, ihn zu begleiten, damit es nicht so einsam ist.
Marie Tiéche sagte zu und lebte von 2002 bis 2003 ein Jahr oberhalb von 80° nördlicher Breite, in der Arktis.
Nun hat sie, wie Trinks, ein Buch darüber geschrieben.
Doch so richtiges Abenteuerfeeling fehlt.

"Begleiten sie mich ein Jahr in die Arktis?"
Was würden man selbst sagen, wenn ein Fremder einem diese Frage stellen würde? Nein, natürlich!
Marie Tiéche sagte jedoch etwas anderes, so steht es auf dem Klappentext zum Buch.
Die besagte Autorin traf in einem Lokal in der Stadt Longyearbyen auf Spitzbergen auf den Deutschen Hauke Trinks, der sie ansprach und nach gerademal einer Stunde Gespräch auf seine nächste Expedition auf die Nachbarinsel Nordaustland.
Dort will er ein ganzes Jahr leben und dabei freilich auch Überwintern. Tiéche ist davon total überwältigt und überlegt Tage lang hin und her, ob sie mitkommen soll, oder nicht.
Immerhin ist sie abenteuerlustig - für ihren Ex-Freund war sie aus ihrem Heimatland nach Spitzbergen gezogen, hatte fast ihr ganzes gekanntes Leben aufgegeben, und nun sollte sie für ein ganzes Jahr der Zivilisation den Rücken kehren und mehr als ein Vierteljahr in völliger Dunkelheit leben, zusammem mit einem Fremden - ein krasser Schritt.
Doch sie entschloss sich dafür - ein Jahr dem wunderbaren Fremden, zwischen Eisbären und Walrossen hausen.
Doch das muss natürlich erst einmal vorbereitet werden: Wieviel isst man in einem Jahr wovon? Wieviel Klopapier braucht man in der Zeit? Was benötigt man sonst noch?
Wen Antworten auf solche Fragen interessieren oder wer gar selbst mal etwas ähnliches plant, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Doch streckenweise wird das Buch sehr langweilig und driftet vom Thema ab.
Oft schreibt Tiéche über Ereignisse in ihrem Leben, was für ein Mensch sie ist und über ihre gescheiterte Ehe.
Insgesamt beschreibt sie oft ihre Beweggründe für die Reise, viel zu oft. Auch verdeutlicht sie im ganzen Buch, was für ein kaputtes "Mädchen" sie eigentlich ist, wie sehr sie diese Reise gerettet hat und überhaupt wie bitter alles war.
Dabei überschreitet sie die erträgliche Dosis eindeutig.
Wer eine packende, mitreissende Dokumentation eines Grenzganges erwartet hat, wir enttäutscht.
Tiéche wiederspricht sich auch häufig - erst erzählt sie, was für ein optimistischer Mensch sie war (auch schon vor der Reise) und etwas später im Buch erzählt sie dann, dass sie erst während der Reise solch ein Optimist geworden sei.
Trotzdem bekommt man einen recht interessanten Einblick in ein kaltes Unterfangen aus der Sicht einer Frau. Teilweise kann sie Dinge beschreiben, auf eine Sichtweise betrachten, die man bei vielen ihrer männlichen Kollegen die sich ähnlicher Lektüre widmen vermisst.
So hat mich die Szene, in der sie die Polarlichter beschreibt, sehr berührt. Als Extra gibt es Hauptsächlich eine Fotostrecke aus 28 Hochglanzfotos in der Mitte des Buches.
Das ist eine wunderbare Sache, da man sich die Impressionen des Nordens, die sie im Text beschreibt, garnicht so einfach vorstellen kann. Da sind die Fotos sehr sinnvoll.
Am meisten beeindruckt hat mich ein Bild des Polartages, wo auch um Mitternacht noch die Sonne scheint.
Ein weiteres Giveaway ist die Karte, die das Hardcover vorne und hinten von innen ziert.
Dort kann man die Orte der Handlung, Longyearbyen und Kinnvika, richtig nachvollziehen, das ist sehr von Vorteil, wenn man sich in der Gegend nicht besonders auskennt.

Die Haptik ist ziemlich gut, vor allem das Coverfoto des Schutzumschlages gefällt.
Das hellblau des Einbandes passt wunderbar zu dem kalten Terrain auf dem Tiéche und Trinks mit zwei Hunden ein Jahr lang lebten.
Doch gibt es auch hier ärgerliche Sachen: Es wurden die Seiten 121-124 zweimal eingeheftet und die geklebte Bindung ist an einigen stellen unsauber, sodass einige Seiten ein wenig zusammenkleben.
Man sollte sich vorher genau überlegen, wie sehr einen das Thema interessiert und ob man die 22 € dafür investieren will.

wer: Marie Tiéche
info: KINNVIKA 80° NORD, ISBN 389405493X

5/10 >> Robert Schulze

25.3.07 15:00


HALL OF FAME - starke figuren aus der literatur

# 01. HOLDEN CAULFIELD

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wer: Alles andere als ein Musterknabe ist der 16-jährige Holden Caulfield.
Aufgrund von schlechten Leistungen ist er schnurstracks aus seiner Internatschule rausgeflogen.
Anstatt sich auf dem Heimweg zu machen, verbringt er lieber zwei Tage und Nächte in New York.
Dort begegnet er der rauen Wirklichkeit.

