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Comix

TORPEDO Band 1

"As far back as I can remember, I've always wanted to be a gangster"

Der Leser von Torpedo wird in das New York des Jahres 1936 versetzt, als es noch echte Gangster gab.
Leute wie Al Capone und seine Schergen, die kaltblütig Leute aufgrund von Familienfehden töteten und die ganzen Städte unter Kontrolle hielten.
Und um einen ebensolchen, namentlich Luca 'Torpedo' Torelli, geht es.

Dieser, ein italienischer Einwanderer, hat ganz unten als Schuhputzer angefangen - die Transformation zum Vollblutgangster begann, als er einen Polizisten umbrachte, der immer zu ihm kam um sich seine Schuhe putzen zu lassen.
Doch immer benahm sich dieser Bulle herablassend, da stellte ihn der junge Torpedo einfach kalt.
Doch Vorsicht - bei Torpedo handelt es sich nicht um einen der romantischen Verbrecher á la Humphrey Bogart.
Der Comic gehört dem Subgenre des sogenannten "Hard Boiled" an, also extrem heftige Ausdrucksweise, und extreme Charaktere.
Torpedo selber ist ein solch extremer Chrakter: Er tötet ohne Skrupel und verfolgt lediglich seine ganz eigenen Ziele.
In einer der Kurzgeschichten erfährt man, wie Torpedo seinen besten Freund tötet - für Geld und seinen Ruf.
Auch achtet er das weibliche Geschlecht sehr gering, ist aber dessen Reizen sehr verfallen.
So tut er alles für den lustvollen Geschlechtsverkehr.
Er akzeptiert ihn sogar als Bezahlung.

Die schwarz/weiße Gestaltung unterstreicht diesen düsteren, harten Charakter zusätzlich.
Bernets detailreiche Zeichnungen kommen sehr schön zur Geltung und machen aus dem Band einen Augenschmaus.
Doch wer dieser Art der Kunst, also dem s/w-Comic mit einem Antihelden in der Hauptrolle nicht zugetan ist, sollte den Comic wohl eher im Bücherladenregal stehen lassen.
Auch ist der Comic eindeutig nicht für Kinder geeignet - die harten Aussagen und die bloßen Zeichnungen (Bernet stellt u.a. schöne Frauen gern in der 'Totale' dar) sind definitv nur für ältere Leserkreise geeignet. Trotzdem gut, dass der deutsche Verlag Cross Cult das Werk unzensiert veröffentlicht.
Ansonsten hätte eindeutig was gefehlt.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz: Torpedo`s 'Gorilla' Rascal (Gangsterslang für Leibwächter)sorgt für ordentliche Spasseinlagen, indem er immer wieder seinen Boss berichtigt und auch sonst ein Gegenstück zu seinem Arbeitgeber darstellt.
Beispielsweise verbessert er seinen Boss immer, wenn dieser wieder einmal mit einem Fremdwort nicht klar kommt.
Auch die sarkastischen Antworten Torellis auf verschiedenste Fragen regen immer wieder zum Schmunzeln an.

Anwalt: "Herr Torelli, wovon leben sie?", Torpedo: "Von Gottes Gaben?"

Auch dieser Band ist sauber verarbeitet und in einem schönen Hardcover-Format.
Und das Covermotic hätte besser nicht sein können - ein rauchender Torpedo mit Pistole im Anschlag.
Leider gibt es keine Einleitung, doch gibt es ein schönes Extra: Eine Autorenvorstellung (sehr hilfreich wenn man die Autoren nicht kennt) und ein ausgiebiges Interview mit E.S. Abuli.
Der geneigte Leser erhält viele wissenswerte Informationen aus dem Interview - u.a. auch, dass Autor Abuli keinerlei Sozialkritik oder politische Botschaft in seinen Band eingeflochten hat.

Torpedo besteht aus insgesamt 15 Einzelepisoden - jedes dieser Folgen ein kleines Meisterwerk für sich.

autor: Enrique Sachez Abuli
zeichner: Jordi Bernet, Alex Toth
comic-label: Glénat (Spanien), Cross Cult (Deutsch)
VÖ: 2006

10/10 >> Robert Schulze

18.3.07 15:00


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