Dabei geht es für den Ich-Erzähler Holden weniger darum, was um ihn herum passiert, sondern wie er all die Geschehnisse, das Gesehene, wahrnimmt.
Er drückt sich in einer emotionalen, unterkühlten und manchmal ungebremsten Art aus, wenn er flucht und gegen die Welt der Erwachsenen rebelliert, die nicht die seinige ist.
NYC, diese riesige Stadt, hat soviel zu bieten aber so wenig zu geben - für ihn.
Er hofft seiner Einsamkeit zu entgehen, jedoch findet er so gut wie alles an dieser Welt unwert und verachtend.

In der Schlüsselszene unterhaltet sich Holden mit seiner 10-jährigen Schwester und erkennt in symbolhaftem Bildnis einen Abgrund, ein Roggenfeld, auf dem sich spielende Kinder befinden - sein eigenes Schicksal.

info: Seit dem Erscheinen 1951 konnten sich viele mit J.D. Salingers kultigem Roman "Der Fänger im Roggen" identifizieren.
Millionen von Menschen haben sich in Salingers Roman wiedererkannt, gefunden - dazu auch so nachhaltig, dass das Buch an vielen amerikanischen Schulen schlicht verboten wurde.

Die literarische Stimme von Holden Caulfield hat zu ihnen gesprochen, glaubhaft und glaubwürdig - dahingegen ist über Salinger selbst wenig bekannt, der Autor hat seit mehr als 30 Jahren kein weiteres Buch mehr veröffentlicht.
Er soll völlig abgeschieden in einem Haus in Cornish, New Hampshire, wohnen.

wo: DER FÄNGER IM ROGGEN (J.D. Salinger)
Picture © cadet

Daniel Gilic

11.2.07 17:00


DAS PAPIERHAUS - carlos maría domínguez

Sammelleidenschaft

Ungewöhnlich – „Das Papierhaus“ beginnt mit einem der insgesamt interessantesten Sätze des Buches und zugleich mit einem seltsamen Szenario:
Die Literaturdozentin Bluma Lennon wird auf der Straße von einem Auto überfahren, als sie in einem erst gekauften, wundervollen alten Gedichtband von Emily Dickinson liest und völlig darin versunken ist.

Nach dem Vorfall und ihrem Tod bekommt Blumas Dozenten-Kollege ein an sie adressiertes Päckchen zugeschickt - wie könnte es auch anders sein, ein Buch.

Dieses Werk gibt jedoch Rätsel auf – was hat es mit dem mysteriösen Roman auf sich, weshalb ist das Buch so mit Zement verkrustet?
Zuerst legt der Ich-Erzähler das Buch weg, doch er kommt nicht drumrum, für sich und für die verstorbene Bluma das Geheimnis des Buches zu lüften.
Schließlich macht er sich auf einen weiten und abenteurlichen Weg, das Buch an den Absender zurückzuschicken bzw. es zurückzugeben.

Das Büchersammeln als Obsession – Autor Carlos María Domínguez stellt die Sammelleidenschaft in den Vordergrund und zeigt auch alle damit verbundenen Facetten.
Egal ob man dabei ungemeine Freude verspürt, zufrieden mit sich und der Welt ist, oder fast vollkommen wahnsinnig wird.
Sammelnde Menschen sind extreme Menschen – immer gieren sie nach mehr, zufrieden sind sie in wenigen Momenten. Was wäre das Sammeln, wenn man keine Hoffnung hätte auf weitere Leckerbissen und Klassiker hier und da zu stoßen?

Auf wenigen Seiten pendelt Domínguez zwischen Langeweile und Interesse.
Nicht immer ist er dazu in der Lage, den Leser mit seinem Stil zu fesseln – doch nach ein paar Seiten Durststrecke kommt die Wendung und man ist doch wieder mit dabei, vertieft in die abenteuerliche Reise, die auch mit vielen Zitaten aus der Weltliteratur auffahren kann.
Besonders das Ende hat es in sich und kann mit einer ausgeklügelten Idee punkten – was man nicht alles mit Büchern machen kann...
Es gilt, sich selbst ein Urteil zu bilden, 93 Seiten werden niemandem weh tun, der sich auf diese literarische Reise einlässt.

wer: Carlos María Domínguez, geboren 1955 in Buenos Aires, lebt seit 1989 in Montevideo.
Er ist als Journalist, Schriftsteller und Kritiker tätig.
Seine Erzählung Das Papierhaus wurde im Jahr 2001 in Uruguay ausgezeichnet.

info: DAS PAPIERHAUS, ISBN 3821857307

extra: Leseprobe beim Eichborn-Verlag, http://www.eichborn-verlag.de/s2/default.asp?SeID=&id=16&tid=1306&x=1&y=1

5/10 >> Daniel Gilic

11.2.07 16:30